Tagespolitisches · Throwback Thursday

Am Ende aller Kräfte bleibt das Zuwenig

Sehe ich bei Facebook all die Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit und die Interviews mit Flüchtlingen, die Bilder von Toten im Mittelmeer und das Schulterzucken der Politiker, will ich vor allem eines: etwas tun!

Aber was? Ich verbringe mein Leben damit, Menschen zu unterrichten, die es schwer hatten – manche davon Flüchtlinge, die schon anerkannt sind. Und für diese Menschen habe ich einen Wert, einen Nutzen. Aber … es bleiben so viele andere! Mein Geld reicht gut zum Überleben, gerade gut genug, mir das Gefühl zu geben, ich müsste doch spenden. Aber für wen? Es gibt so viele gute Aktionen, so viele gute Organisationen … so wenig Geld auf meinem Konto.

Und sonst so? Ein Kreuzchen setzen, hin und wieder, das ist ja klar. Und so viele setzen ihre Stimme an Stellen ein, die für mich unvorstellbar sind, so dass meine Stimme im Sand verläuft, im Staub einer unnötigen Fußball-EM oder der neuesten Kaufhauseröffnung. Und die Flüchtlinge sagen zu Recht, ihr habt die Macht! Aber welche Macht bleibt noch übrig, am Ende eines Arbeitstages? Die Macht über die Wahl des Fernsehprogramms. Wenn überhaupt.

Und ich denke, das hat Methode. Schon in der Schule haben wir gelernt, welche Aufgaben wir haben, welchen Standards zu gehorchen ist. Wenn man mal wirklich alle Aufgaben erledigt hat, kann man tun, was man will – aber in genau abgesteckten Bahnen. Vielleicht ein bisschen mehr lernen als die anderen, damit das mit dem Studiumsplatz gut klappt. Vielleicht ein bisschen soziale Arbeit, das macht sich gut im Lebenslauf und bei Stipendiumsbewerbungen. Kunst eher nicht, damit verdient man doch eh kein Geld.

Und Kunst ist gefährlich. Kunst reißt Grenzen ein. Zunächst einmal im Kopf, aber Kunst bleibt dabei nicht stehen, Kunst will reale Wirkung, will reale Grenzen einreißen, will ein Flugzeug chartern und nach Syrien fliegen, um sogenannte Illegale nach Deutschland zu fliegen. Aber für die Kunst ist niemand illegal. Kunst kennt keine Grenzen, auch wenn sie uns das Leben kosten können.

Und wie steht es mit meiner Kunst?

Die Künstlerin auf dem Arbeitsmarkt schnappt nach Luft. Ist wirklich aller Unterricht vorbereitet, wirklich alles Geschirr abgewaschen, gibt es da noch die Weiterbildung, man lernt ja niemals aus, und die Steuererklärung, die mal wieder auf dem Postweg verschwunden ist, der nächste Termin im Jobcenter. Selbstfürsorge ist eine Tasse Kaffee, ausnahmsweise mal im Sitzen. Fürsorge für andere … morgen ist ja auch noch ein Tag.

(veröffentlicht 23.06.2016)

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