Everyday Writing Challenge

Aus dem NaNo – der Mord

unaufgeräumter Schreibtisch mit Tastatur, Teetopf, Tasse, Stiften

Luise war am Hassel etwas trinken gewesen, sie hatte gehofft, jemanden zu treffen, mit dem sie reden konnte. Andrea kam nicht. Dabei hatte sie ihr mehr als eine Nachricht geschrieben. Wahrscheinlich war ihr Handyakku mal wieder leer, Andrea passierte das ständig. Schade. Sie hätte das leichte Gespräch, den leichten Sex mit ihr heute wirklich gut gebrauchen können. Sie wollte nicht mehr nachdenken.

Jetzt war sie angetrunken und allein und es ging ihr noch schlechter als vorher. Thomas hatte sie wieder angerufen. Warum konnte er sie bloß nicht alleine lassen? Ob er wohl von Andrea wusste? Und was gäbe es da überhaupt zu wissen? Was war das mit Andrea?

Sie hatte Andrea vor vielen Wochen schon bei einer queeren Tanzveranstaltung kennengelernt, in die sie betrunken und völlig unvorbereitet gestolpert war. Wer konnte auch ahnen, dass sich Lesben und Schwule gerade im Schauspielhaus zum Tanzen trafen? Sie hatten getanzt, geredet, geknutscht. Mehr wusste Luise nicht mehr. Und Andrea hatte ihr nie vorgeworfen, dass Luise am nächsten Morgen ihren Namen nicht mehr wusste. Oder noch nicht. Vielleicht hatten sie über Namen wirklich gar nicht gesprochen.

Aber auch nach vier oder fünf Monaten, Luise wusste es gar nicht mehr genau, wusste sie nichts über Andrea. Sie war Goldschmiedin, sie wohnte draußen in Westerhüsen. Und das war alles. Wo kam sie her, wie war sie aufgewachsen? Und wo wollte sie hin? Luise wusste es nicht. Vielleicht war Andrea ja böse auf sie, weil Luise ihre Beziehung immer noch nicht offiziell machen wollte. Vielleicht war sie deshalb nicht gekommen. Oder vielleicht war sie gekommen und hatte sie den ganzen Abend beobachtet, um zu schauen, was Luise tat, wenn sie allein war. Waren da nicht Schritte hinter ihr?

Luise sah sich hektisch um. Da war niemand. Nur der stille, leere Breite Weg, der auch mitten in der Nacht nicht dunkel wurde. Sie wurde paranoid. Ob das nun an Thomas lag oder an Andrea, beide waren wohl nicht gut für sie.

Luise bog kopfschüttelnd in die Leiterstraße, um den Weg zum Bahnhof abzukürzen. Sie sollte erst einmal alleine bleiben, das war am besten. Aber sie musste es Andrea sagen, irgendwie.

Wieder waren da die Schritte. Schwer, wie große Stiefel. Andrea trug oft große Stiefel, für eine kleine Frau hatte sie erstaunlich große Füße, und sie sagte immer, bei ihrer Arbeit bräuchte sie Schutzkleidung. Dass das zumindest nicht der einzige Grund sein konnte, ergab sich daraus, dass Andrea diese Schuhe auch trug, wenn sie mit Luise Cocktails trinken war. Aber das war ja Geschmacksache.

Luise beschleunigte ihre Schritte. Die Leiterstraße wirkte nach dem Breiten Weg schmal und dunkel. Irgendeine Straßenlaterne musste kaputt sein oder war das ihr Alkohol getränktes Gehirn? Wer war da hinter ihr?

Eine Stimme rief ihren Namen. Luise erkannte sie nicht. Sie wollte sich noch umdrehen, aber da traf sie etwas Hartes an der Schläfe und sie fiel zu Boden. Sie sah nur die schweren, roten Kunstlederboots. Solche trug Andrea gerne. Aber nicht nur Andrea. Das war nicht Andrea.
Luises Augen waren schwer, vom Schlag und vom Alkohol. Sie wollte einfach hier liegen bleiben und schlafen. Und morgen würde sie merken, dass niemand sie angegriffen hatte. Sie war einfach betrunken und paranoid.

Dann traf sie der Gegenstand erneut, gleichzeitig ergoss sich eine Flüssigkeit über ihre Beine. Hatte sie eingepinkelt? Aber es war nicht warm. Es roch sauer, aber sie kannte den Geruch nicht. Es tat nicht einmal weh, nur so ein Kitzeln, als würde sich etwas in ihre Haut brennen. Aber auch das war vermutlich Einbildung.

„Hey! Brauchen Sie Hilfe?“

Schritte entfernten sich, andere näherten. Luise war so müde. Sie versuchte gar nicht mehr zu antworten. Sie würde einfach schlafen. Für immer schlafen.

Was ist der Nano? Schau hier.

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