Tagespolitisches

Der Morgen danach

Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so leer gefühlt habe. Ich möchte nichts essen, nichts machen, nicht einmal mehr schlafen. Ich habe mehr als genug geschlafen.

Ich bin so müde.

Mein Kopf ist leer, alle Kraft, alle Worte, alle Gedanken herausgesaugt wie mit einem großen Staubsauger. Dieser geistige Kater nach einem großen Rausch. Was habe ich nur wieder gemacht?

Wie gut, dass ich zur Zeit erwerbslos bin. Ich könnte jetzt unmöglich arbeiten gehen.

Ich weiß nicht, ob ich Hunger habe. Ich habe seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen. Ich möchte irgendwie weinen, aber ich bin doch gar nicht traurig. Nur so leer. Tränen kommen ohnehin keine, dafür hätte ich vielleicht etwas trinken sollen, seit – keine Ahnung wann.

Erinnerungen rieseln blass, wie der Schneematsch vor dem Fenster, und wie ihn kann ich sie nicht greifen. Sie zerfließen sofort und hinterlassen nur kalte Finger. Wo war ich? Und wer bin ich überhaupt?

Mein Bett bildet Tentakel und umwickelt mich fest in durchgeschwitzte Laken. Tropische Luft im deutschen Januar. Keine Rückenschmerzen mehr. Gar keine Schmerzen. Nur feuchtwarmer Nebel.

Sollte man nach so einem Wochenende nicht voller Energie und Tatendrang sein, voller Ideen und Motivation? Bin ich sicher nach der Dusche und dem ersten Kaffee, aber erstmal bleibe ich noch hier liegen und sehe in den grauen Himmel. Die graue Tapete um das Fenster, die gestern noch weiß war, ganz sicher.

Ich bin wieder zu Hause, aber ein Teil von mir ist noch dort, in Berlin. Ich weiß nicht, ob das gesund ist.

Und trotzdem würde kein Arzt mich davon abbringen, es wieder zu tun. Ein ganzes Wochenende für’s schreiben ist einen Montag, an dem ich zu nichts zu gebrauchen bin, definitiv wert.

2 Kommentare zu „Der Morgen danach

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