
Immer müde. Nur die Erklärungen für die Müdigkeit wechseln. Ein Wochenende mit den Nichten ist auf jeden Fall eine Erklärung, auch wenn ich dieses Mal dank guter Vorsorge keine Erkältung mit nach Hause gebracht habe. Anämie ist auch ein Grund. Und chronischer Stress. Und Kiefermuskulaturbeschwerden.
Ein Teufelskreis der Erschöpfung
Ich habe mal wieder eine Physiotherapie zur Behandlung meiner CMD (chronische muskuläre Dysbalance) am Kiefer begonnen, der Physiotherapeut sagte ganz richtig, dass die Ursache von Kieferbeschwerden meist Stress ist. Dass ich da etwas tun solle.
Er hat selbstverständlich nicht unrecht. Aber es ist gar nicht so leicht, den Stress loszuwerden, wenn für mich mit meinem Traumahirn im Grunde alles Stress bedeutet. Stressauslöser lassen sich nur bedingt reduzieren. Nicht mehr in der Schule zu arbeiten ist auf jeden Fall hilfreich. Die finanzielle Unsicherheit der Freiberuflichkeit nicht.
Das Hauptaugenmerk muss aber darauf liegen, wie ich mit Stress umgehe. Und dass Dinge wie Einkaufen, einen Arzttermin machen und wahrnehmen, Straßenbahnfahren, die Hausverwaltung auf ein Problem hinweisen und und und keinen (großen) Stress mehr darstellen. Entspannungsmethoden wie Yoga und PMR helfen – für den Moment. Dann sehe ich, dass die Packungsgröße meines Saftes verändert wurde und bin wieder gestresst.
Entspannung kann zu Stress werden
Ich habe in meiner mittlerweile weitläufigen Therapieerfahrung viele Entspannungsmethoden erlernt, die bei mir gut funktionieren und die ich regelmäßig praktizieren sollte. Für die CMD und für die Halswirbelsäule (nach einem kleinen Bandscheibenvorfall) habe ich Krankengymnastik, für die Stimme Übungen, damit ich besser gehört werde. Ich will Sport machen, sowohl Ausdauer- als auch Kraft-, meditieren, mich kreativ ausleben, auf die Körperhygiene achten (bei chronischer Erschöpfung echt keine Kleinigkeit), mich gesund ernähren. Manchmal habe ich das Gefühl, neben all diesen Übungen, die ich für Körper und Geist mache, um arbeitsfähig zu bleiben, habe ich gar keine Zeit mehr zu arbeiten.
Ob man das schon Freizeitstress nennt? Denn Verabredungen mit Freund*innen und Familie, mal ein Konzert- oder Theaterbesuch, ein Malkurs – das alles ist noch gar nicht eingeplant.
Diese Woche war ich dann so frustriert von meiner ewigen Erschöpfung, dass ich mir doch mal eine App zur sogenannten Nervensystemregulation heruntergeladen habe. Ich bin mir zwar immer noch nicht sicher, dass es sich nicht nur um einen neuen Social Media Trend handelt – denn wir alle regulieren unsere Nervensysteme ohnehin schon, nur nicht unbedingt bewusst – aber der Placeboeffekt ist auch nicht zu unterschätzen. Selbst wenn es mir nur zeigt, dass ich mein Problem ernst nehme, habe ich bereits etwas gewonnen. Die App ist leider von KI übersetzt und springt manchmal innerhalb eines Satzes vom Du zum Sie und zurück, aber ansonsten ist sie ganz okay.
Blutleere Tage
Zusätzlich zu einer diagnostizierten Anämie seine Periode zu bekommen ist einfach nur bösartig. Und weil die Kraft ohnehin nicht für viel mehr reichte, habe ich die Zeit für Selbstreflexion und Pläne schmieden genutzt. Zum Ende der Woche war ich bereit, mich wieder aufzurappeln, mich wieder mehr zu bewegen, mehr zu tun. Die Sonne tat ihr Übriges, um meine Laune wieder zu steigern.
Da stirbt meine Oma.
Ich bin erschöpft, ich fühle viel zu viel gleichzeitig und draußen beginnt der Frühling. Die Lustlosigkeit ist groß, der Druck auch, das Geld ist knapp. Aber ich wusste, dass die Anfangsphase schwierig wird. Jetzt aufzugeben ist keine Option.
Ich habe die Bearbeitungszeit für das Lektorat verlängert, die Autorin ist zum Glück sehr verständnisvoll. Kunst ist wichtiger denn je, Selbstfürsorge auch. Und dazwischen immer mal Arbeit, je nachdem, was geht.
Und sonst noch?
- Habe ich über ein neues Lektorat verhandelt, auf das ich mich sehr gefreut habe.
- Dann den Auftrag aber doch nicht bekommen.
- Und Originale, die es auch niemals als Druck geben wird, bei Etsy eingestellt. Jetzt müssen nur noch Menschen meinen Etsystore auch finden.
Also unterstütze mich bitte, indem du mich weiterempfiehlst, meine Beiträge teilst, mal im Store vorbeischaust. Oder etwas kaufst oder buchst, was ich anbiete. Ich möchte so sehr, dass das mit der Freiberuflichkeit klappt. Aber ganz alleine schaffe ich das nicht.
