Das Wort zum Diensttag · Everyday Writing Challenge · Gegen das Sommerloch

Im Dienst des Planeten

wir haben ja keinen anderen

(Vorsicht. Ich werde im Laufe dieses Textes ziemlich oft den Advocatus diaboli geben. Also lest den Text bis zum Ende, bevor ihr mich beschimpft.)

Umweltschutz ist in Mode. Ist euch das auch schon passiert, dass euch Menschen, die euch jahrelang als Ökospinner verspottet haben, plötzlich stolz ihre Bio-Label-Klamotten vorführen oder nach Müllvermeidung in der Küche ausfragen? Die Regierung mag den Naturschutz sträflich vernachlässigen, aber auf einmal bietet jede große Marke Bio- und vegetarische Produkte an und schreibt sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen.

Für wen eigentlich?

Aber wen oder was schützen wir da eigentlich, wenn wir uns im Naturschutz engagieren? Die Natur? Die braucht unseren Schutz nicht (wie ich letztens in einem Satirebeitrag gehört habe). Die Natur schützt sich schon selber. Na klar, im Moment sterben in rasendem Tempo Arten aus. Dass das Insektensterben so ein großes Thema werden konnte, obwohl Insekten weder hübsch noch kuschelig sind, ist schon bezeichnend. Aber die ganze Natur zerstören? Das schaffen wir nicht.

Selbst für den unwirtlichsten Lebensraum gibt es zumindest ein Bakterium, das sich dort wohlfühlt. Und es ist schon einmal ein unfassbarer Artenreichtum aus Kleinstlebewesen entstanden. Das kann wieder passieren. Na klar, es dauert ein paar Millionen Jahre. Und mit uns hat das nicht mehr viel zu tun. Aber die Natur schützt sich selbst. Im Notfall vor dem Menschen.

Den Pandabären?

Wir könnten natürlich genauer von Artenschutz sprechen. Wir schützen die Natur, so wie sie gerade ist, um das Artensterben aufzuhalten. Korallen, Pandabären, Bienen – schützen wir aber auch Arten, die weder hübsch noch dem Menschen irgendwie dienlich sind? Und wenn wir wirklich alle Arten gleichermaßen schützen wollten, müssten wir dann nicht konsequenterweise auch längst ausgestorbene Arten wiederbeleben, das Mammut zum Beispiel? Obwohl es gar keinen Lebensraum mehr hat?

Haben Arten einen Eigenwert, unabhängig vom Menschen? (Ich denke schon, aber das ist ein anderes Thema. Irgendwann werde ich euch mit Albert Schweitzer bekannt machen, aber nicht heute.)

Unsere Urenkel?

Um dem Problem des Eigenwertes der Natur*so*wie*sie*ist zu entgehen, sprechen viele Menschen davon, wir müssten die Natur für die zukünftigen Generationen bewahren. Es ist erwiesen, dass die Klimaveränderungen das Leben, so wie wir es kennen, mehr und mehr erschweren werden. Mehr Naturkatastrophen, gestiegener Meeresspiegel, größere Wüsten, überfischte Meere … Völkerwanderungen, um Hunger und Hitze zu entgehen … und keine Möglichkeit mehr, an Korallenriffen zu schnorcheln.

Aber von wem sprechen wir denn hier? Haben Menschen, die noch gar nicht existieren, irgendwelche Rechte? Und können wir nicht einfach dafür sorgen, dass sie niemals geboren werden, dann können sie schließlich auch nicht unter unserem Müll leiden? Hat denn jemals jemand an uns gedacht, bevor es uns gab? Okay, die früheren Generationen haben uns einen Haufen Technologien und Wissen und relativen Wohlstand hinterlassen, aber doch auch die Atombombe und Auschwitz. Und sie haben dabei auch nicht an uns gedacht, daran, wie wir damit leben sollen. Jeder muss halt das Beste aus der Situation machen, die ihm/ihr gegeben ist.

