Almost an Adult

Almost an Adult 26.08

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Gefühle können eine Menge Geld kosten, nicht nur, wenn mensch ihre Gefühle über Konsum reguliert. Und Nein sagen konnte ich ja noch nie gut.

Familienrundreise

Ich habe am vergangenen Wochenende eine Familienrundreise durch Niedersachsen gemacht und damit auch eine Rundreise durch meine Gefühlsmöglichkeiten. (Es war übrigens kein Rund, alle meine Familienmitglieder wohnen entlang einer Bahnstrecke, sehr praktisch.) Meine erste Station waren ein paar Läden in Braunschweig, meiner Heimatstadt. Ich hatte schon vor Wochen online nach Cafés geschaut, in denen mensch gut vegan essen kann, und mir Adressen rausgeschrieben.

Das erste Café, das ich besuchen wollte, war praktischerweise geschlossen, aber gegenüber lag ein Fair Fashion Geschäft, das ich mir gleich angesehen habe. Und als ich erfahren habe, dass der Besitzer noch einen zweiten Laden für Haushaltsartikel hat, habe ich gleich mal nachgefragt, ob sie zufällig auch Kunst haben. Haben sie nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden, also habe ich meine Visitenkarte hinterlassen. Ich habe in den Laden reingeschaut – viele Dinge, die sie anbieten, finden sich auch in meiner Wohnung, meine Kunst passt da auf jeden Fall rein.

Das zweite Café bietet neben Getränken und Speisen auch nette Kleinigkeiten an – Postkarten, Buttons, Sticker … so gerne hätte ich dort meine Kunst dazwischen. Also auch hier meine Visitenkarte hinterlassen (Chefin war schon weg, als ich den Mut hatte, zu fragen). Ich hatte das Gefühl, ich sei zwei Meter gewachsen.

Nicht nur Anfänge sind schwer

Ich habe bei meinen Eltern übernachtet und am nächsten Vormittag meine Großmutter besucht, die wirklich nicht mehr jung und auch nicht mehr fit ist. Der Besuch hat mich sehr traurig gemacht, weil ich das Gefühl habe, dass sie langsam verschwindet.

Mit diesem Gefühl bin ich am Bahnhof angekommen, um meine Reise fortzusetzen, und bevor ich die unerwartet freie Zeit (danke Deutsche Bahn, Zug ist ausgefallen) im Bahnhofsbuchladen totschlagen und unnötig viele neue Bücher kaufen konnte (Bücher sind nie unnötig, außer mensch ist am Anfang einer Bahnreise und hat ohnehin schon viel Gepäck), wurde ich von einer jungen Frau angesprochen. Sie sei Spanierin, sie sei mit ihrer Mutter und ihren jüngeren Brüdern, einer noch ein Baby, nach Deutschland gekommen, weil hier die Ausbildung besser sei, sie hätten noch keine Papiere, daher könne Mutter noch nicht arbeiten und sie noch nicht studieren. Sie habe Hunger.

Ob sie wirklich Spanierin war, sei mal dahingestellt (müssten EU-Bürger*innen es nicht einfacher haben?), aber die Nationalität ist mir egal. Dass sie wirklich ein Problem hatte, glaubte ich ihr. Bargeld hatte ich keins, daher habe ich ihr angeboten, ihr etwas zu kaufen. Und ehe ich mich versah, hatte ich ihr Lebensmittel, Pampers und Milchpulver im Wert von 100 Euro gekauft.

Helfen ist schön

Schon bei dem Milchpulver und den Windeln überlegte ich, ob ich vielleicht auf einen Schwindel hereingefallen sei, denn das ist teuer und lässt sich gut weiterverkaufen. Aber die Frau erschien mir ehrlich und ihr ihre Not nicht zu glauben, während ich all die Privilegien genoss, die eine Person mit deutschem Pass in Deutschland immer noch hat, fand ich zynisch. Ich möchte kein Mensch sein, der aus Angst vor Betrug lieber hundert Menschen hungern lässt, als einem Betrüger Geld zu geben. Ich möchte ein Mensch sein, der hilft, wo Hilfe nötig ist, und zwar direkt, schnell und unbürokratisch.

