Tagespolitisches

Vielen Dank für die Blumen

„Nach reiflicher Überlegung muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir unser Arbeitsverhältnis auflösen müssen.“ Das klingt ja auch so viel netter als Kündigung. „Die Probezeit ist ja auch dafür da, dass wir von beiden Seiten gucken, ob es passt, und ich hatte da schon länger ein schlechtes Gefühl. Sie müssen sich auch einfach selber schützen.“

Ich weiß zwar nicht so genau, wovon sie redet, aber ich nicke ergeben. Ich habe auch viel zu viel damit zu tun, die Tränen zurückzuhalten, um zu antworten.

„Sie haben so viele Qualifikationen, Sie können so viel Tolles machen, aber halt nicht hier. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute.“

Danke für die Blumen. Ich habe doch eigentlich ganz gern hier gearbeitet. Schade.

„Sie sind schließlich auch wichtig.“ Das höre ich in letzter Zeit häufiger. Schade nur, dass dem Amt das ziemlich egal ist. Aber was solls.

Nach knapp dreieinhalb Monaten sozialversicherungspflichtiger Arbeit bin ich also wieder draußen, auf der Straße, wo ich hingehöre. Bei den Steinen, die mir ihre Geschichte so viel bereitwilliger anvertrauen als die Menschen. Obwohl ich es doch immer nur gut gemeint habe. Vielleicht habe ich einfach eine seltsame Art, das zu zeigen.

Bin ich also wieder da, wo ich angefangen hatte. Bei einem Leben, das mir einfach nicht sagt, was ich damit anfangen soll. Schreiben. Einfach nur Schreiben.

Wenn das nur so einfach wäre.

Wenn ich die Wahl hätte, zu tun, was mich glücklich macht, würde ich nur noch lesen, schreiben, meine Sozialkontakte auf die paar Leute einschränken, die mich wirklich verstehen. Aber wer hat schon die Wahl. Was also tun? Was tun?

Manchmal muss man eine Menge Sackgassen erkunden, um den richtigen Weg zu finden. Ich frage mich nur, wieviele Wege mir noch zu erkunden bleiben. Bis nur noch dieser eine Trampelpfad über Treibsand bleibt, den zu gehen ich nicht wage. Auch wenn es der einzige Weg ist, an dem Blumen wachsen. Der einzige Weg, auf dem Gedanken geschätzt werden, ganz egal, wie abwegig und unpassend sie zunächst scheinen mögen.

Warum gibt es eigentlich keine Mäzene mehr? Einfach irgendwen, der meine Miete und meine Krankenversicherung zahlt, mehr brauche ich doch gar nicht.

Schade. Ich habe gerne hier gearbeitet. Macht es gut. Ich werde euer Chaos vermissen.

6 Kommentare zu „Vielen Dank für die Blumen

  1. Auch wenn es dumm klingt, und dumm klingen ist meine Spezialität, so sehe es so wie ich: Wer dich nicht zu schätzen weiß, der hat dich auch nicht verdient…

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