Die demonstrierenden Schüler*innen zeichnen da ein anderes Bild. Denn die zukünftigen Generationen, die unter unserem Lebenswandel leiden müssen, werden schon geboren. Mit Anfang dreißig gehöre ich schon zu der Generation, die sich von ihren Enkeln fragen lassen werden muss, warum wir denn nichts getan haben, wir wussten doch um die Konsequenzen. Wenn wir überhaupt noch Enkel haben werden.

Uns selbst?

Wenn wir jetzt anfangen, etwas für die Erhaltung der Arten und unserer Umwelt zu tun, werden wir nicht gleich etwas merken. Die nächsten Jahre werden stürmisch werden, egal wie wir darauf reagieren. Aber viele Maßnahmen, die auch gut für das Klima sind, sind doch sofort angenehm für jeden Einzelnen. Das Autofahren einzuschränken sorgt für bessere Luft, ein Schwerpunkt auf pflanzlicher Ernährung für ein leichteres Körpergefühl, Verzicht auf Pestizide für weniger Krankheitsfälle. Ein Tempolimit hindert vielleicht den einen daran, pünktlich zu einem nervigen Termin zu kommen, reduziert jedoch auch die Verkehrstoten unter denen, die ganz gemütlich fahren.

Und wie?

Umweltschutz geht auf vielen Wegen. Nicht alle erfordern viel Zeit oder Geld. Das einzige, was nicht helfen wird, ist, auf die Politik zu warten und auf noch größere Umweltsünder zu schimpfen. Freiwillige Selbstbeschränkung kann nur der erwarten, der es auch selbst macht.

Aber ihr könnt selber Einfluss nehmen auf die Politik und Industrie. Zum Beispiel durch die Art, wie ihr konsumiert, was ihr konsumiert und ob überhaupt. Ihr könnt euch Dinge teilen oder sie gebraucht kaufen und erst, wenn das nicht möglich ist, neu kaufen. Wenn ihr selbst Produkte anbietet, könnt ihr auf Nachhaltigkeit in Produktion und Verpackung achten. Nur im Notfall im Internet bestellen und nicht zurücksenden. Ihr könnt andere zu mehr Nachhaltigkeit erziehen, wenn ihr Lehrer*innen seid oder Eltern. Ihr könnt Aufklärung betreiben. Auf Demos gehen. Oder selbst in der Politik mitmischen. Welcher Weg für euch der Beste ist, hängt von eurem Charakter, eurem Beruf, eurem Umfeld ab. Hauptsache, ihr macht irgend etwas.

Und ich?

Ich habe vor kurzem in einem Seminar darüber diskutiert, ob mensch Ratschläge nur von denen annimmt, die selbst danach leben. Sicher gibt es Ausnahmen, aber es ist sicher hilfreich. Was mache also ich für unsere Umwelt, meine potentiellen Enkel und mich selbst? Ich ernähre mich, so weit ich es schaffe, pflanzlich (manchmal ist Pizza Seelenfutter. Aber ich arbeite daran.) Ich habe Ökostrom und -gas. Ich fahre kein Auto. Ich fliege nicht. Ich recycle oder upcycle so viel von meinem Müll, dass meine Frau immer wieder die Hände über dem Kopf zusammen schlägt. Ich kaufe unverpackt, so weit es geht. (Seife statt Duschlotion spart so viel Plastik.) Ich kaufe nachhaltig produzierte Kleidung. Und da die teuer ist, nicht viel davon. Ich habe schließlich alles, was ich brauche. Ich diskutiere mit Schüler*innen und Eltern und jedem, der mir vor die Füße läuft. Ich suche nach Wegen, mein Engagement zu steigern. Und wenn du durch diesen Beitrag auch nur eine Kleinigkeit in deinem Leben änderst, fällt das bestimmt Karmamäßig auf mich zurück ;-).

Also, denkt nach, bevor ihr kauft, und vor allem
lest! schreibt! lebt!

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