Throwback Thursday

Deutschlehrerin

#Onomatopoesie

„Bitte was?“

„Onomatopoesie.“

„Was? Ich spreche kein Klingonisch.“

„Das ist Griechisch.“

Es ist immer wieder das Gleiche. Meine Abneigung gegen Fremdwörter stand mir schon in der Schule im Weg und es hört einfach nicht auf. Aber mal ehrlich. Wer braucht denn so Worte wir Onomatopoesie? Außer natürlich er/sie unterrichtet Deutsch…

„Aber das müssen Sie doch kennen, Sie sind doch Deutschlehrerin. Das ist so ein Stilmittel, ich weiß auch nicht mehr, wie man das übersetzt, aber ich fand das Wort so toll.“

Genaugenommen bin ich keine Deutschlehrerin. Aber das zu erklären würde wohl zu weit führen. Und natürlich haben die TeilnehmerInnen der beruflichen Reha das Recht, eine qualifizierte Dozentin zu erwarten, ich weiß nur selber nicht so genau, wie ich zu dieser Stelle gekommen bin, und meine Kenntnis von Fremdwörtern war sicher nicht der Grund. Vielleicht waren sie einfach so verzweifelt, weil niemand diese Kurse übernehmen wollte, und ich habe nicht schnell genug Nein gesagt …

„Sie haben doch bestimmt ein Smartphone dabei, fragen Sie doch einfach mal Google, der weiß doch alles. Heutzutage hat doch jeder ein Smartphone.“ Außer mir. Also muss ich zugeben, wenn ich etwas nicht weiß. Aber wenn er doch weiß, dass das Wort aus dem Griechischen kommt, weiß er doch bestimmt auch, was es bedeutet, wahrscheinlich will er mich bloß testen, weil er schon bemerkt hat, dass ich keine Deutschlehrerin bin? Immerhin weiß ich, wo ich in diesem Satz die Kommata zu setzen habe.

„Na, das ist, wenn man ein Wort bildet, indem man einen Laut nachahmt. Wie Kuckuck zum Beispiel.“

Ich muss lachen. Also doch. Nur ein Test. Menschen. Immer müssen sie sich anderen überlegen fühlen.

„Na, dann ist es doch kein Wunder, dass ich nicht mehr weiß, wie das heißt. Das mache ich nicht mehr, seit ich weiß, dass das Brummbrumm Auto heißt.“

Auch er lacht. „Gut gegeben. Eigentlich wollte ich auch nur wissen, ob da ein H drin ist, wir hatten das vorhin beim Galgenraten und das sah so komisch aus.“

„Na, da müssen Sie dann wohl wirklich Google fragen. In welchem Fach haben Sie denn Galgenraten mit Wörter wie Onomatopoesie gespielt? Ich dachte, jetzt hätten wir Deutsch.“

„Ach, Sie müssen noch viel lernen über diesen Ort, an dem Sie jetzt arbeiten. Das ist hier nicht so wie in der Schule …“

Schön wär’s. Manchmal ist es immer noch Spießrutenlaufen, nur dass ich jetzt ganz vorne stehe anstatt ganz hinten zu sitzen. Manchmal macht es auch Spaß, aber halt nur manchmal. Und manchmal verwende ich viel zu viele Dochs und Manchmals und Eigentlich bin ich doch gar keine Lehrerin’s. Und irgendwie bin ich dann doch eine, auch wenn es weit hergeholt ist, dass jeder, der sich in der deutschen Sprache gut auskennt, sie auch unterrichten kann. Aber ich mache es und so bin ich schon eine Deutschlehrerin. Irgendwie.

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