Zwanzigzwanzig

Das auslösende Ereignis

Dies ist das erste Kapitel meines Projekts "zwanzigzwanzig"! Dabei handelt es sich um ein Spielbuch, für das ihr die Beta-Tester seid. Wenn du noch gar nicht weißt, worum es geht, schau hier.

Tag 13 der Pandemie
Tag 10.612 der Krise

Die Bundesregierung kündigt ein Hilfspaket für die Wirtschaft im Umfang von 156 Milliarden Euro an.

Während der gezwungenermaßen freien Zeit des Lock-downs fangen angeblich alle Menschen Projekte an, an die sie sonst niemals gedacht hätten. Auf einmal werden Wände gestrichen, die eigentlich noch Jahre ohne Farbe ausgehalten hätten, Pflanzen umgetopft, die schon ewig verkümmern, das Buch angefangen, das man immer schon mal lesen oder schreiben wollte.
Als eine solche Idee beginnt das ganze Drama.

Auch du wirst durch den Zwang, zu Hause zu bleiben, aus deiner Lethargie gerissen, obwohl du selbst dann nicht viel raus gehst, wenn du darfst. Aber jetzt, wenn du nicht darfst …

Der Funke entzündet sich, als du die Nachrichtensendungen nach neuen Informationen zu diesem blöden Virus durchforstest. Die Läden, die Schulen, die Kultureinrichtungen sind seit über einer Woche zu, niemand weiß, wie es weiter geht. Niemand ist sich so ganz sicher, ob diese Reaktion wirklich angemessen ist, schließlich hat es doch immer wieder Pandemiedrohungen gegeben und nie war es wirklich schlimm. Und es scheinen nur alte und vorerkrankte Menschen Probleme mit dem Virus zu haben.

Aber du bist nicht jung und du bist vorerkrankt. Deine Medikamente schwächen dein Immunsystem und der Bewegungsmangel greift den Kreislauf und die Organe schon genug an. Du brauchst keine Lungenentzündung. Also sitzt du alleine an deinem Schreibtisch, anstatt raus zu gehen. Was für eine Veränderung.

Nachrichtensendungen zu finden ist nicht schwer im Moment. Eigentlich ist es schwieriger, eine Nachrichtensendung zu finden, die nicht über den Virus berichtet. Aber sie berichten alle nur das Gleiche. Fallzahlen, Verbreitung in verschiedenen Ländern, Theorien. Kein Wissen.
Und keine anderen Nachrichten. Du weißt, es ist alles zu, aber passiert in der Welt wirklich sonst nichts mehr? Du wechselst von N-TV zu Tagesschau zu Facebook.

In diesen anderen Medien gibt es ein bisschen vielseitigere Diskussionen, neutral ausgedrückt. Zum Beispiel soll Bill Gates den Virus erfunden haben. Was hätte er davon? Manche freuen sich, dass Greta jetzt endlich nicht mehr Thema in den Nachrichten ist. Greta wurde ja sehr dämonisiert in letzter Zeit. Es gibt auch tatsächlich Menschen, die der Meinung sind, der Virus wäre von Vorteil für die Umwelt. Alle Flüge sind bis auf weiteres gestrichen, viele Länder machen komplett dicht, und auch der Autoverkehr nimmt ab, wenn die Menschen nicht zur Arbeit oder zu Freizeitangeboten fahren dürfen. Umweltschutz quasi nebenbei, aus Versehen?
Aber die Mainstream-Nachrichten berichten nicht mehr über das Klima. Gab es nicht mal Demonstrationen? Diskussionen über das Klimaabkommen? Über Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen? Ach ja, die sind ja gegen den gesunden Menschenverstand. Dein Verstand scheint auch nicht mehr gesund zu sein. Oder nicht menschlich.

