Schreibmenschen · Workshops Kreatives Schreiben

Stimmungs würfel experimente

Heute war mal wieder so richtig schönes Wetter, blauer Himmel, strahlende Sonne, richtig schön heiß.
Ich hatte vor Hitze kaum geschlafen, mein Kopf tat höllisch weh und der Kaffee war alle. Richtig schöner Scheißtag. Versuchsweise öffnete ich das Fenster meines Arbeitszimmers, doch leider wurde die Luft dadurch nicht besser, statt dessen ließ ich mit Hitze und Pollen Kindergeschrei von der nahe liegenden Grundschule herein. Wahrscheinlich spielten die gerade mit Wasser herum, ich musste dringend meine Steuererklärung schreiben und brauchte Ruhe. Wütend schlug ich das Fenster wieder zu. Dass dabei ein Blumentopf von der Fensterbank vier Stockwerke hinunter fiel, interessierte mich nicht die Bohne.
Ich kochte. Ein Eiskaffee wäre jetzt gut, aber der Kaffee war ja leer und das Eis bestimmt auch.
Da klingelte das Telefon. Meine beste Freundin war dran, die vor zwei Jahren aus Magdeburg weggezogen war. Seitdem hatten wir uns nur einmal gesehen und ich freute mich sehr, von ihr zu hören. Sie war in der Stadt und fragte mich, ob wir uns nicht an der Elbe treffen wollten. Natürlich sagte ich zu. Die Steuererklärung konnte ich schließlich auch heute Abend noch machen, der Park in Elbnähe war vermutlich der einzige Ort, an dem sich dieses Wetter ertragen ließ, und auf dem Weg dorthin konnte ich mir noch einen Kaffee besorgen.
Ich holte also mein Fahrrad aus dem Keller. Es war zwar eigentlich viel zu warm zum Radfahren, für die Straßenbahn aber auch, für die ich außerdem hätte bezahlen müssen.
Im Treppenhaus begegnete ich einer Nachbarin, die sich wortlos mit ihren Einkaufstüten an mir vorbei schob, auf dem Weg musste ich dauernd Fußgängern ausweichen, die ohne auf ihre Umgebung zu achten den Radweg kreuzten – all das hätte mich wieder auf die Palme gebracht, aber ich wollte mich ja mit meiner besten Freundin treffen und mir die Freude darüber nicht verderben lassen, also biss ich die Zähne zusammen und ignorierte all die Idioten, die das schöne Wetter aus ihren Löchern vertrieben hatte.
Natürlich klappte das nicht ganz so gut, wie ich mir das gewünscht hätte, und meine Laune war schon wieder auf dem Weg in den Keller, als ich im – natürlich völlig überfüllten – Stadtpark ankam. Nur die Vorfreude auf mein Treffen hielt mich davon ab, gleich wieder umzudrehen.
Und dann war sie nicht da! Ich fasste es nicht. Nun gut, sie war noch nie die pünktlichste gewesen. Aber auch ich war schon einige Minuten zu spät. Wütend schmiss ich mein Fahrrad an unserem Treffpunkt ins Gras und trank erstmal meinen Kaffee aus. Das beruhigte mich natürlich kein Stück. Bei der Hitze und meinen Kopfschmerzen hätte ich Wasser trinken sollen, aber ich hatte natürlich keins dabei.
Ich kramte in meiner Fahrradtasche nach dem Handy. Zu Hause gelassen. Verdammt! Vielleicht hatte sie ja einen guten Grund, sich zu verspäten, und konnte mich jetzt nicht mehr erreichen.
Obwohl – war sie nicht schon im Park gewesen, als sie mich angerufen hatte? Hatte sie das nicht gesagt? Dass sie hier auf der Wiese lag und mich fragen wollte, ob ich nicht dazu stoßen mochte?
Ich konnte mich nicht erinnern. Verdammt verdammt verdammt! Hatte ich mal wieder nicht richtig zugehört. Aber sie war auch wirklich nicht besonders zuverlässig. Mein Umweg zum Kaffeeholen hatte mich bestimmt fünfzehn Minuten gekostet, sie hätte längst hier sein müssen, wenn sie es nicht ohnehin schon gewesen war.
Eine Gruppe Kinder stürmte mit Wasserpistolen an mir vorbei. Jemand zeigte auf mich und lachte. Schon hatten sie mich von oben bis unten nass gespritzt.
Das reichte! Ich würde nicht mehr warten, sie konnte mir doch gestohlen bleiben! Ich fuhr wieder nach Hause und vergrub mich in meinem Bett. Obwohl es dafür eigentlich viel zu warm war.

 

Urlaub – erster Versuch

Urlaub – Zweiter Versuch

Fabel: Du hast doch ne Schraube locker!

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