Allgemein

Kapitel zwei

in dem Mia ihre Wohnung einrichtet und sich an einen Traum erinnert.

Kapitel eins

Mia brauchte nicht lange, um den von Elli in ihrer Wohnung angerichteten Schaden zu reparieren. Die Erde war kühl, feucht und klebte gut. Mit ihren großen Grabhänden wühlte Mia sich durch den vom Himmel gefallenen Dreck – von der Decke, die nicht mit dem Himmel identisch war, wie Elli ihr erklärt hatte. Aber Mia traute dem fremden Einhorn noch nicht recht. Sie grub und klopfte dann alles gut fest. Das durch Ellis linken Vorderhuf verursachte Loch im Himmel ließ Mia offen. Zwar hatte sie sich an die Sonne noch nicht gewöhnt und das würde sie sicher auch nie, doch das, was Elli Musik nannte, gefiel ihr. Und irgendwie hoffte sie doch auch auf einen Besuch dieses großen, Seifenblasen atmenden Tieres, daher erschien es Mia nützlich, einen Eingang in ihre Welt offen zu halten.

Nun hatte Mia einen Eingang in ihre Welt und einen Namen, da brauchte sie doch auch ein Namensschild, nur für den Fall, dass ein Einhorn oder ein anderes nettes Tier – das es laut dem Einhorn ja geben sollte, auch wenn Mia nicht recht daran glaubte – also, dass irgendwer auf seinem Weg vorbeikommen und Mia zufällig besuchen kommen wollte.

Zwar glaubte Mia gar nicht an solche märchenhaften Dinge wie Besuch. Aber sie wollte sich schließlich später nicht vorwerfen müssen, sie wäre selbst Schuld daran, dass sie keinen Besuch bekam, weil niemand wusste, dass sie hier wohnte.

„Ich brauche also ein Namensschild“, sagte Mia zu sich selber, „damit jeder, der möglicherweise – aber natürlich vermutlich nicht – vorbeikommt, weiß, hier wohnt Mia. Nur für den Fall.“

Mia krabbelte also vorsichtig aus dem Loch, das Ellis linker Vorderhuf in ihren Himmel gebohrt hatte. Lange stand sie einfach so da und blinzelte und schnupperte die frische Luft und wartete, dass etwas passieren würde. Schließlich wusste sie noch gar nicht, ob sie außerhalb ihrer Welt überleben konnte, und sie wollte auf alles vorbereitet sein.

Es passierte aber wieder Erwarten gar nichts. Weder kamen wilde Tiere, um sie zu fressen, noch brannte die grelle Sonne Löcher in ihren schwarzen Pelz und eine Lungenentzündung bekam sie auch nicht. Also wagte Mia sich tapfer weiter vor.

Als dann immer noch nichts passierte, rannte Mia ganz schnell um den Eingang zu ihrer Welt und die Eiche, unter der er lag, herum. Sie wollte so schnell wie möglich wieder in ihrer Welt sein. Wer wusste schon, ob sie sich hier oben nicht vielleicht verlief oder das grelle Licht plötzlich ausgehen würde. Ohne die Sicherheit ihrer Gänge, in denen sie sich blind zurecht fand, würde sie wohl nie wieder nach Hause finden.

Mia fand ein quadratisches Stück Pappe, einen kurzen Pfahl, in dem zwei alte Nägel steckten, und ein Stück Kohle. Mit ihren Schätzen beladen, rannte sie schnell wieder zurück zum Eingang ihrer Welt, den sie in Gedanken Weingang nannte, weil das kürzer war. Mit den Füßen in der Erde und der Nase im Blumenduft fühlte sie sich gleich viel sicherer.

Jetzt konnte sie sich Zeit lassen. Und die brauchte sie auch. Dass sie ein Namensschild am Weingang brauchte, war ganz klar. Aber wie machte man sowas?

Mia wartete ein Weilchen, aber Elli kam leider nicht zufällig vorbei, um ihr zu helfen. Also besah sich Mia erstmal ganz genau, was sie zu ihrer Wohnung mitgebracht hatte. Auf der einen Seite der Pappe stand amaz, aber da Mia nicht lesen konnte, sagte ihr das nichts. Die andere Seite war leer bis auf einen schwarzen Strich, den die Kohle darauf hinterlassen hatte, als sie beides unter den rechten Arm geklemmt hatte.

Sie lachte leise. „So kann ich also schreiben“, sagte Mia zu sich selber, „aber wie schreibt man MIAR?“ Mia kaute nachdenklich auf ihrem Schnurrbart herum.

Dann grinste sie und kratzte mir der Kohle auf der Pappe herum. Zwar war ihr nicht eingefallen, wie man Mia schreibt, aber sie malte einfach ein winkendes Ich darauf. „Das ist auch viel besser“, sagte Mia zu sich selber, „falls jemand vorbei kommt, der nicht lesen kann, zufällig. Und dann weiß er auch gleich, dass ich nett bin.“

Dann zog Mia die Nägel aus dem Pfahl, bohrte sie durch die Pappe, steckte sie wieder in den Pfahl und bohrte den Pfahl wiederum neben dem Weingang in den Boden.

Kaum hatte Mia ihr Namensschild neben dem Weingang stehen, kam auch schon ihr erster Besucher. Es war ein blauer Schmetterling, der ein paarmal um das Schild herumflog und dann, ohne etwas gesagt zu haben, wieder im Wald verschwand.

„Nun, das war immerhin ein Anfang“, sagte Mia zu sich selber. Der Schmetterling erinnerte sie an jemanden, aber sie konnte sich nicht erinnern, an wen, und das machte sie traurig. „Nun, so ist das Leben“, sagte Mia zu sich selber, „Leute kommen, Leute gehen, man vergisst. Traurig, traurig.“

Und sie zog sich in ihre Welt zurück, um nicht weiter über Schmetterlinge, Einhörner oder sonstwen, den es möglicherweise gab und möglicherweise auch nicht, nachdenken zu müssen.

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