Autorenleben · Schreibmenschen

Ich bin ein Kaleidoskop – und das ist gut so (4)

rote Zeichen auf weißem Grund, eher abstrakt

Ein Freund hat mich mal eine Bibliothek ungeschriebener Bücher genannt, weil ich immer so viele Ideen habe und so wenig davon wirklich ausarbeite, aus Zeitmangel und Selbstkritik. Aber vor allem bin ich auch eine bunte Bibliothek.

Mehr als Romane

Ich habe angefangen, wie wohl viele anfangen – als Kind kurze Geschichten, als Teenager Gedichte und dann Romane. Aber ich habe mit nichts, was ich einmal angefangen habe, wirklich wieder aufgehört. Ich schreibe nach wie vor Kurzprosa, auch wenn sie selten den Vorgaben einer klassischen Kurzgeschichte gehorcht. Ich schreibe unheimlich gerne Gedichte, wenn mir Gefühle auf der Zunge liegen.

Seit ich Ionesco und Sarah Kane gelesen habe, schreibe ich experimentelle Theaterstücke, die wenig Handlung und vor allem absurden Dialog haben – so wie ich echte Dialoge sehr oft empfinde. Viel aneinander vorbei monologisieren. Wenig Kommunikation.

Spätestens seit dem Philosophiestudium schreibe ich Essays.

Mehr als ein Genre

Und auch meine Romane passen nicht alle in eine Schublade (nicht nur, weil es so viele sind). Ich habe eher ernsthafte, psychologische Romane und Kinderbücher, Psychothriller und Fantasy – wobei ich mich gerne genau auf der Grenze zwischen Unterhaltungsliteratur und ernsthafter Literatur bewege, weil ich die so furchtbar veraltet und versnobt finde.

In der Buchbubble wird oft gesagt, mensch soll für jedes Genre ein eigenes Pseudonym wählen, aber ich stehe zu all meinen Facetten, den hellen und den dunklen. Und ich traue meinen Leser*innen zu, nicht nur auf den Autor*innennamen zu schauen, wenn sie überlegen, ob sie ein Buch kaufen wollen.

Außerdem gibt es natürlich auch Aspekte, die all mein Schreiben über die verschiedenen Gattungen und Genres hinweg vereinen. Mein eher knapper, salopper Stil, der genau dahin geht, wo es wehtut, und dort Blumen findet. Mein Interesse an der menschlichen Psyche und den Brüchen im Miteinander, der Einsamkeit und den Versuchen, diese zu überwinden. Ich denke, dass jemensch, der meine psychologischen Romane mag, vielleicht auch meine Fantasy mag, selbst wenn er normalerweise nichts mit Vampiren lesen würde.

Raus aus euren Schubladen, ihr wunderbaren Menschen!

Jedes Zimmer eine eigene Bibliothek

Natürlich spiegelt sich mein Schreiben auch in meiner Lektüre wider. Und allein, um das Wiederfinden zu erleichtern, nicht, weil ich eine Trennung für notwendig erachte, sind die verschiedenen Zimmer unserer Wohnung verschiedenen Genres zugeordnet:

Da findet mensch Kinder- und Jugendliteratur im Schlafzimmer, Klassiker, Psychothriller und Krimis und Fachliteratur im Kreativzimmer, queere Literatur im Büro und Fantasy und Science fiction im Wohnzimmer. Gibt es etwas, was ich nicht habe? Klassische Romance aus diesem Jahrhundert vielleicht, denn aus dem letzten Jahrhundert habe ich definitiv Romance.

Vergleichstitel und Buchmarkt

Im Lektorat hilft meine vielseitige innere und äußere Bibliothek dir, weil ich zu fast jedem Manuskript, so individuell es auch ist, bestimmt ein ähnliches Buch habe, an dem wir gemeinsam sehen können, was schon einmal geklappt hat. Natürlich sollst du ganz du selbst sein in deinem Schreiben. Aber du bist nicht allein und du schreibst nicht nur für dich – jedenfalls nicht, wenn du ein Lektorat anstrebst.

Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden, aber du kannst dich Genrekonventionen nur widersetzen, wenn du sie kennst. Und wenn du die Leseerwartungen deiner Zielgruppe enttäuschst, dann sollte es bewusst geschehen, denn es wird Konsequenzen haben.

Gemeinsam können wir in meinen Bücherregalen schmökern und überlegen, ob dein Krimi eher ein Conan Doyle oder eine Elisabeth Hermann, dein Fantasyroman eher Tolkien oder Paolini sein soll. Von denen du dich dann wieder bewusst abgrenzen kannst.

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