
Da immer noch November ist, ist mein Fokus immer noch das Schreiben – egal, ob am Projekt, im Tagebuch oder im Blog. In der letzten Woche war das gar nicht so einfach, weil ich am Dienstag meine vorerst letzte Therapiestunde hatte (Kurzzeittherapie ist beendet und Antrag auf Langzeittherapie dauert) und das macht mehr mit mir, als ich gedacht hätte.
Aber vielleicht ist es nach über einem Jahr Traumatherapie Zeit für ein Resümee? Ich bin immer noch traumatisiert und werde es wohl auch immer bleiben. Ich bin in stärkerem Umfang traumatisiert, als ich zuvor geahnt habe, ich bin mir nicht sicher, ob ich die normale „Anfangsverschlimmerung“ mittlerweile überwunden habe. Es wird noch nicht besser, aber es wird anders. Und das ist schon viel wert.
Ich habe immer noch und immer wieder permanent Angst. Ich habe nicht ganz freiwillig gekündigt. Aber ich stelle mich der Aufgabe Freiberuflichkeit und gehe damit endlich meinem Traum nach!
Schreiben für Träumer
Ich habe allein in der vergangenen Woche beinahe 20000 Worte geschrieben, obwohl ich auch immer wieder Tage mit wenigen Worten hatte. (Vor allem, als ich am Wochenende meine Familie besucht habe. Da habe ich die Worte lieber genutzt, um mit meiner Nichte zu spielen und mit meiner Oma zu erzählen.) Ob aus diesen vielen im November geschriebenen Worten auch endlich wieder ein fertiger Roman wird, der dieses Mal auch veröffentlicht und gelesen und geliebt wird? Das wird sich zeigen.
Natürlich ist die Veröffentlichung immer ein Ziel. Wie vermutlich alle Künstler*innen möchte auch ich gesehen werden. Aber die Sichtbarkeit macht auch Angst und muss beim Schreibprozess in den Hintergrund treten, sonst würde ich keine Worte finden.
Und das Schreiben hilft.
Will ich Hilfe?
Dann war da noch dieses Thema in der letzten Therapiestunde, das mich über viele Tagebuchseiten beschäftigt hat. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber jedenfalls sagte ich etwas wie „Warum sollte ich Glück verdient haben, wenn so viele Menschen auf der Welt so unglücklich sind?“
Im Nachhinein habe ich überlegt, dass vielleicht niemensch Glück „verdient“, denn „verdienen“ impliziert für mich eine Leistung, für die wir von irgendwem vergütet werden. Und wer sollte uns denn Glück dafür geben, dass wir was auch immer gemacht haben? Aber ich wünsche jedem Menschen Glück. Warum nicht mir selbst?
Meine Therapeutin erwiderte, dass ich wohl niemals aus meiner depressiven Grundstimmung herauskomme, wenn ich mich für die ganze Welt verantwortlich fühle. Dieser Gedanke ist mir nicht fremd. Ich habe mir schon häufig ein Messias-Syndrom diagnostiziert und ich weiß auch, dass ich niemenschen damit helfe, unglücklich zu sein.
Aber will ich glücklich sein? Warum?
Glück als Selbstzweck
Für die meisten Menschen ist Glück wohl ein Selbstzweck, der nicht weiter begründet werden muss. Wir alle brauchen eine Letztbegründung, um nicht in einer ewigen Warum-Schleife festzuhängen. Aber ich habe mich gefragt, warum ich glücklich sein will/wollen sollte.
Weil ich dann mehr arbeiten kann. Und warum will ich mehr arbeiten? Weil ich dann mehr Menschen helfen kann. Und warum will ich mehr Menschen helfen? Weil ich mich für die ganze Welt verantwortlich fühle.
Vielleicht ist es also keine Entscheidung, diese Verantwortung abzugeben? Vielleicht ist es meine grundlegendste Lebenseinstellung?
Glück durch Arbeit
Wie gut, dass ich jetzt einer Arbeit nachgehe, die mich glücklich macht. Und wenn wir das Trauma weiter bearbeiten, wird es mir sicher auch leichter fallen, mir selbst Glück zu gönnen. Noch ist das schwer.
Alles ist gerade etwas schwerer, ohne Therapie, ab 1.1. ohne Arbeitslosengeld. Ich habe viel Angst und viele schlaflose Nächte.
Aber aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Nicht nur, weil mir keine Alternative einfällt, sondern weil ich für das kämpfe, was ich liebe. Also weiter die Tagesstruktur trainieren, Sport treiben, meditieren. Und natürlich schreiben! Die 50000 und somit der Gewinn des NaNo sind in Reichweite!
