
Was ist ein Autor, dem die Worte fehlen?
Ich habe unterrichtet, ich habe lektoriert, aber geschrieben habe ich im Grunde nichts die letzten Wochen, weder hier auf dem Blog, noch an meinen Romanprojekten. Ein paar rohe Gedichte, den ein oder anderen verendenden Anfang. Sprachlos.
Dabei fehlen mir natürlich nicht wirklich die Worte. Mein Wortschatz ist vermutlich größer als bei den meisten. Mir fehlt auch nicht das Warum. Ich weiß sehr gut, warum ich schreibe. Ich glaube nur nicht daran, dass es einen Unterschied macht.
Mir fehlt das Gegenüber, jemensch, die sagt: „Ich lese, was du schreibst. Ich sehe dich, ich verstehe dich. Du hast in meinem Leben eine Bedeutung.“
Denn gerade jetzt, gerade nach dieser Landtagswahl und gerade mit diesem Trauma, das in meinem Bauch noch immer schmerzt, kann ich mich nicht damit zufrieden geben, nur für mich zu schreiben. Ich brauche eine Bedeutung, um morgens aufzustehen. Ich brauche eine Bedeutung, um weiter zu atmen, wenn das Atmen so weh tut.
Was habe ich die letzten Wochen gemacht?
Ich war beinahe jede Woche auf einer Demo. Dafür musste ich noch nicht einmal weit fahren, es gab vor Ort einfach wirklich viele.
Ich habe endlich ein neues Lektoratsprojekt, und was für eines! Lang, komplex und so wichtig.
Die Volkshochschule hat wieder angefangen.
Die Zeit der Gartenarbeit ist noch nicht vorbei.
Ich habe ein neues Workshopkonzept erarbeitet, das Achtsamkeit und kreatives Schreiben verbindet und dabei auch irgendwie politisch ist. Ich möchte es an Schulen anbieten und von außen finanzieren lassen, weil Schulen ja niemals Geld für die wirklich wichtigen Dinge haben.
Weil ich weiter Pläne mache, fand meine Therapeutin mich aktiviert nach der Wahl. Aber was bleibt uns auch anderes übrig? Auf der Couch liegen bleiben, bis die Retter kommen?
Das fühlt sich echt verlockend an gerade. Aber ich rappele mich jetzt wieder auf. Wir haben gewählt, das lässt sich jetzt erstmal nicht mehr ändern. Was daraus wird, werden wir sehen. Ich mache weiter Dinge.
Und ich erzähle euch davon.
Zunächst nur ein Lebenszeichen. Ich bin immer noch da. Vielleicht interessiert es euch. Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar, ich fühle mich sehr allein gerade.
