Autorenleben · Schreibmenschen

Und wieder der NaNo

unaufgeräumter Schreibtisch mit Tastatur, Teetopf, Tasse, Stiften
Am verkramten Schreibtisch fühle ich mich noch immer am wohlsten

Gestern Abend war die wunderbare Jasmin Zipperling bei uns am Lagerfeuer und hat mich tatsächlich dazu motiviert, mal wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Ich weiß, ich war keine gute Gastgeberin in letzter Zeit.

Aber von Anfang an – im letzten halben Jahr ist viel passiert im Lande der Metallstifte und Wunden. Man sollte meinen, bei Pandemie und Schulschließung sollten LehrerInnen erst recht dazu kommen, an ihrem Blog weiter zu schreiben. Aber nein.
Einerseits habe ich über das Internet meine damalige fünfte Klasse aus der Ferne unterrichtet, andererseits in der Notbetreuung in der Grundschule mit den Kids an ihren Wochenplänen gearbeitet und Fußball gespielt.

Meine Mutter ist krank geworden und ich habe meine Sorge um sie durch tausend Bastelaktivitäten zu verdrängen versucht.

Ich habe Netflix durchgeguckt (naja, nicht ganz) und mein NaNo-Projekt aus dem letzten Jahr (die „Lügnerin“) überarbeitet. Wie so oft ergab sich beim Überarbeiten, was ich alles bisher noch nicht bedacht hatte, und ich musste ganz viel recherchieren.
Außerdem musste ich jederzeit bereit sein, wieder mit dem Präsenzunterricht zu starten, es wusste ja niemand, wie lange dieser Mist geht.

Freunde von mir (die großartigen Ule Hansen) haben ein Internetformat gegründet, bei dem sie zunächst wöchentlich, jetzt vierzehntägig mit wechselnden GastautorInnen über deren Neuerscheinungen und das Schreiben sprechen. Und als sie Unterstützung dabei gesucht haben, habe ich nur zu freudig „hier“ gerufen und die Social-Media-Vermarktung übernommen. Weil es ein großartiges Format ist, das mich immer wieder ans Schreiben erinnert, wenn mein Kopf sich woanders verliert.

Dann ging die Schule wieder los und ganz plötzlich brauchten wir dringend Noten, weil das Schuljahr ja schon fast rum war. Die Sommerferien kamen dann gerade noch rechtzeitig und ich habe in sechs Wochen acht Romane gelesen.

Kurz nach den Sommerferien ist bei mir dann alles zusammengebrochen. Die Sorge um meine Mutter, der durch die Pandemie noch zusätzlich gesteigerte Druck im Unterricht, die immer deutlicher werdenden Zeichen der Klimakatastrophe (die ich ganz bewusst nicht nur einen „Wandel“ nenne) und immer wieder der Gedanke, du wolltest doch noch schreiben – es war einfach zu viel und ich hatte die schwerste depressive Episode seit Jahren zu durchkämpfen.

Pünktlich zum NaNo, auch durch die Vorbereitung auf den NaNo habe ich mich wieder aufgerappelt und ein neues Projekt gestartet.

Neue Motivation

Und dann war da gestern Abend die wunderbare Jasmin. Vieles, was sie von ihrem eigenen Weg erzählt hat, erinnerte mich sehr an mich. Die schon sehr früh auftretende Idee, die blauäugigen Bewerbungen bei allen Verlagen, die Wut des ‚verkannten Genies‘, als Absagen kamen, die späte Erkenntnis, sich doch noch weiter bilden zu müssen.
All das habe ich auch hinter mir. Wie kommt es nun, dass Jasmin mittlerweile ihre Bücher veröffentlicht hat und ich nicht?

Ich könnte mich darauf herausreden, dass ich für Erwachsene schreibe und meine Texte dadurch zwangsläufig länger sind. Aber kürzen ist tatsächlich oft schwerer als noch mehr schreiben.

Ich habe allzu lange versucht, mit dem Schreiben aufzuhören. Viel zu viele Menschen haben mir gesagt, dass es nur ein Hobby sei, um das man sich kümmert, wenn man Geld verdient hat. Und ich hatte schließlich noch nichts verdient. Also habe ich einen vom Schreiben weit entfernten Beruf gesucht – nicht sonderlich erfolgreich, aber mit viel Energie. Und ich habe einen Beruf gefunden, der mir fast genauso wichtig ist wie das Schreiben und immer wieder viel Energie einfordert.

Auch verzettele ich mich viel zu oft. Ich habe so viele Ideen, deren Wichtigkeit für mich ständig wechselt, weshalb ich es nicht schaffe, etwas wirklich zu Ende zu bringen. Die „Lügnerin“ liegt noch hier, unbearbeitet, und ich schreibe an einem neuen Projekt. Das so groß ist, dass es den NaNo bei weitem überschatten wird.

Wie schaffe ich es, etwas fertig zu schreiben?

Einen Zeitplan aufstellen. Und diesen öffentlich bekannt machen, damit jemand überprüfen kann, ob ich mich auch daran halte.

Hier also der Plan:
Während des NaNos schreibe ich ein Spielbuch über eine Umweltschützerin im Lock-down. Spielbuch heißt, am Ende jedes Kapitels bekommt die LeserIn die Möglichkeit, sich zwischen zwei (oder mehr) Alternativen zu entscheiden. Daher muss ich gigantisch viele Kapitel schreiben am Ende.
Im Dezember werde ich vermutlich immer noch daran weiter schreiben.
Im Januar werde ich die ersten Kapitel überarbeiten und hier hochladen. Ein ganzes Buch, für euch kostenlos – dafür aber auch unlektoriert und relativ frisch aus der Taste. Und ihr seit meine TestleserInnen. Wenn ihr Widersprüche findet, immer her damit, ich werde versuchen, sie zu entfernen. Wenn fünf Leute sich für einen Weg entschieden haben, werde ich das nächste Kapitel hochladen. Sollte ich das Kapitel noch gar nicht geschrieben haben, habe ich also noch ein wenig Zeit, und ich lade nichts hoch, für das sich ohnehin niemand interessiert.

Soweit der Plan. Und ihr seid meine VertragspartnerInnen.
Jetzt geht es an die Umsetzung.

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