Schreibübungen · Schreibhain · Workshops Kreatives Schreiben

Sonst noch was?

unaufgeräumter Schreibtisch mit Tastatur, Teetopf, Tasse, Stiften

Ich war so gut vorbereitet gewesen.

Da das Pitching schon um zehn Uhr morgens in Berlin beginnen sollte, wollte ich bereits am Vorabend anreisen. Dass der Zug Verspätung hatte, irritierte mich nicht weiter. Es schimpften doch immer alle über die Bahn, da musste mir das doch auch mal passieren. Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet hatte, wurde mitgeteilt, dass der Zug ausfiel.

Okay. Ich war gut vorbereitet, ich hatte Zeit. Der Zug fuhr stündlich. Eine Verspätung um eine Stunde war nicht schön, zumal es regnete. Aber ich hatte Zeit.

Doch auch der nächste Zug kam nicht. Die Durchsage am Bahnsteig war völlig unverständlich, doch mein Handy teilte mir mit, dass es eine Störung im Stellwerk gab. Konnte die behoben werden? Da war mein Telefon überfragt und am Neustädter Bahnhof gab es kein Personal.

Also fuhr ich erstmal mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof war voller Menschen, die nicht an ihr Ziel kamen, die Schlangen an den Schaltern vom Reisecenter reichten bis vor die Tür. Ich rief erstmal mein Hostel an und sagte Bescheid, dass ich mich verspäten würde. Man beruhigte mich. Die Rezeption würde die ganze Nacht besetzt sein.

Eine Lautsprecherdurchsage wiederholte, was ich schon wusste. Störung im Stellwerk, im Moment ging nichts rein oder raus, wann der Fehler behoben sein würde, wusste niemand. Aber Berlin war ja nicht so weit weg, ich hatte noch fünfzehn Stunden Zeit bis zum Pitching, das sollte ja zu schaffen sein, beruhigte ich mich und holte mir einen Kaffee.

Natürlich hatte ich meinen Becher zu Hause vergessen und musste einen aus Pappe nehmen, um mich damit in die Schlange genervter Fahrgäste zu reihen – Wartegäste im Moment. Es fuhr ja nichts.

Noch bevor ich an der Reihe war, schallte eine neue Durchsage durch die Bahnhofshalle. Heute ging nichts mehr, Fahrgäste könnten in bereitgestellten Zügen übernachten oder im Hotel.

Ich brauchte kein Hotelzimmer. Ich hatte eins. In Berlin. Da musste ich hin.

Im Reisecenter ging es jetzt schneller, viele gaben ihre Nachfragen auf, um als erster im Hotel zu sein oder sich die letzten belegten Brötchen zu sichern. „Ich muss morgen um zehn in Berlin sein“, keuchte ich einer gestressten Bahnmitarbeiterin entgegen. Langsam wurde ich doch nervös.

„Um sieben geht der erste Zug morgen.“

„Aber geht er denn?“ Mit dem Zug wäre ich um neun in Berlin und müsste noch eine halbe Stunde U-Bahn fahren, reichlich knapp das Ganze. „Können Sie mir versichern, dass das Problem bis morgen behoben ist?“

Das konnte sie nicht. Sie zuckte überfordert mit den Achseln. Arme Frau. Das Ganze war nicht ihr Fehler. Aber ich konnte das Pitching nicht verpassen! Und ein Auto hatte ich nicht, nicht einmal einen Führerschein. Was sollte ich tun? Hinter mir wurde das Geschrei derer, die morgen auch einen wichtigen Termin hatten, lauter. Aber nur ein wenig. Morgen war Sonntag, wer hatte da schon Termine.

Ein anderer Bahnmitarbeiter warf entnervt sein Telefon auf den Tisch. „Ich erreiche oben niemanden, um das abzusichern. Aber wir haben das schon mal gemacht. Wir ordern Taxen.“

Ich stand ganz vorne in der Berlin-Taxi-Schlange und musste auch nur noch eine weitere Stunde warten. Und etwa zwei Stunden im Stau. Aber hey – die Rezeption war tatsächlich rund um die Uhr besetzt und ich bekam meinen Zimmerschlüssel auch noch um zwei Uhr nachts.

Natürlich verschlief ich am nächsten Morgen und hetzte ohne Frühstück und mit noch nassen Härchen im Nacken zur U-Bahn …

Aufgabe: Alles, was schief gehen kann, geht schief … Erzähle von deinem Super-GAU.

Wer hätte gedacht, dass so viel allein auf dem Weg schon schief gehen kann? Daher erzähle ich erst nächste Woche, was dann beim Pitching passiert. Und baue dabei hoffentlich ein paar meiner Ängste vor diesem wichtigsten Ereignis meiner bisherigen Karriere ab. Natürlich erzähle ich euch auch im Nachhinein, wie es wirklich war. Also denkt an mich am 05. Mai, wenn ich mein aktuelles Romanprojekt der (Literatur)Welt vorstelle!

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