Du sitzt also an deinem Computer, in einem Tab läuft die Tagesschau, in einem anderen liest du dich durch wirre Kommentare zu einem Spiegelartikel, Facebook hast du gleich wieder geschlossen. Warum hast du da überhaupt einen Account? Es wird immer schlimmer mit den als Nachrichten verkleideten Meinungen. Deine Finger trommeln auf die Tischplatte, deine Beine schmerzen, und du fragst dich, wo ist der Umweltschutz hin? Klar, gerade habt ihr ein akuteres Problem. Aber wird dadurch das Klimaproblem kleiner? Kein Stück. Und einige Themen betreffen durchaus beide Probleme. Internationaler Tourismus zum Beispiel. Du hast nie verstanden, warum Menschen nach Bali oder in die Türkei fliegen müssen, um sich an den Pool zu legen und ein Buch zu lesen. Kann man das nicht genauso gut in Deutschland tun? Der Tourismus hat uns den Virus gebracht – nicht nur, aber auch. Der Tourismus verseucht unsere Luft.

Und die Bundesregierung denkt darüber nach, wie sie die Lufthansa vor dem Bankrott retten kann. Mit Steuergeldern. Fragt irgendwer den Steuerzahler, ob er das will?

Noch bevor du es recht merkst, lodert ein Feuer in deinem Kopf und das Strickzeug liegt vergessen unter dem Schreibtisch.

Du hast einen Knoten im Magen und deine Beine beginnen zu zittern. Du benötigst dringend Massagen, aber dein Physiomensch will nicht zu dir nach Hause kommen, er hat Angst, dich mit etwas anzustecken, dein Immunsystem und so.

Du stehst auf und stützt dich auf den Stuhl, um nicht gleich wieder umzufallen, bewegst ein wenig die Beine. In der Wohnung kommst du, Gott sei Dank, noch mit deinem Stock voran. Der Rollstuhl für weitere Strecken steht unten, der ausrangierte Rollator als Stehhilfe in der Küche. Das Leben ist beschissen.

Du reißt ein Fenster auf, du bekommst keine Luft mehr in deiner Wohnung, aber der Frühling draußen riecht nach nichts. Du hast das Gefühl, zu ersticken, wagst aber trotzdem nicht, den Computer zu verlassen, auch wenn deine Muskeln nach einem Vollbad oder wenigstens liegen schreien. Vielleicht sagen sie ja doch noch etwas Nützliches in den Pressekonferenzen. Interviews mit Medizinern und Politikern, ihr sollt alle jetzt mithelfen, zu Hause bleiben, Abstand halten. Ihr sollt aufhören, Masken zu hamstern, Masken brächten gar nichts. Und nicht das ganze Desinfektionszeug aufkaufen, das brauchen die Kliniken.

Menschen sind bescheuert und jeder ist sich selbst der nächste. Das weißt du ja. Aber wie konsequent die Menschen auf einmal mitarbeiten, wenn das Problem vor der Tür steht und nicht erst unten auf der Straße oder an den Grenzen.

Da ist ein potentiell tödlicher Virus unterwegs, der dich möglicherweise, falls du ihn bekommst und einen schweren Verlauf hast, innerhalb von wenigen Wochen umbringt. Alle machen mit. Da ist eine Klimakrise unterwegs, die dich auf jeden Fall, wenn niemand eingreift, innerhalb der nächsten fünfzig Jahre umbringt. Oder zumindest stark einschränkt. Und wenn du schon tot bist, dann zumindest deine Kinder und Enkel. Da kann man ja bestimmt morgen noch etwas machen. Oder nächstes Jahr.

Jemand müsste etwas Großes tun. Die Demonstrationen der Klimakids waren schön und gut, aber die haben nicht weh getan. Wenn die Kids nicht zur Schule gehen, könnt ihr sie mit einem Verweis bestrafen. Aber es tut niemandem weh. Also muss niemand darauf reagieren. Jemand müsste etwas tun, was weh tut.

Was machst du?
Recherchierst du weiter zu dem Virus
oder
liest du ein Buch?

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