
Businesspläne muss doch echt der Teufel erfunden haben! Ich meine, ich verstehe schon, dass das Arbeitsamt erkennen möchte, dass ich weiß, was ich da tue. Schließlich sollen sie mir weiterhin Geld für meinen Lebensunterhalt geben, während ich hoffentlich bereits erste Aufträge habe und mehr als 15 Stunden wöchentlich arbeite (bei weniger Stunden gelte ich als hauptberuflich arbeitslos, also mein aktueller Status).
Aber zu wissen, was ich vorhabe, und das für andere verständlich in Worte und – vor allem – Zahlen zu formen, sind zwei ganz verschiedene Sachen.
Zukünftige Einkünfte einschätzen
Mein Angebot zu beschreiben, meine Fähigkeiten und warum meine Kund*innen davon profitieren, war eine Sache. Das ist mir relativ leicht gefallen, auch wenn natürlich auch ich als Kind gelernt habe, dass Eigenlob stinkt. Und ist Eigenwerbung nicht das Gleiche? Auszurechnen, wie viel ich verdienen muss, um meine Arbeit fortführen und meinen Lebensunterhalt sichern zu können, war nervig, aber nicht schwer.
Aber einschätzen, wann ich wie viel verdienen werde? Woher zur Hölle soll ich das wissen?
Natürlich wird mich niemensch auf diese Aussagen festnageln, es ist völlig klar, dass sie ein Richtwert sind, den ich anpeilen, aber nicht zwangsläufig erreichen werde. Und als Richtwert werden mir die Zahlen in den nächsten drei Jahren auch nützlich sein, um zu erkennen, wo ich in der Akquise noch nachbessern muss, wo ich vielleicht sogar schon mehr als das Soll erreicht habe.
Dennoch hat mich dieser Plan enorm unter Druck gesetzt. Ein Teil von mir hat wohl immer noch nicht verstanden gehabt, dass ich mich wirklich selbstständig mache.
Kleine Schritte
Ich habe mir vorgenommen, täglich nur 25 Minuten am Businessplan zu arbeiten. Ich arbeite schon seit Jahren sehr gut mit Pomodoro, vor allem bei Aufgaben, für die ich mich schwer aufraffen kann. Einen Timer zu stellen und nur 25 Minuten an der Steuer zu arbeiten ist so viel einfacher, als „die ganze Steuer“ auf einmal anzugehen. Selbst wenn ich nach einer kurzen Pause vielleicht den Timer von neuem stelle und weiter arbeite.
Dieses Mal habe ich tatsächlich nur einmal eine zweite 25-Minuten-Einheit angehängt und hatte den Businessplan trotzdem am Samstag fertig. Insgesamt 3,5 Stunden, nicht viel Arbeit, oder? Aber diese 3,5 Stunden an einem Tag runterzurocken hätte mich fertig gemacht.
Regelmäßiger Ausgleich
Nach den Businessplaneinheiten habe ich mich jeden Tag erstmal für eine halbe Stunde an die Staffelei gesetzt und an einem Malen-nach-Zahlen weiter gearbeitet, auch wenn diesen Monat ja Illustrationen in Tinte dran sind. Die Illustrationen mache ich morgens, wenn mein Kopf noch frisch und kreativ ist. Nach stumpfsinniger Büroarbeit brauche ich Farbe, um mich wieder aufzuwecken.
Außerdem habe ich – dank den NaNoPrep-Aufgaben, die ich über einen Kurs vom Bookerfly-Club bekomme – wieder mit dem Schreiben an meinem Romanprojekt angefangen. Eigentlich wollte ich mich ja nur auf das viele Schreiben im November vorbereiten, aber das Projekt ist in meinem Kopf jetzt schon fast ein Jahr im Grunde fertig, meine Finger wollten nicht mehr warten und ich habe die ersten Worte gesammelt.
Der Körper rächt sich
Auch wenn die letzte Woche nicht von Stress in Form von vielen Aufgaben, dringenden Deadlines oder anstrengenden Menschen geprägt war, habe ich mir selbst jede Menge Stress gemacht. Und das spüre ich jetzt. Alles fühlt sich entzündet an, Muskeln, Gelenke, Gedärme. Ich bin nicht krank, aber gut fühle ich mich auch nicht.
Und aus diesem Stresszustand hilft mir kein Ausruhen, weil mein Kopf in der Ruhe nur noch mehr rotiert. Weil Ausruhen die gefühlten Aufgaben nur aufschiebt und ich einfach noch länger gestresst sein werde. Tägliche, kleine Pausen, in denen ich wirklich nur mit dem beschäftigt bin, was ich gerade tue, helfen mir mehr.
Meine Stimmung schwankt zwischen Euphorie und Panik. Ich habe tausend Projektideen gleichzeitig und dann Angst, keine davon umsetzen zu können. Natürlich verursacht das Stress. Also: Projektideen notieren, dann eine nach der anderen gründlich durchdenken und anstoßen. Und wenn nur die Hälfte davon klappt, habe ich viel erreicht.
Bald ist November!
Am Samstag ist der 1.11. Auch wenn der offizielle NaNo nach Auflösung des Vereins nicht mehr stattfindet, verabreden sich online weiterhin Schreibgruppen, um den Vielschreibermonat zu zelebrieren. Ich bin gleich in zwei solcher Gruppen, was die Motivation verdoppelt. Und zum ersten Mal habe ich wirklich Zeit, weil ich nebenbei nicht arbeiten muss. Weil das Schreiben jetzt meine Arbeit ist (u.a.). Ich freue mich riesig darauf.
Deshalb gilt es bei mir erstmal, wieder mehr Fokus auf Struktur und Selbstfürsorge zu legen, den Stress abzubauen, so gut es mir gelingt. Und gleichzeitig Reichweite aufzubauen, um bezahlte Aufträge zu erhalten. Kennst du zufällig jemenschen, die ein Lektorat braucht? Oder ein nettes kleines Kulturinstitut, das gerne eine Ausstellung über Mental Health machen würde? Dann empfehle mich doch weiter.
