Almost an Adult

Almost an Adult 26.05

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Für dich einzustehen ist schwer. Aber wenn du nicht für dich einsteht, wird es vermutlich niemensch tun. Das war ein bisschen das Motto meiner Woche, auch wenn ich das – wie so oft – erst hinterher weiß.

Expert*in meiner Krankheit

Dass ich an einen wirklich guten Psychiater geraten bin, habe ich schon bei unserem ersten Treffen vor vierzehn Jahren gewusst, als er mich fragte, ob ich allein oder mit Partner/Partnerin zusammenlebe (eine gleichgeschlechtliche Beziehung als gleichmöglich zu betrachten, war und ist ganz und gar nicht selbstverständlich, leider). Trotzdem fällt es mir immer wieder schwer, ihm ehrlich zu sagen, was ich mir gerade wünsche und was ich brauche. Meistens sage ich nur, dass alles im Großen und Ganzen okay ist, und lasse mir ein neues Rezept geben. Sein Wartezimmer ist immer so voll.

Aber dieses Mal habe ich mir die Zeit eingeräumt, die ich brauchte, um ihm von meiner aktuellen Situation zu erzählen. Ich habe ihm gesagt, warum ich schlecht schlafe und warum das nicht so einfach zu ändern ist. Ich habe ihn um Medikamente gebeten, die ich schon vor anderthalb Jahren in der Klinik zum Schlafen bekommen habe. Es war kein Problem für ihn.

Und da ich immer noch zwischen Kurzzeit- und Langzeittherapie hänge, habe ich um ein Rezept für Ergotherapie gebeten. Auch das war kein Problem für ihn. Aber wenn ich es nicht angesprochen hätte, hätte er natürlich nicht gewusst, dass ich mir Unterstützung wünsche.

Kursvorbereitung

Am Mittwoch war eine Einführungsveranstaltung für neue Lehrende an unserer Volkshochschule. Ja, ich werde ab März einen Kurs in der Volkshochschule Magdeburg geben. Ich habe über diesen Termin ein bisschen gespöttelt, schließlich habe ich schon Erwachsene unterrichtet, dass sich die Kurse nach den Lernenden richten und Spaß machen sollen, ist für mich selbstverständlich, und Verhalten im Brandfall unterscheidet sich nicht nennenswert von Einrichtung zu Einrichtung.

Aber natürlich sind solche Veranstaltungen wichtig, schon allein, um sich gegenseitig und um das Haus kennenzulernen. Und ich habe noch eine interessante Sache gelernt: Die deutschen Volkshochschulen haben ein eigenes System für digitales Lernen.

Da bei meinem Kennenlerngespräch bereits gesagt wurde, dass Schreibkurse eigentlich immer gut gehen und nur die Räume fehlen, um mehr Kurse anzubieten, dachte ich mir, kein Problem, machen wir das eben digital. Dann können auch Menschen teilnehmen, die nicht in Magdeburg leben oder nicht mobil sind oder durch Ängste an ihre Wohnung gefesselt oder oder oder. Vom abendlichen Einführungstermin bis zur Emailkommunikation mit der Programmbereichsleiterin „Kunst und Kultur“ am nächsten Tag hatte ich schon mehrere Kurskonzepte im Kopf.

Aber die VHS hat anscheinend keine guten Erfahrungen mit Online-Schreibkursen gemacht. Die Teilnehmenden kommen auch oder gerade für das Miteinander und das geht für sie digital nicht.

Und jetzt frage ich mich: Suchen nur die „falschen“ Leute nach Kursen bei der VHS? Schließlich habe ich durchaus die Erfahrung eines engen Gemeinschaftsgefühls in rein digitalen Umgebungen machen können, aber das hängt selbstverständlich auch vom Alter ab. Gucken junge Menschen schon aus Prinzip nicht in das Angebot der Volkshochschulen, weil sie ein angestaubtes Image haben? Oder müssen die VHS ihr Angebot an ältere Menschen richten, weil andere Kurse nicht angenommen werden? Was ist Henne, was ist Ei? Und an welcher Stellschraube kann ich etwas bewegen? (Nicht sofort natürlich, erstmal sollte ich diesen einen Kurs gut über die Bühne bringen.)

