Almost an Adult

Almost an Adult 26.13 – 26.15

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Leben fällt schwer gerade. Ruhe zum Schreiben finden fällt schwer. Dabei ist April und als es noch den National Novel Writers Month (kurz NaNo) gab, gab es im April immer das Camp NaNo, eine abgeschwächte Form, in der sich ein jedes ein eigenes Ziel gesetzt hat. Und mein Ziel war eigentlich, endlich mal wieder täglich zu schreiben.

Aber selbst täglich Tagebuch zu schreiben, hat bisher nicht geklappt.

Sinn im Schreiben zu finden fällt aktuell schwer. Sinn zu finden generell. Liest mich überhaupt irgendjemensch?

Schreibe ich nur, um gelesen zu werden?

Angstfreie Musik

Zwei Wochen ist es jetzt schon her, da war ich bei einem Konzert von Sarah Connor. Life-Konzerte sind eins meiner Lebenselixiere; dass ich bei meinen letzten Konzerten heftige Panikattacken hatte, hat mir große Angst gemacht. Was wäre mein Leben noch wert ohne Live-Musik?

Natürlich war die Angst vor allem bei Stehkonzerten groß, wenn überall um mich herum Menschen waren, ich immer wieder angerempelt wurde. Aber Stehkonzerte haben auch eine ganz eigene Energie, die ich immer sehr genossen habe, und ich kann bei Musik ohnehin kaum stillsitzen. Nicht mehr zu Stehkonzerten zu gehen, wäre für mich daher wahrlich eine große Einschränkung der Lebensqualität.

Sarah Connor hat mit dem Verkauf von besonderen Fantickets die vorderen Reihen im Innenraum aufgelockert, es wurde nicht von hinten geschoben, weil ohnehin nur eine begrenzte Anzahl von Personen in diesen Raum konnten. Die Tickets waren dementsprechend teuer – meine Angstfreiheit ist es mir auch. Ich habe mich schon immer wohler gefühlt, wenn ich ganz nah an der Bühne stehen konnte, die Menschen, die hinter mir stehen, kann ich während des Konzertes viel besser ausblenden als die, die vor mir stehen.

Und an das Gedränge bei einer Massenpanik denke ich nicht mehr, sobald die Musik begonnen hat. (Alle Menschen kennen Tagträume und alle Menschen kennen Albträume. Aber kennt ihr auch Tagalbträume? Das zwanghafte, detaillierte Ausmalen der Worst Case Szenarien, das ihr nicht unterbrechen könnt?)

Und ich bin mir sicher, dass es auch daran liegt, wie Sarah in ihren Texten und im Erzählen zwischen den Liedern mit mentaler Gesundheit umgeht, dass eine Atmosphäre entsteht, in der ich mich beinahe sicher fühlen kann. Es wurde eben nicht geschoben und gedrängelt und als ich bei dem ein oder anderen Lied geweint habe, wurde nicht komisch geguckt.

Buchmesse für Anfänger

Das Konzert war in Hannover, ich wohne in Magdeburg, da muss ich ja ohnehin über Braunschweig fahren. Also bin ich in Braunschweig ausgestiegen und habe mir die Leseflair Frühlese in der Brunswiga angeschaut – ein kleiner Raum, vielleicht 15–20 Stände, entspannte Autor*innen und entspannte Besucher*innen. So wohl habe ich mich bei einer Buchmesse noch nie gefühlt (okay, ich war jetzt auch noch nicht auf so vielen). Obwohl ich fast niemenschen kannte, war es ein bisschen wie eine Familienfeier.

Wenn ich endlich mal wieder selbst etwas veröffentlicht habe, möchte ich dort unbedingt ausstellen.

Die Atmosphäre hat es leicht gemacht, ins Gespräch zu kommen, und ich habe ein paar nette Kontakte geknüpft, trotzdem war ich hinterher total überreizt und ko. Mich zu Hause wieder an mein Lektorat zu setzen, war schwerer, als ich mir gewünscht hätte.

Leben ist schwer

Ich habe das Gefühl, mich zu wiederholen, wenn ich schreibe, dass ich erschöpft und traurig bin. Ich bin am Leben. Und das ist schwer. Ich habe so unglaublich viele Ideen und Projekte, die ich alle am liebsten sofort umsetzen möchte – und dann fehlt mir die Kraft, mit nur einem anzufangen. An einem Auftrag zu arbeiten ist noch verhältnismäßig leicht, da ist eine Person, die darauf wartet, ich bekomme Geld dafür, ich brauche das Geld.

Aber schreiben? Malen?

Ich versuche gerade, mich neu zu strukturieren, nachdem ich gemerkt habe, dass die Tagesplanung nach Uhr für mich nicht funktioniert. Ich plane, um neun anzufangen, verschlafe aber, kann erst um halb zehn am Schreibtisch sitzen, und schon denke ich, der Tag ist ja eh verloren, grabe ich lieber den Garten um und versuche es morgen noch mal.

Jetzt habe ich ein paar fixe Uhrzeiten, um die Zeit nicht vollständig aus dem Blick zu verlieren und meine Medikamente regelmäßig zu nehmen, ansonsten arbeite ich danach, was mir im jeweiligen Moment leichter fällt. Ob dieses System besser für mich funktioniert, wird sich noch zeigen.

Und sonst noch?

  • Habe ich ein wunderbares Buch lektoriert
  • Den Balkon aufgehübscht
  • Menschen beim biografischen Schreiben begleitet
  • Meine Patreon-Goodies zu spät hochgeladen – aber merkt das im Moment überhaupt jemensch?
  • An allem gezweifelt.

Lasst mir gerne ein Sternchen oder einen Kommentar da, wenn ihr der Meinung seid, dass ich trotzdem weiter machen sollte.

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