
Was zu lange aufgestaut wird, bricht sich irgendwann Bahn. Ob nun Gefühle oder Kreativität. Mein Perfektionismus hat mich die ersten Wochen des Jahres sehr gehemmt, jetzt habe ich eine Kunsttherapie begonnen und gleich erstmal zehn Bilder in fünf Tagen gemalt.
Kunstexplosion
Dass ich gerade für Patreon meine Fantasywelt illustriere, hat nicht nur gute Seiten (wie die Tatsache, dass ich sehr viele Bilder dazu im Kopf habe und nicht um Inspiration ringen muss). Denn je klarer das Bild im Kopf ist, desto schwerer wird es, eines auf Papier zu bekommen. Dass das auf Papier niemals so sein wird wie das im Kopf, weiß ich eigentlich. Es zu akzeptieren fällt mir trotzdem schwer.
Und weil ich mit meinen ersten Entwürfen Anfang Januar nicht zufrieden war und mir den ganzen Monat Druck gemacht habe, das nächste Bild zu malen (das natürlich auch perfekt sein soll, denn schließlich wird es bei Patreon veröffentlicht, schließlich zahlen Menschen dafür, es sehen und herunterladen zu dürfen), habe ich mir allen Spaß am Malen verdorben. Ich habe zwar zum Monatsende relativ pünktlich ein Bild zustande bekommen, mit dem ich sogar ziemlich zufrieden bin, aber ich habe mir den ganzen Monat nicht erlaubt, etwas anderes zu malen, und jede Lust verloren.
Als ich meiner Ergotherapeutin von meinem Perfektionismus erzählt habe, hat sie nur mit den Augen gerollt (sie darf das, wir haben diese Art von Beziehung). Dann hat sie mir Tipps gegeben, wie ich den Perfektionismus bezwingen kann. Indem ich von dem Bild in meinem Kopf größtmöglich abstrahiere, ohne den Inhalt zu verändern. Ich sollte abstrakter werden, eine andere Technik wählen, vielleicht sogar ein anderes Medium. Eine Kollage, anstatt eines Aquarells. Oder ähnliches.
Der Knoten ist geplatzt
Es hat funktioniert und seitdem höre ich gefühlt gar nicht mehr auf zu malen. Ich erlaube mir endlich wieder, mit Farben zu spielen und die Werke zu lieben, die dabei herauskommen. Meine eigene Kunst zu loben fühlt sich immer noch falsch an für mich. Aber wer hat denn etwas davon, wenn ich mich selbst kritisiere?
Schaut doch gerne mal bei Patreon und Instagram vorbei und sagt mir, wie ihr meine Bilder findet!
Auch in Bezug auf das Lektorat scheint ein Knoten geplatzt. Ich habe noch die Rahmenbedingungen eines Lektorats verhandelt, als eine andere Autorin, mit der ich schon einmal zusammengearbeitet habe, anfragte, wie ich verfügbar bin. Sie hatte auf Grund der hohen Kosten eigentlich überlegt, ohne Lektorat zu veröffentlichen (und mich darüber auch informiert, damit ich mich nicht wundere), sich aber jetzt doch umentschieden, weil sie sich eine Veröffentlichung ohne mich nicht mehr vorstellen konnte.
Dabei ging mir natürlich das Herz auf. Einen Auftrag zu bekommen ist gut. Einen Folgeauftrag zu bekommen ist aber so viel besser! Denn es heißt, ich habe mich beim ersten Mal gut angestellt.
Von der Leere in die Fülle
Da ich jetzt wusste, dass ich ab Beginn der neuen Woche ein Manuskript haben würde, auch wenn bis Montag noch nicht klar war, mit welchem ich anfange (das hing noch von der einen Autorin ab), wollte ich natürlich meine anderen Projekte noch so weit wie möglich vorantreiben. Bezahlte Arbeit geht immer vor, aber ich will ja auch meine eigene Literatur nicht vernachlässigen.
Und auf einmal hatte ich richtig viel zu tun. Mein Zeitmanagement lässt gerade noch etwas zu wünschen übrig, ich habe immer einen ganz tollen Plan und arbeite mit Timern, aber irgendwohin verschwinden zwischendurch die Minuten und es ist immer viel früher Abend, als ich denke.
Außerdem durchlebe ich gerade ein ziemliches Gefühlschaos. Ich bin endlich raus aus dem Überlebensmodus, das wollte ich doch. Und dadurch spüre ich ganz viel alte Traurigkeit, so viel, dass ich das Gefühl habe, zu ertrinken. Dazu kommt Anspannung durch die finanzielle Unsicherheit der Selbstständigkeit und allgemein die Frage, ob ich das alles schaffen kann. Und gleichzeitig so viel Freude und Aufregung und Motivation, weil ich endlich in einem Beruf lebe, in dem ich mich auf fast jede Aufgabe freue!
Endlich anfangen
Dass ich für Februar und März Aufträge habe, heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht nach weiteren umsehen muss. Auf längere Sicht sollte ich vermutlich drei bis vier Manuskripte in zwei Monaten bearbeiten, je nach Länge und Komplexität. Aber ich freue mich einfach riesig darauf, endlich anzufangen. Erst das Lektorat, dann bald auch schon die ersten Schreibworkshops, ich bin wirklich endlich selbstständig tätig! Natürlich kann immer etwas schief gehen, aber ich habe nicht nur einen Plan, sondern auch einen Notfallplan, und für den Notfall Koffein und Schokolade. Das wird riesig.
Und sonst noch?
- Ich habe ein altes Manuskript für eine Ausschreibung überarbeitet, zu der ich das erste Kapitel einschicken will, und mich einerseits darüber gefreut, wie sehr ich mich offensichtlich weiterentwickelt habe (denn ich habe viele kleine Fehler gefunden, sowohl in der Kommasetzung als auch in der Erzähltechnik), andererseits aber mein altes Manuskript immer noch geliebt.
- Ich habe aus dickem Garn eine Gewichtsdecke gehäkelt, mit dem Zeigefinger als Häkelnadel, das war sehr lustig. Leider habe ich damit die Nachbarskatze für Handarbeit begeistert und kann jetzt nicht mehr stricken, ohne dass sie nach dem Faden jagt. 😀
- Ich arbeite an der Gamification meines Lebens. Aber davon erzähle ich euch mal in einem eigenen Beitrag.
Was läuft bei euch? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder ein Sternchen und folgt meinen Kanälen, um nichts mehr zu verpassen!