Schreibt mir doch mal in die Kommentare, ob ihr prinzipiell einen Online-Schreibkurs besuchen würdet, ob prinzipiell ein Kurs an einer Volkshochschule für euch in Frage kommt, oder sogar ein Online-Kurs an einer Volkshochschule.

Ich bin Autor*in!

Mit Ausrufezeichen. Denn auch für meine eigenen Texte einzustehen, fällt mir immer wieder schwer. Aber diese Woche habe ich einerseits an einer Blogparade teilgenommen (was mir niemensch verbieten konnte, aber es führt zu mehr Sichtbarkeit und ist somit „gefährlich“) und mich andererseits bei einem Verlag beworben. Nicht „nur“ als Lektor*in, sondern als Autor*in. Mit einem Projekt, das ich nicht bereits fertig geschrieben und zwanzigmal überarbeitet habe.

Und dann hat meine Menstruation begonnen und ich war mal wieder für drei Tage ausgeschaltet. Vielleicht ist das zu viel Information, vielleicht wollt ihr das gar nicht lesen, das ist „eklig“. Aber es muss gesagt werden, weil es sehr vielen Frauen, wenn nicht den meisten, so geht. Weil ich lange gebraucht habe, um es selbst aussprechen zu können, um es fühlen zu können.

Ob es schon die Wechseljahre sind oder ich durch die viele Therapie einfach meinen Körper endlich fühlen kann, aber meine Menstruationssymptome werden von Monat zu Monat stärker und ich bin von Monat zu Monat weniger bereit, so viele Tabletten zu nehmen, bis ich taub und funktionsfähig bin. Sehr oft erinnern mich die Schmerzen an früher und ich muss sehr mitfühlend mit mir umgehen, um nicht in einem Flashback zu ertrinken.

Die Freiberuflichkeit ist großartig dafür, weil ich die Arbeit ohne größere Schwierigkeiten um zwei-drei Tage verschieben kann. Aber Schmerzen, Traurigkeit und Erschöpfung sind keine Erholung.

Erschöpfung ist Rebellion

Deshalb fühle ich mich schon zu Beginn der neuen Woche erledigt und ein bisschen fühle ich mich auch gut damit, denn schließlich muss ich doch etwas geschafft haben, um diese Erschöpfung verdient zu haben. Die „arbeite, bis du umfällst“-Doktrin ist auch in mir tief verankert.

Aber ich möchte so nicht denken. Denn zu meiner Erschöpfung zu stehen und mir eine Pause zu gönnen, ist ein Akt des Widerstandes. Und ich möchte der nächsten Generation nicht vorleben, sie wäre nur etwas wert, wenn sie etwas leistet, so wie es mir vermittelt wurde.

Also genieße ich Zeit mit der Katze auf der Couch und häkle eine Gewichtsdecke.

Und sonst noch?

  • Ich werde im Februar/ März drei Schreibworkshops (z.B. hier) geben und einen Schreibkurs starten!
  • Für diese habe ich Konzepte ausgearbeitet, Übungen recherchiert und Werbung erstellt.
  • Ich habe über meine Fantasywelt gemalt und geschrieben
  • Und einen Fantasyworkshop besucht.
  • Ich habe die Herkunft des Begriffs „arschkalt“ verstanden. Auch mit Thermounterhose und zwei Laufhosen übereinander war mein Hintern kalt, auch wenn der Rest des Körpers geschwitzt hat.
  • Ich habe zwei Schneetiere gebaut. Das innere Kind will spielen.

Und wie geht es euch? Hinterlasst mir einen Kommentar, ein Sternchen und folgt mir natürlich, um nichts zu verpassen.

Ein Kommentar zu „Almost an Adult 26.05

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