
Rückschritte bestätigen den Fortschritt. Oder so ähnlich. Auf einen Tag, an dem ich alles schaffe, was ich mir vornehme, folgt einer, an dem ich nur wenig schaffe.
Aber immerhin habe ich erstere Tage.
Mehr Schriftsteller*in als Lektor*in
Diese Woche habe ich wieder Beiträge zu zwei verschiedenen Wettbewerben beziehungsweise Ausschreibungen eingereicht. Ich habe so unglaublich viele Texte verschiedenster Art auf der Festplatte, da freue ich mich über jeden Open Call, den ich finde.
In diesem Fall waren beide Einsendungen Beiträge zu Anthologien, im besten Falle werden also Texte von mir veröffentlicht, Geld bekomme ich dafür nicht. Ist es trotzdem die Mühe wert?
Auf jeden Fall! Einerseits war es gar nicht so viel Mühe. Für den einen Aufruf habe ich tatsächlich einen neuen Text geschrieben, dieser musste genau 600 Zeichen enthalten, was eine ziemlich coole Herausforderung darstellte und insgesamt vielleicht zwei Arbeitsstunden erfordert hat. Für den anderen Aufruf habe ich fünf meiner älteren Texte ausgewählt. Die Auswahl hat ziemlich lange gedauert, weil ich die Texte alle so genial finde. Aber wenn sie abgedruckt werden, finden sie Leser*innen. Wenn sie auf meiner Festplatte bleiben, nicht.
Und das ist der andere Grund, warum ich solche Anthologien toll finde. Ich weiß nicht, wie viele davon tatsächlich verkauft werden, aber ich finde darüber Kontakt zu (zum Teil) kleinen Verlagen, die ich vielleicht vorher gar nicht kannte. Und wenn ich schon mal „einen Fuß in der Tür“ habe, springt vielleicht auch irgendwann eine eigenständige Veröffentlichung dabei heraus. Kurze Texte über Neurodiverstität habe ich jedenfalls ausreichend, um ein eigenes Buch zu füllen 😉
Nebenbei selbstständig
Ich bin jetzt hauptberuflich selbstständig, das hatte ich erwähnt, oder? Und natürlich habe ich auch diese Woche daran gearbeitet. Ich habe z.B. die Rahmenbedingungen für ein Lektorat ausgehandelt. Bevor ich das ganze Manuskript habe und dadurch der Vertrag bindend ist, mag ich nicht davon sprechen, dass ich einen Auftrag habe, es ist schon zu oft etwas dazwischen gekommen. Aber vermutlich habe ich einen Auftrag, den ersten im neuen Jahr.
Und meine neue Website ist endlich online. Mit Hilfe meines Bruders und KI habe ich eine Website erstellt, die allein mein Angebot als Lektor*in präsentieren soll, damit dieser Blog mehr Blog und kreatives Chaos bleiben darf. Schaut sie euch gern an, sagt Bescheid, wenn euch noch „Kinderkrankheiten“ auffallen, und empfehlt mich weiter!
Und ein Privatleben
In meinem Gefühlsleben ist aktuell vieles in Aufruhr, deshalb auch der Wechsel zwischen ganz guten und ziemlich miesen Tagen. Ich habe die ganze Woche wirklich schlecht geschlafen, manchmal hatte ich traumaassoziierte Träume, manchmal wusste ich auch gar nicht, was mich wachhielt. Ich fühle mich nicht sicher im Moment, was kein Wunder ist. Ich habe zwar noch ein halbes Jahr finanzielle Absicherung über das Arbeitsamt, aber ich habe kein festes Einkommen mehr.
Diese Unsicherheit wird bleiben. Das ist der Preis, den ich für die Freiheit der Freiberuflichkeit zahlen muss, und ich bin bereit dazu. Aber die Unsicherheit erinnert mich an etwas – an die Unsicherheit, die ich als Kind erfahren habe. Da kommen gerade sehr viele alte Gefühle hoch.
Auch wenn ich seit dem Klinikaufenthalt vorletztes Jahr wieder weiß, was passiert ist, habe ich doch nie gefühlt, was das bedeutet hat. Diese Gefühle kommen jetzt. Das tut weh.
Therapie ist auch das, was zwischen den Sitzungen passiert.
Laufen heißt nicht weglaufen
Was mir mit den alten Gefühlen am besten hilft ist Bewegung. Als Kind bin ich erstarrt, wenn ich Angst hatte. Das will ich nie wieder erleben. Also laufe ich. Auch wenn laufen auf Eis nicht gerade einfach ist und bei Frost interessanterweise sehr viel anstrengender, bin ich diese Woche wieder dreimal um den See gejoggt, anstatt „nur“ wie davor zu spazieren. Auf Eis zu joggen ist nicht rutschiger als auf zu Eis gehen, habe ich festgestellt. Und zu joggen reguliert meine Gefühle einfach besser.
Zwei Abende habe ich im Keller meinen Boxsack verprügelt, einmal so kraftvoll, dass ein Nachbar vorbeikam, um zu schauen, was das für ein Lärm ist. Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Schwingungen des Standfußes so sehr übertragen würden, denn ich besitze leider keinen Sandsack, sondern nur einen auf einem schwingbaren Stab stehenden Plastikschlauch. Aber nur beim Boxen empfinde ich Wut. Und Wut ist durchaus angemessen für das, was ich erlebt habe.
Um der potentiell aggressiven Energie, die ich beim Sport freisetze, etwas entgegenzusetzen, lese ich viel und kuschele dabei mit der Katze, die die Nachbar*innen uns freundlicherweise Tag für Tag leihen (ich bin quasi eine Katzentagesbetreuung und werde in Schnurren bezahlt). Damit komme ich ganz gut durch die Woche. Aber gesund bin ich dadurch noch lange nicht.
Und sonst noch?
- Ich habe einen Spieleabend veranstaltet.
- Ich habe damit begonnen, mich auf den Kurs „Biografisches Schreiben“ vorbereitet, den ich ab März in der VHS unterrichten werde.
- Ich habe schon wieder ein neues Häkelprojekt begonnen, ohne die alten abzuschließen.
- Und ich habe Apfel-Pflaumenmus gekocht.
Hinterlasst mir gerne einen Kommentar und erzählt mir, wie es euch gerade geht!
