Almost an Adult

Almost an Adult 26.40

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Die Notizen zu diesem Beitrag habe ich vor einer Woche gemacht. Zum Ausformulieren komme ich jetzt. Life is crazy. Also tut einfach so, als wäre heute erst der 5.10.

Da war ich erschöpft, aber glücklich. Ich hatte am Wochenende Familie besucht und viel mit bzw. neben meiner dreijährigen Nichte gemalt, mich von ihr inspirieren lassen, einfach mit Farben zu spielen, ohne ein perfektes Ergebnis zu erwarten.

Weil ich nach Familienbesuchen immer ziemlich erschöpft bin, hatte ich mir den Tag frei genommen für Gartenarbeit, Kunst und – Selbstreflexion. Denn die kommt an Tagen unterwegs immer etwas zu kurz. Das muss ich vielleicht noch üben, auch wenn ich mich immer ein wenig dagegen sträube, mir einzugestehen, dass es vielleicht wirklich täglich nötig ist. Ich darf doch wohl drei Tage aus mir herausgehen, ohne zurückzukommen?

Aber ich will präsenter werden, gerade, wenn ich meine Familie besuche.

Wenn einer eine Reise tut …

Zu meiner Familie bin ich mit der Bahn gefahren, ich habe ja nicht mal einen Führerschein. Ich fahre auch gerne Bahn, theoretisch. Ich habe immer ein wenig das Gefühl, mensch dürfe die Bahn nicht kritisieren, weil sie so notwendig ist.

Die Verkehrswende ist notwendig. Dadurch ist der Konzern Deutsche Bahn immer noch nicht zwangsläufig gut oder gar notwendig.

So viele Störungen selbst kann mensch der Bahn auch gar nicht vorwerfen. An diesem Wochenende wurde z.B. ein Stadtteilbahnhof evakuiert, weil ein mysteriöses weißes Pulver gefunden wurde. Das sich als Salz herausstellte. Ich weiß zwar weder, was für ein gefährliches Pulver sie vermutet haben, noch, was mehrere Kilo Salz neben dem Bahnsteig gemacht haben, aber wenn es wirklich gefährlich gewesen wäre und die Bahn hätte nichts gemacht, wäre es ja auch nicht richtig gewesen. Später handelten wir uns noch Verspätung ein, weil Menschen in der Lichtschranke der Tür standen. Menschen stellen sich manchmal auch einfach sehr blöd an.

Manchmal meldet sich in mir die Verschwörungstheorie, die Autolobby hätte bei der Bahn Saboteure, um die Bahn möglichst unattraktiv zu machen. Mit fehlenden Lockführys und fehlenden Zügen ist es kein Wunder, dass die Züge immer so voll sind, aber wie viel Pech kann sich summieren, ohne dass es Absicht ist? Oder zumindest grobe Fahrlässigkeit?

Staat, wann wachst du auf?

Ich werde Bahnfahry bleiben, was habe ich auch für eine Möglichkeit? Aber wenn das Deutschlandticket immer teurer wird und die Regionalbahnen immer überfüllter, steige ich vielleicht doch wieder auf IC um. Ich fahre ohnehin oft weite Strecken. Und solange Hamburg-Berlin gesperrt ist, fährt bei uns sogar ein ICE in die Hauptstadt. Glaube ich.

Teil für Teil

Noch vor dem Wochenende habe ich den ersten Teil meines aktuellen, sehr langen Lektorats beendet, so dass ich das Wochenende auch befreit genießen konnte, da ich ohnehin den zweiten Teil noch nicht hatte. So angenehm die Selbstständigkeit auch ist, hat sie doch durchaus auch Nachteile: Wenn ein Projekt mich so fesselt wie das aktuelle, arbeite ich die Wochenenden durch und bin dann bald erledigt. Ich kann doch nicht in einer selbstbestimmten Tätigkeit ausbrennen, in der nur ich selbst mir Druck mache!

Oder ich betrachte die ganzen 700+ Seiten, die vor mir liegen, und erschrecke. Es war angenehm, auf ein klar abgestecktes Ziel hinzuarbeiten und dieses zu erreichen. Ein Lektorat, besonders ein so langes, wird so schnell zu einem unüberschaubaren Großprojekt, das sich leicht prokrastinieren lässt, weil ich es ja ohnehin heute nicht fertig schaffe und morgen auch nicht, wer merkt denn schon, wann ich daran gearbeitet habe … und plötzlich sind Wochen rum und der Autor fragt nach und ich versuche, auf den letzten Drücker noch etwas zu schaffen. (Das ist mir im Übrigen noch nie passiert. Aber ich kenne diese Verhaltensweisen aus dem Studium und beuge ihnen lieber vor.)

Weil ich so genau wusste, wann ich mit Teil 1 fertig sein wollte, habe ich einmal genau ausgetestet, wie viele Seiten ich am Tag schaffen muss, um mein Ziel zu erreichen. So werde ich auch in Zukunft meine Tage planen anstatt „3 Stunden am Lektorat arbeiten“. Das war wirklich motivierend.

Rückblickend betrachtet

Monatswechsel sind ein guter Zeitpunkt, um zu reflektieren und zu planen. So habe ich eine Liste geschrieben, was ich im September alles gemeistert habe – und war überrascht von dem Ergebnis. Die eigenen Erfolge vergisst mensch so schnell oder redet sie klein. Sie einmal schriftlich festzuhalten, war ein großartiges Gefühl.

Und in den nächsten Monat zu schauen auch. Ich habe neben dem begonnenen Lektoratsprojekt noch zwei weitere, sowie die Kurse und Workshops in der Volkshochschule. Ich bin gut beschäftigt, endlich. Schwer genug bin ich gestartet, hoffentlich ist das nicht nur eine Phase, sondern ein Zeichen, dass ich endlich richtig loslegen kann.

Voller Kalender

Daneben habe ich einige Arzttermine (ich fühle mich alt), starte eine Gründer*innenberatung an der Uni und in den Preptober! Zeit, mich zu entscheiden, was ich im November schreiben will. Es wird wohl der zweite Teil aus dem Septemberprojekt werden, den ersten Teil habe ich im vergangenen November geschrieben. Was aber bedeutet, dass ich meinen Reisebericht vorher noch fertig schreiben sollte.

Wie gesagt, gut beschäftigt.

Und sonst noch?

  • Ich habe mehrere Hörbücher von Jonas Jonasson gehört. Ich liebe seine lockere Sprache und wie liebevoll er mit seinen schrägen Figuren umgeht.
  • Ich wurde endlich in die Künstlersozialkasse aufgenommen, was sich wie eine Anerkennung meiner Tätigkeit anfühlt. Ich arbeite jetzt offiziell hauptberuflich in der Kunst. (Aber leider ist immer noch eine Menge Orgakram nötig.)
  • Ich habe Freiexemplare eines von mir lektorierten Buches (Cinza) bekommen. Es fühlt sich toll an, meinen Namen im Impressum zu lesen.
  • Der Herbst macht die Katze anhänglicher, was ich in vollen Zügen genieße.

Ist dein Leben auch so voll gerade?

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