Musikrezension

Kannst du mich reparieren?

Bücher, CD-Player, CD-Regal. Chaos.

Es war an einem dieser Tage, an denen mehr als die Hälfte der Welt in Flammen stand und ich Meere heulen wollte, um nicht zur Arbeit zu gehen, da habe ich deinen Werkzeugkasten gefunden.

Wann war es, dass du ihn bei mir vergaßt? Vermutlich, als du mir geholfen hast, in diesem Leben einzuziehen, das mir jetzt schon wieder zu klein geworden ist. Wie sollen meine Gedanken auch hoch fliegen, wenn die Decke auf zwei Meter fünfzig hängt und zwischen Lehrbüchern und dreckigem Geschirr keine Sekunden mehr fliegen?

Dein Versprechen, mich zu hören, öffnete die Schleusen und mein Kaffee schmeckte salzig. Schon so lange waren wir nicht mehr hier, unter dem Regenbogenmond, schon so lange habe ich als aufgescheuchtes Tier funktioniert. An den Mut von Helden kam ich nicht mehr heran.

Kinder zu erziehen, die nicht meine sind, und die skeptisch gerunzelte Elternstirn, was weiß denn die schon? Seiteneinsteiger sind doch gar keine richtigen Lehrer. Kinder zu lieben, die nicht die meinen sind, und an ihre Zukunft zu denken auf einem geschmolzenen Planeten. Und die eigene Schuld zu kennen.

Romane im Kopf zu tragen, weil die Zeit fehlt, sie aufzuschreiben.

Vertraute Schmerzen zu sehen in den Augen und zwischen den Zeilen anderer und nichts tun zu können.

All das schlaucht. Für all das lebe ich und es saugt mich aus und manchmal bin ich dann leer.

Und auch zwischen deinen Zeilen und Werkzeugen sehe ich Schmerzen, die ich kenne. Ich habe dich schon viel zu lange nicht mehr gefragt, wie es dir eigentlich so geht. Mit den viel zu vielen Rollen, die du spielst, weil du es willst. Ich sehe dich auch, ich kenne das. Lass uns gemeinsam navigieren und wir finden etwas, selbst wenn es keine Lösung ist. Wir kriegen das hin.

Es war an einem dieser Tage, an denen mehr als der Permafrost taute und selbst in meinem Meer des Schweigens der Müll besser schwamm als ich, da hatte ich wieder deine Stimme im Kopf und sie gab mir die Sicherheit, die ich brauchte. Jeder Wind dreht einmal. Und ohne Gegenwind kann man sich ganz schlecht in die Lüfte schwingen.

Dein Werkzeugkasten gemahnte mich, weiter zu laufen, fing meine Wut und half mir auf’s Rad. Vielleicht war ich ja gar nicht kaputter als andere. Mir hatte nur die richtige Schraube gefehlt.

So eine Art Albumbesprechung. Diese Woche zu Anna Loos‘ „Werkzeugkasten“. Und wenn ich zwischen Ethikstunden und Geschirrspülen die Zeit finde, gibt es nächste Woche das nächste, aktuelle Lieblingsalbum.

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