Throwback Thursday

Dunkelbunt

#Kaleidoskop

Frustriert schmeißt Anna den Füller in die Ecke, jetzt ist es ihr sogar egal, wenn er zerbricht. Sie wollte ein Liebeslied schreiben, es gelingt ihr nicht.
Wie fasst sie in Worte, dass sie innerlich tanzt, wenn sie dich sieht, dass Musik erklingt, wann immer sie in deiner Nähe ist, dass du ihr Sicherheit gibst, wenn du ihr deine Verletzlichkeit schenkst, ihre Vorurteile ins Wanken bringst, mit einem gut gesetzten Arschtritt, dass du ihre graue Welt bunt machst?
Sie liebt dich so sehr. Und sie kann es nicht sagen.
Der CD-Player spielt Adele, ihre neueste Sucht, Anna tanzt auf ihrem Schreibtischstuhl, neben sich eine Tasse Tee, im Halter ein Räucherstäbchen – keine Inspiration gibt ihr heute die richtigen Worte.
Nur der Blick aus dem Fenster gelingt, in den grauen Januarhimmel, der dringend das Kaleidoskop deiner Augen bräuchte. Oder funkelnde Schneeflocken.
Dabei können deine Launen Anna wirklich in den Wahnsinn treiben. Nicht nur deine Augen sind ein Kaleidoskop, die Stimmungen ebenso funkelnd und überspringend, wie man sich über ein verlorenes Computerspiel so aufregen kann oder auf ein in einem Dreivierteljahr erscheinenden Kinofilm so freuen … Wie du fluchen kannst, wenn dir in der Küche Geschirr runter fällt – ohne zu zerbrechen. Sie hat Angst vor deinen Stimmungen, weil sie so unvorhersehbar sind. Und genau deswegen liebt sie sie auch. Du bist so lebendig, wie sie sich selten fühlt.
Seit Anna dich kennt, ist sie auch so lebendig. Sie wirft ja schließlich schon Füller in die Ecke, weil ihr die richtigen Worte fehlen. Handelt, ohne vorher an Konsequenzen zu denken.
Du hättest einen Text verdient, wie er noch von niemandem geschrieben wurde. Aber gefangen in einem viel zu kleinen Raum zwischen viel zu vielen großartigen Büchern und CDs sind Anna die Worte verloren gegangen. Keine Worte können dem gerecht werden, was da zwischen ihr und dir geschieht, ein Leben reicht nicht aus, das zu genießen. Und sich darüber aufzuregen.
Denn, mal ehrlich, auch wenn es das einfachste ist, was Anna je getan hat, ist es doch manchmal ganz schön schwer, dich zu lieben. Auch wenn es nichts daran ändert, was Anna für dich empfindet, mag sie doch die Vorhersagbarkeit der Mathematik und weniger das Kaleidoskop der Gefühle, deiner Stimmungen, die vielleicht und vielleicht nicht Ursprung in Annas Stimmungen haben, und auf jeden Fall ihre Spuren dort hinterlassen, selbst wenn Anna noch so sehr dagegen ankämpft, dass es sie traurig macht, wenn du traurig bist, und sei es auch nur, weil deine Monsterarmee in dem komischen Spiel gerade verloren hat.
Einfach wird es nie sein, aber weniges, was einfach ist, ist der Anstrengung wert. Das sagt sich Anna jedenfalls immer wieder, wenn sie mal wieder müde ist und der Liebe abschwören will. Aber das gehört nun wirklich nicht in ein Liebeslied, nicht wahr? Es ist nur der graue Himmel und Adeles Sehnsuchtstimme, die sich Bahn brechen in ihren Gedanken, denn sie will doch nichts anderes, als dich lieben, sie wünschte sich nur, es würde sie nicht so anstrengen, manchmal.
Vielleicht ist auch eher Anna das Kaleidoskop? Ein schwarzes Loch dürfte vortrefflich funkeln, wenn irgendjemand die dunkle Strahlung wahrnehmen könnte, die der gigantischen Schwerkraft entkommt. Anna hat halt eigentlich nicht so viel für Gefühle übrig, Gefühle tun weh, selbst die guten, denn sie verschwinden, und sie strengen an, denn ständig muss man sich Gedanken darüber machen, wann. Aber für dich macht sie eine Ausnahme.
Und vielleicht ist gerade das die große Liebeserklärung: Ich liebe dich, obwohl dir das Macht über mich gibt. Und ich bitte dich, diese Macht nicht zu missbrauchen.

(erstmalig veröffentlicht: 08.01.2017)

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