Workshops Kreatives Schreiben

Urlaub – Zweiter Versuch

Aufgabe: Freie Assoziation zum Thema „Urlaub“

Wenn ich an Urlaub denke, denke ich an zu Hause bleiben. Verreisen ist nämlich mein Beruf.

Gestatten, dass ich mich vorstelle: mein Name ist Koralla Kaffeetus Eugistan, von Haus aus Abenteurer und Raumfahrer. Wenn ich von mir in der männlichen Person spreche, dann bedeutet das nicht, dass ich ein Mann sei. Ich stamme nämlich aus der Familie der Eugerer, die jegliche körperliche Geschlechtsmerkmale vor Generationen verloren haben und jeglichen Rollenbildquatsch ohnehin aufgaben.

Aber darum geht es hier ja nicht.

Ich wollte von meinem Urlaub erzählen. Zunächst bleibt zu sagen, dass ich sehr selten Urlaub mache. Ich liebe nämlich meinen Beruf. Und im Gegensatz zu jenen, die tagein tagaus auf dem gleichen Planeten sitzen, fehlt es meinem Alltag ganz gewiss nicht an Abwechslung.

Aber hin und wieder braucht meine Raumfähre doch mal die ein oder andere Reparatur und dann freu ich mich doch auch darauf, mal für ein zwei Wochen in meinem Haus auf Agropolis einzukehren. Wofür hat man denn ein Haus, wenn nicht, um darin zu wohnen?

Meistens allerdings nutze ich es hauptsächlich als Lager für die Bücher und Erinnerungsstücke, die ich auf meinen Reisen nicht mit mir führen kann.

Mein Haus ist ein richtiges kleines Museum mit ARtefakten aus der gesamten Galaxie. Ein Narhundschädel ist dabei, das komplette erste Gebiss eines Riesengozoten, die ihr Gebiss bekanntlich zehnmal im Leben komplett wechseln, und die Federn einer südtopischen Gangagans.

Während meiner Reisen lässt mein Geschwister Schulgruppen ins Haus oder leiht jungen Forschern Bücher aus meiner gigantischen Bibliothek.

Ich selbst erlebe deren Inhalt ja lieber ganz direkt und nicht aus einem Buch. Und wenn es auf einem langen Flug mal langweilig wird, schreibe ich meine Erlebnisse für die kommenden Generationen auf. Ich teile mein umfangreiches Wissen sehr gern.

Jedenfalls – wenn ich unterwegs bin, denke ich sehr oft an Urlaub, an zu Hause, wo es keine Überraschungen gibt, keine wilden Wesen im Unterholz oder Wurmlöcher oder Luftangriffe.

Auf Reisen erlebt man nämlich nicht nur Gutes! Schon mehr als einmal bin ich auf Planeten gelandet, die mich verschlingen wollten, und einmal hat mein Schiff durch die Verdauungssäfte ernsthaft Schaden genommen, so dass ich mich nur mit Mühe retten konnte. Und erst neulich hat mich ein verrückt gewordener Federich komplett mit giftiger Tinte besudelt.

Und auch meinem Haus geht es in meiner Abwesenheit nicht immer gut. Einmal hat es mich so sehr vermisst, dass es sich doch tatsächlich absichtlich Bücherwürmer eingefangen hat!

Seitdem bemühe ich mich, regelmäßiger heimzukommen, wenigstens für ein langes Wochenende. Aber solange die Republik noch kein Highspeed-Wurmloch nach Agropolis verlegt hat, ist das nicht so einfach. Die strecken, die ich heutzutage zurücklegen muss, sind schon enorm, und meine Fähre ist noch nicht für Zeitreisen ausgerüstet.

Aber ich schweife ab. Also – wenn ich an Urlaub denke, denke ich hauptsächlich an Langeweile.

01.07.2016

 

Hat dir meine Geschichte gefallen? Dann ließ weiter unter: 

Urlaub – erster Versuch

Wortspielplatz (Schreibworkshops)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s