Aber das muss ich mir auch erstmal erlauben können. Ja, ich hungere nicht. Ich kaufe immer noch gelegentlich Dinge, die nicht unmittelbar nötig sind. Aber von meinem Gründungszuschuss allein kann ich auch nicht leben und Aufträge zu bekommen ist gerade am Anfang gar nicht so einfach. Ich habe zugunsten meiner psychischen Gesundheit auf ein sicheres Einkommen und Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle verzichtet. Jetzt muss ich Wege finden, an Geld zu kommen – sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Kunstkauf

Ich habe mehr als genug Bilder zu Hause herumliegen. Viele davon sollen endlich einen Platz im Licht bekommen. Deshalb habe ich beschlossen, jetzt doch auch Originale bei Etsy einzustellen, erstmal zwei zusammengehörende Bilder, die ich einmal im Gedenken an die Seenotrettung und die Seebrücke gestaltet habe. Ich habe schon immer gedacht, diese Bilder mal für einen guten Zweck zu verkaufen – jetzt halt rückwirkend. Um das Geld, das ich übermütigerweise verschenkt habe, obwohl ich es eigentlich gar nicht habe, wieder reinzubekommen.

Auch du kannst mich dabei unterstützen, ganz ohne Geld in die Hand zu nehmen:

  • Du kannst diesen Blogbeitrag und noch folgende Beiträge teilen,
  • mich kunstliebenden Menschen weiterempfehlen (am besten natürlich Kunst verkaufenden und ausstellenden Läden),
  • mir ein Like und einen Kommentar hinterlassen (ja, auch ein paar aufbauende Worte helfen, wenigstens dem Gefühl)
  • und meinen Kanälen folgen.

Natürlich freue ich mich auch, wenn du ein bisschen Geld investieren magst und:

  • Ein Bild kaufst,
  • einen Workshop besuchst,
  • ein Lektorat in Auftrag gibst oder
  • eine Unterstützer*innenmitgliedschaft auf Patreon abschließt.

Druck macht Scherben, keine Diamanten

Und der Druck ist hoch im Moment. Nicht nur der finanzielle (mit dem ich werde leben müssen, wenn ich dauerhaft selbstständig arbeite – und das ist auf jeden Fall der Plan.). Ich bin Perfektionist*in und möchte das Lektorat, an dem ich gerade arbeite, natürlich perfekt abliefern – auch wenn ich allen anderen Menschen zugestehe, unperfekt zu sein.

Ich habe aktuell eine Anämie, dadurch bin ich ohnehin schneller erschöpft. Außerdem kann ich keinen Sport treiben, der normalerweise ein wichtiger Stressrelease für mich ist. Dadurch ist die Muskelanspannung im ganzen Körper hoch, was zu Schmerzen führt, was die Widerstandsfähigkeit für Stress noch weiter senkt.

Ein Teufelskreis. Ich muss darauf achten, wieder mehr bei mir zu bleiben, um diesen Gordischen Knoten langsam aufzuweichen, wenn ich ihn schon nicht lösen kann. Ich muss Eisen nehmen, Dehnübungen machen, langsam die Ausdauer wieder steigern, z. B. durch Spaziergänge. Damit ich irgendwann wieder laufen gehen kann.

Und sonst noch:

  • Habe ich weiter lektoriert, wenn auch nicht so viel wie geplant (ich war viel bei Ärzt*innen z. B.),
  • Workshops vorbereitet,
  • auf Lektoratsanfragen reagiert,
  • mit meinen Nichten gespielt und
  • bin ziemlich viel Zug gefahren.

Was hast du gemacht letzte Woche?

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