Workshops Kreatives Schreiben

Urlaub – erster Versuch

Aufgabe: Freie Assoziation zum Thema „Urlaub“

Kann es etwas Stressigeres geben als Urlaub?

Ich hatte mich so darauf gefreut, mir so viel vorgenommen. So viele Bücher sind in der letzten Zeit liegen geblieben, weil ich keine Zeit hatte, sie zu lesen. Radfahren will ich auf jeden Fall ganz viel und schwimmen. Die Wohnung müsste dringend mal wieder gründlich geputzt werden. Und der Papierkram auf meinem Schreibtisch stapelt sich fast bis unter die Decke.

Der Stress beginnt, bevor der Urlaub überhaupt angefangen hat. Freitag nach Feierabend. Was fange ich jetzt am Sinnvollsten mit mir an?

Ich sollte das Unangenehmste zuerst machen, damit ich nicht die ganzen zwei Wochen daran denken muss. Also erstmal den Abwasch. Beim Wegräumen des sauben Geschirrs fällt mir auf, dass die Stauräume in unserer Küche bei weitem noch nicht ausreichen. Aber kein Problem, schnell bin ich dabei, im Keller steht noch ein alter Schrank, der nur minimal angepasst werden muss.

Ich säge die zu großen Seitenteile zurecht und baue alles wieder zusammen. Es hält nicht. Das passiert halt, wenn man billige Schränke anders zusammen baut, als die Hersteller vorgesehen haben. Aber dafür hat Gott den Sekundenkleber erfunden. Sobald die Teile nicht mehr an meinen Fingern kleben, haben wir einen neuen Küchenschrank.

Natürlich ist die Ecke, wo der Schrank hin soll, total zugemüllt, während der Arbeitswochen kommt man ja zu nichts. Ich stelle die Kiste mit den leeren Flaschen in den Flur und den neuen alten Schrank in die dafür vorgesehene Lücke. Past fast perfekt. Endlich Ordnung in unseren Plastikdosen.

Aber Sägespäne in der Küche. Staubsauger her. Nicht alle Späne ergeben sich dem Luftstrom, irgendetwas Klebriges scheint auf dem Boden eingetrocknet zu sein. Aber ich wollte ja ohnehin richtig sauber machen.

Nach dem Wischen des Bodens und dem Polieren der Arbeitsflächen sieht die Küche besser aus denn je. Aber verdammt – bei so einer sauberen Küche fallen die dreckigen Fenster erst richtig auf.

Das mache ich morgen.

Der Samstag beginnt mit Fensterputzen. Und da ich den Lappen ja eh schon in der Hand habe, kann ich gleich mal die Regale feucht auswischen und die Badewanne putzen.

Auch der Boden im Wohnzimmer klebt. Was machen wir eigentlich mit unserer Wohnung? Kaum zu glauben, dass hier zwei erwachsene Frauen leben, ganz ohne Kinder und Haustiere.

Um den Wohnungsflur gleich mit zu wischen, stelle ich den Glasmüll erstmal ins Treppenhaus. Da kann ich ihn natürlich nicht stehen lassen. Und morgen ist Sonntag.

Also kann der Gang zum Glascontainer nicht warten. Ob man das Samstagabend um zwanzig Uhr dreißig überhaupt noch darf? Naja, lässt sich nicht ändern. Außerdem sind eh noch alle wach. Deutschland spielt ja gleich.

Bier auf, Chips her, ab auf die Couch, ich hab doch Urlaub. Aber bloß nicht kleckern, ist so schön sauber gerade.

Sonntag sind meine Hände aufgeschwemmt vom Putzen und meine Augen verquollen, als der Wecker klingelt. Aber es nützt ja alles nichts, wir haben Oma versprochen, ihr im Garten zu helfen.

Montag. Der erste Urlaubstag. Ich könnte mich eigentlich mit einem Roman und einem Kaffee in den Schaukelstuhl kuscheln … aber dabei blicke ich die ganze Zeit auf das Chaos auf dem Schreibtisch. Und war dazwischen nicht irgendwo ein Brief vom Jobcenter, den ich diese Woche noch beantworten muss?

Sechsunddreißig Stunden Kramen später habe ich den Brief immer noch nicht gefunden, aber dafür ist mein Schreibtisch jetzt ordentlich. Wo habe ich bloß diesen Brief hingelegt?

Egal, jetzt habe ich keine Zeit, ich bin mit meinem besten Freund in der Uni verabredet.

Nachdem ich bis Freitag Abend auch die Regale, den Beistelltisch und die Schreibtischschubladen aufgeräumt habe, finde ich den Brief – am Kühlschrank. Eine Antwort wird spätestens in einer Woche erwartet …

Also kann ich mich endlich meinen Büchern widmen … aber der Urlaub ist schon halb rum und ich wollte doch unbedingt noch meinen Blog aktualisieren und aufhübschen.

Außerdem steht Deutschland im Finale. Das nicht zu gucken, könnte in einer Beziehungskrise enden.

Erstmal das schon wieder dreckige Geschirr ….

Donnerstag der zweiten Urlaubswoche. Eine Radtour, ein halber Roman. Aber – nächste Woche muss ich schon wieder arbeiten. Ich sollte schon mal meinen Unterricht vorbereiten, damit ich nicht immer die gleichen Übungen mache.

Romane lesen kann ich auch noch im nächsten Urlaub. Oder wenn ich in Rente gehe.

Jetzt weiß ich, warum Menschen im Urlaub wegfahren. Aber mein Schatz hat nicht frei und leisten können wir uns eine Reise eh nicht.

 

So oder so ähnlich wird mein Urlaub aussehen. Liebe Frau S., darf ich nicht doch arbeiten?

entstanden am 30.06.2016

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