Everyday Writing Challenge · Gegen das Sommerloch · Mia Maulwurf

Kapitel drei

in dem Mia eine Identität bekommt und vollends verwirrt wird.

Kapitel eins
Kapitel zwei

Mia war gerade dabei, aus großen, frischen Blättern ein Sonnendach über dem Weingang zu bauen Sie wollte nicht immer geblendet werden, wenn sie ihre Welt verließ. Da kam Elli mit einem kleinen, langohrigen Tier des Weges.

„Hallo. Ich bin Hans-Harald Hase“, sagte das Tier, „das Einhorn hat gesagt, du brauchest Hilfe. Also, hier bin ich. Wie kann ich behilflich sein?“

Mia wischte verwirrt ihre Brillengläser, obwohl sie ganz sauber waren.

„Hans-Harald, wir möchten wissen, was für eine Art Tier Mia ist“, sagte Elli.

„Aha!“, sagte der Hase und zuckte klug mit der Nase. „Kann das Tier denn auch sprechen?“

Mia nieste empört und – zugegebenermaßen – leicht eingeschüchtert. „Na-na-türlich.“

„Aha!“, sagte der Hase. „Na, dann lass dich mal ansehen, du kleines Tier. Das haben wir gleich.“

Der Hase hüpfte ein paar Mal um Mia herum. „Aha! Da haben wir zunächst einmal schwarzes Fell. Das kann alles mögliche bedeuten. Aha! Riesige Hände. Du könntest übrigens deine Fingernägel mal säubern, das nur am Rande. Aber das Äußere ist nicht unwichtig. Der erste Eindruck zählt, das solltest du wissen.“

Elli Einhorn kaute unbeteiligt an einem Grashalm und pustete hin und wieder schillernde Seifenblasen in die Luft. Der Hase hüpfte weiter um Mia herum. Mia bekam vor Nervosität einen Schluckauf.

„Aha! Besonders gesprächig ist es ja nicht, das Tier“, sagte Hans-Harald. „Vermutlich nicht besonders schlau.“

„Hicks!“, sagte Mia empört.

„Aha! Eine dicke Brille. Vermutlich so gut wie blind. Ein riesiger Schnurrbart. Aber das ist nur ein schwacher Ersatz für fehlendes Augenlicht. Das hilft einem nur in engen Gängen, nicht in der freien Natur. Eindeutig nur für enge Gänge gemacht. Ein kleiner Geist.“

„Hicks!“, widersprach Mia.

„Du hast übrigens Moos in deinem Schnurrbart“, sagte der Hase.

„Aha! Die Sache ist ganz klar“, sagte der Hase. „Dieses kleine Tier ist ein Maulwurf.“

Zufrieden sah Hans-Harald Hase sich um. Elli kaute immer noch auf ihrem Grashalm. Mia schaute betreten an sich hinunter.

„Ganz klar“, sagte der Hase, „ein Maulwurf.“

„Und was ist ein Maulwurf?“, sagte Mia und vergaß vor Aufregung ganz, Schluckauf zu haben.

„Ein Maulwurf“, sagte der Hase. „Ein Maulwurf ist ein ganz mangelhaftes Tier. Siehst du mich? Ja? Aha!“ Der Hase zog an seinen langen Ohren. „Ich kann hervorragend hören. Aha!“ Der Hase rieb seine strahlenden Augen. „Ich kann ziemlich gut sehen. Aha!“ Der Hase beklopfte seine starken Hinterläufe. „Ich kann schnell rennen und hoch springen. Aber du?“

Mia blinzelte und besah ihre kurzen, dicken Beine. Die Brille rutschte von ihren winzigen Ohren und als sie zu Boden fiel, sah Mia gar nichts mehr. Verlegen zwirbelte sie ihren Schnurrbart.

„Ein Maulwurf kann nur Gänge buddeln, die anderer Leute Häuser zum Einsturz bringen, und Hügel aufschütten, in die andere Leute reintreten und sich die Gelenke brechen. Ein Maulwurf ist ein völlig sinnloses Tier. Tut mir leid.“

Und damit hoppelte Hans-Harald Hase davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. Mia schlich traurig in ihre Welt, ohne sich von Elli zu verabschieden. So sinnlos und mangelhaft, wie sie war, durfte sie doch nicht mit einem Einhorn sprechen.

Doch in Ellis Kopf arbeitete es schon, um diese überflüssige Begegnung wieder auszugleichen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s