
Worte zählen hat noch nie so viel Spaß gemacht! Und ich zähle alles, was ich schreibe, seien es Projektnotizen, Tagebucheinträge oder Blogbeiträge. Natürlich aber jedes neue Wort an meinem diesjährigen Novemberprojekt, das ironischerweise unter dem Projektnamen „September“ läuft. (Der Name hat schon einen Grund. Aber geschrieben wird es eben im November. Und im Text ist gerade Juni. Sei’s drum.)
Damit habe ich immerhin in dieser Woche 13.196 Worte allein am Projekt geschrieben. Insgesamt bin ich bei 16.602 Worten seit dem 1.11. Mein Wordtracker sagt, das sind 33,2 % von 50k und es ist ein Drittel des Monats rum. Genau im Zeitplan!
Weniger ist mehr
Dabei hatte ich im Oktober noch großkotzig behauptet, ich habe ja Zeit, mein Projekt besteht aus drei Büchern, ich schreibe mal eben 150k. Damit habe ich mir wohl ein bisschen viel vorgenommen.
Ja, die Zeit wäre da. Ich habe aktuell keinen bezahlten Auftrag, ich habe allen notwendigen Papierkram, um mich am 1.1.26 hauptberuflich selbstständig zu machen, fertig. Das Wetter läd auch nicht gerade in den Garten ein.
Aber das heißt nicht, dass die Energie auch da ist. Den einen Tag setze ich mich ran und schreibe 3773 Worte in anderthalb Stunden, den anderen Tag breche ich mir 12 Worte ab, bevor meinen geschundenen Rücken wieder auf die Heizdecke platziere. Dabei bemühe ich mich sehr, nicht zu viel Zeit am Stück am Computer zu verbringen, mache zwischendurch Yoga oder gehe laufen, strecke mich regelmäßig.
Dass es meinem Rücken an Muskeln fehlt und ich mir vor wenigen Jahren das Handgelenk gebrochen habe, merke ich in solchen Zeiten dennoch enorm.
Sichtbarkeit wagen
Und ich habe nicht nur geschrieben. Ich habe auch Aufnahmeanträge für die VG Wort, die VG Bildkunst und die Künstlersozialkasse ausgefüllt, habe mich öffentlich (okay, vor Vordrucken an meinem heimatlichen Schreibtisch) hingestellt bzw. hingesetzt und gesagt, ja, ich bin Künstler*in. Das ist mein Beruf.
Das fällt mir immer noch schwer. Ich betrachte mich schon mein Leben lang als Künstler*in und sage das augenzwinkernd, wenn jemensch über mein Chaos schimpft oder darüber, dass ich Termine und Fristen vergesse. Aber als Beruf? Müsste ich dafür nicht mehr Bilder, mehr Texte verkaufen, generell, Geld verdienen?
Aber nein. Wenn ich mich selbst nicht als Künstler*in ernst nehme, wie sollen das dann andere?
Wo ist Raum für mich?
Daher habe ich endlich die Bilder meiner momentanen Ausstellung (noch läuft sie in Magdeburg im Literaturhaus) hier online gestellt und nach Räumlichkeiten in anderen Städten gesucht. Ich möchte, dass meine Bilder viele Menschen erreichen. Nicht, weil ich glaube, dass sie künstlerisch wertvoll sind, was auch immer das auch heißen sollte. Sondern weil ich glaube (und mir auch schon gesagt wurde), dass sie bewegen und helfen.
Anderen zu helfen war schon immer einer meiner Hauptmotivatoren. Das macht meine Situation gerade nicht einfacher, weil ich zu Hause sitze und nur meiner Ehefrau im Haushalt helfen kann (oder dir bei deinem Manuskript, wenn du magst 😉). Aber auch das Projekt, an dem ich diesen November schreibe, hat das Ziel, zu helfen. Dort geht es, wie in meinen Bildern, um Verletzlichkeit und Heilung. Um das Chaos des Lebens und den ständigen Kampf mit der Akzeptanz.
Ausgebrannt
Ich fühle mich müde und leer. Das kann die Jahreszeit sein, das Wetter. Meine Muskeln sind müde, weil sie vielleicht noch nie so viel malen und schreiben durften wie im letzten halben Jahr. Mein Kopf ist müde, weil eine Selbstständigkeit zu planen und daran zu glauben anstrengend ist.
Aber gleichzeitig brenne ich noch, wie ich noch nie für etwas gebrannt habe. Wie ich schon mein Leben lang für diesen Moment gebrannt habe. Mit Literatur arbeiten, schreibend, lektorierend, lesend, etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.
Also werde ich weiter brennen und weiter joggen, um die notwendige Schreibtischmuskulatur aufzubauen und meine qualmenden Hirnwindungen auszulüften. Und ich sollte ein Hobby finden, bei dem ich meine Handgelenke mal wirklich ausruhen kann. Hast du eine Idee?
