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Auf dem Grund des Meeres.

unaufgeräumter Schreibtisch mit Tastatur, Teetopf, Tasse, Stiften

#1. Der Sturm frischte auf, Gischt spritzte über die schwarzen Felsen. Das Haus in der Ferne könnte mir Schutz bieten, doch es lag im Dunkeln. Nur das fahle Licht des Mondes, der gelegentlich durch die Sturmwolken blickte, hatte mir seine Gegenwart gezeigt. Meine eigene Funzel reichte nicht so weit.

Sollte ich wagen, zu dem dunklen Haus herüber zu gehen? Wenn mich nicht alles täuschte, lag es exakt in der falschen Richtung.

Wenn ich die Klippe erreichte, solle ich nach Süden gehen hatte der Riese gesagt. Aber bei dem Unwetter – wusste ich denn wirklich, dass das Haus im Norden lag? Am nächsten morgen trocken und ausgeruht, würde ich das viel besser entscheiden können.

#2. Also wendete ich mich in die Richtung des Hauses, das ich jetzt schon wieder gar nicht sehen konnte Der Himmel war schwarz, der Sturm peitschte mir Regen ins Gesicht. Aufmerksam behielt ich die Klippe im Auge, um nicht abzustürzen.

Doch der Boden unter meinen Füßen schien seine Festigkeit verloren zu haben. War ich in einen Sumpf geraten, so nah an der Küste? Ich war so müde.

Alles schien zu fließen, selbst mein Körper. Unaufhaltsam strebte alles auf den Abgrund zu. Im letzten Moment griff ich nach dem Ast eines krüppeligen Apfelbaums,

*1 aber ich rutschte ab. Ich dachte noch, ich müsste Angst haben, aber auch mein Geist zerfloss. Ich war Wasser im Regen und gleich würde ich ein Teil des Meeres sein …

#3. Der Aufschlag auf der Wasseroberfläche tat dann erstaunlich weh, dafür dass ich ein Wassertropfen war – nein, halt, ich war kein Wasser, ich war wieder eine Zwergin. Ob es der Schock des Sturzes war oder das eisige Meer, der Zauber fiel von mir ab und mein Bart saugte sich schnell voll.

Wie ein Stein sank ich, so sehr ich auch mit den Beinen strampelte. Meine Lampe – natürlich erloschen – trieb unter mir, meine Schultertasche sank nicht ganz so schnell.

Wie konnte ich überhaupt sehen? Trotz der schwarzen Nacht über mir und der sicher vielen Meter Wasser umgab mich ein diffuses Licht, das von überall zugleich zu kommen schien. Das Wasser war durchsetzt von leuchtenden Punkten – Gold! Doch viel zu fein, um daraus Schmuck zu schmieden.

Dieser Schatz gehörte dem Meer, ich versuchte gar nicht, ihn zu bergen, ich musste ihn dem Meer lassen, ich musste hier raus, ich brauchte Luft!

#4. Noch bevor ich die Wasseroberfläche erreichen konnte, verlangten meine Lungen nach Atem. Doch das salzige Wasser tat nicht weh, es fühlte sich sogar gut an!

Vor lauter Staunen hörte ich mit dem Wassertreten auf und sank promt wieder ein paar Meter.

Zwerge konnten nicht schwimmen – das wurde mir jedenfalls immer gesagt. Daher hatte ich es natürlich auch nie versucht. Und jetzt merkte ich, dass ich unter Wasser atmen konnte?

Ich ließ mich bis zum Boden sinken und sah mich um. Nicht viele Meter vor mir endete das goldene Flimmern an einer schwarzen Wand. Das musste die Küste sein. Doch die Wand war glatt und steil, niemals konnte ich die erklettern, und meine Knochen waren zu schwer, um zur Wasseroberfläche zurückzukommen? Musste ich jetzt unter Wasser weitergehen, bis ich an eine flachere Stelle gelangte? Auch wenn die Atmung keine Probleme mehr bereitete, waren das keine erfreulichen Aussichten.

#5. Frustriert lehnte ich meine Stirn an die Wand, zog sie jedoch sofort zurück, als ich bemerkte, wie der Stein in Bewegung geriet.

Was war das jetzt schon wieder?

Langsam schoben sich Stufen aus dem Fels, bildeten eine natürliche, wenn auch nicht zu grobe Treppe. Konnte mein Geist Materialien formen, Wasser zu Luft, eine Wand zu einer Treppe?

Doch bevor ich weiter drüber nachdenken konnte, wurde das Wasser um mich von schweren Wellen aufgewirbelt, sie drückten mich an den Fels. Ein waagerechter Blitz schlug genau neben mir ein und ließ es Steine regnen.

Furchtsam drehte ich mich um, während ich gleichzeitig schon drei Stufen emporstieg. Meine Ahnung war richtig – ein Drache!

Golden wie die Partikel im Wasser mit einem langen, dünnen Hals und dünnen Flügeln jagte er wie eine übergroße Flunder auf mich zu. In panischer Hast rannte ich meine Treppe hinauf.

‚2. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich die Wasseroberfläche, das Drachenmaul klappte knapp unter meinen Füßen zusammen.

„Bleib doch hier“, dröhnte die Stimme des Ungeheuers in meinem Kopf, ein wenig traurig klang sie, aber ich ließ mich dadurch nicht beirren.

Man hatte mir früher Geschichten über diese Drachen erzählt, die so schön glänzten und ihre Opfer mit sich in die Tiefe zerrten. Sollte er seinen Schatz doch behalten.

Ich war am Ende meiner Kräfte, als ich endlich die Ebene erreichte.

#6. Der Himmel war immer noch schwarz, aber der Regen störte mich nicht mehr. Das Haus konnte ich nicht mehr sehen, wo Süden war, wusste ich auch nicht. Also blieb ich einfach an Ort und Stelle liegen.

Wenn nur meine neue Zauberkraft das harte Küstengras unter mir in ein Daunenkissen verwandeln würde… Aber nichts passierte. Vielleicht ließ sie sich nur in Notfällen anwenden. meine Augen fielen dennoch zu, das letzte, was ich sah, war, dass auch meine Haut golden schimmerte. Das Wasser musste abgefärbt haben.

Als ich die traurige Stimme des Drachens wieder hörte, wusste ich nicht, ob ich schon träumte. „Ich habe dir von meiner Zauberkraft gegeben und dein Leben gerettet. Warum nutzt du sie nun, um vor mir zu fliehen? Ich bin so allein …“ Und dann verschwand die Stimme in der Tiefe des Schlafes und ich war mir später nie mehr sicher, sie wirklich vernommen zu haben.

Aufgabe: Für dieses Rollenspiel mit dir allein brauchst du
– ein Startszenario
– zwei vielseitige Würfel
– einen Katalog mit Handlungen, mit dem die Würfelnummern belegt werden.
Du erzählst deine Geschichte und würfelst – sofort dreht sich deine Geschichte in eine andere Richtung, wie reagierst du?
– den zweiten Würfel nimmst du, um zu entscheiden, welcher deiner Versuche gelingt und welcher nicht.

Anfangszenario: #1. Du stehst an einer Klippe und in der Ferne siehst du ein Haus.
#2. Ein böser Zauber befällt die Gegend.
#3. Du findest einen Schatz.
#4. Du entdeckst an dir eine magische Fähigkeit.
#5. Ein Drache kommt.
#6. Eine Erwartung erweist sich als falsch.

An *1 gelingt es nicht, an *2 geht es gut aus.

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