Almost an Adult

Almost an Adult 25.16 – 25.19

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Ich höre auf.

Ich höre auf damit, Dinge zu machen, die mich stressen, ohne dass ich durch sie einen Gewinn erziele. Gewinn ist damit nicht nur finanziell gemeint, meine Psyche macht es mir oft schwer, Dinge zu machen, die wichtig sind, um meine körperliche, psychische oder geistige Gesundheit zu erhalten. Natürlich ist Glück ein Gewinn, der sehr viel wichtiger ist als Geld.

Geld ist leider auch nicht unwichtig.

Aber ich höre z.B. auf damit, mich damit zu stressen, wöchentlich einen Blogbeitrag zu schreiben. Ich möchte darüber aufklären, wie anstrengend ein Alltag mit Depressionen ist. Aber meine Reichweite ist gering und mir damit mein Leben schwerer zu machen, ergibt keinen Sinn. Ich möchte Dinge machen, an die ich glaube. Dann fallen sie mir auch nicht so schwer.

Leben ist schwer

Die letzten Wochen waren aufwühlend. Sie haben mir gezeigt, wie groß die Rolle ist, die das Trauma immer noch in meinem Leben spielt. Ein Ereignis (oder mehrere, ich bin mir nicht sicher) vor vielen vielen Jahren sorgt dafür, dass ein notwendiger Abstrich beim Gynäkologen ein Horrortrip für mich ist. Dass es mich traurig macht, dass meine Nichten (zum Glück!) noch einen sehr unbefangenen Umgang mit ihrem Körper und Nacktheit haben. Dass ich in einem Konzert nicht neben einem fremden Mann sitzen bzw. stehen kann.

Ich wurde gefragt, ob ich ein Buch, das ich lektoriert habe, auch als Hörbuch einlesen würde. Ich konnte nicht glauben, dass ein Mensch meine Stimme wirklich so sehr mag. Dass ich mir Gehör verschaffen darf.

Ich habe Termine abgesagt und mich gewundert, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen musste. „Ich schaffe es heute nicht.“ war genug.

Die Stimmen im Kopf sind laut

Die Depression und die Angst belügen mich unisono und sagen mir, ich soll lieber zu Hause bleiben, das Draußen ist gefährlich. Und wenn mensch die Nachrichten so hört, haben sie gar nicht so unrecht. Für Frauen und für queere Menschen wird es immer gefährlicher. Aber zu Hause bleiben ist keine Lösung.

Ich wollte aufhören damit, mich von der Angst von irgendetwas abhalten zu lassen. Deshalb unterrichte ich an der Volkshochschule, auch wenn ich jedes Mal vorher denke, ich werde dabei sterben. Deshalb nehme ich Lektoratsaufträge an, auch wenn ich insgeheim sicher bin, jeden Moment als Hochstapler*in enttarnt zu werden. Deshalb passe ich auf meine Nichten auf, obwohl etwas in mir jederzeit mit einer Katastrophe rechnet.

Aber es ist schwer. Es erschöpft mich, den ganzen Tag gegen die Angst arbeiten zu müssen. Keinen Auftrag zu haben ängstigt mich, weil das bedeutet, dass ich kein Einkommen habe. Einen Auftrag zu haben ängstigt mich auch, weil es bedeutet, dass ich versagen kann. Kunst zu schaffen ängstigt mich, weil es mich sichtbar macht. Keine Kunst zu schaffen ist auch keine Lösung.

Kunst muss leicht bleiben

Ich höre auf damit, mich mit regelmäßigen Uploads bei Patreon zu stressen. Ich habe immer Schwierigkeiten damit, Geld für meine Kunst zu bekommen, weil ich nie glaube, dass ich gut genug bin. Aber solange mich ohnehin nur meine Schwester mit einem regelmäßigen Beitrag unterstützt, muss ich dem System nicht regelmäßig etwas liefern. Patreon soll ein geschützter, kreativer Raum sein, keine Arbeit. Wenn die Kunst mich stresst, verliert sie für mich ihren Wert.

Es ist Frühling. Nach vielen Physiotherapiebehandlungen fühlt sich mein Körper beinahe gut an. Nächste Woche geht meine Traumatherapie endlich wieder los. Das könnten alles gute Zeichen sein.

Aber ich höre auf damit, mir zu viel Druck zu machen. Wenigstens heute. Morgen springt das Leistungsprinzip dann vermutlich wieder an.

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