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November hoch drei

Endlich setze ich mich an den Jahresrückblick – gerade noch rechtzeitig, nicht wahr? Obwohl es eigentlich ja egal ist. Aber ich will euch von etwas berichten, das morgen auf Instagram und Twitter und in der Woche darauf auch hier starten wird, also wird es höchste Eisenbahn. Aber der Reihe nach.

Mein Jahresrückblick fängt hinten an. Warum? Weil ich es kann. Weil es mir noch am besten vor Augen ist und weil ich gerade Lust darauf habe. Außerdem werde ich ohnehin nicht über alle Monate etwas berichten. Alltag ist langweilig. Aber drei wichtige Dinge sind 2021 geschehen: ich war zur Reha, die erste stationäre Behandlung meiner chronischen Depressionen überhaupt, wir sind umgezogen, und der November. Und der kam gleich dreifach.

Der Schreibmonat

Ihr kennt sicher das Sprichwort, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Autor*innen können dem allen sicher noch ein „und drittens im November“ beifügen. Denn in diesem November kam’s dicke.

Erstens war NaNo – natürlich. Eigentlich hatte ich angedacht, dass ich ein neues Projekt starte (mit Vampir*innen, mal etwas ganz anderes). Aber das Projekt aus dem letzten Jahr ist – wie ihr vielleicht mitbekommen habt, doch sehr viel größer geworden als gedacht, deshalb gibt es hier ja auch erst die ersten Kapitel.

Also habe ich mich in das „zwanzigzwanzig“-Projekt noch einmal eingearbeitet, was nach fast einem Jahr Pause gar nicht so einfach war. Ich habe zwar im Oktober bereits begonnen, aber es hat so viele verschiedene Handlungsstränge, manche Kapitel schon geschrieben, andere nur geplant, für einiges noch nicht einmal eine grobe Struktur geplottet. Außerdem musste ich nach dem Umzug erst einmal meinen Schreibplatz einrichten und alle Notizen finden, die mittlerweile in mehrere Notizbücher aufgeteilt sind. Der Preptober wurde – besonders in der Woche Herbstferien – ordentlich genutzt.

Selbst und ständig

Dann war ich krank. Allerdings nicht so sehr, dass ich die ganze Zeit geschlafen hätte. Als Lehrer*in bin ich „ausreichend“ krank, wenn ich nicht sprechen kann, und meine Stimme war tatsächlich zwei Wochen fast vollständig weg. Aber schreiben konnte ich – und habe meine erste Lanika-Storyline bis zum Ende geschrieben. Dann war ich wieder arbeiten und musste neu ansetzen, was wieder ähnlich schwer wie im Oktober war. Wenn ihr euch erinnert – die Story besteht aus verschiedenen Pfaden, zwischen denen die Leserin wählen kann. Deshalb sind die Figuren, auch wenn es eigentlich dieselben sind, von Pfad zu Pfad ein wenig anders, sie haben sich anders entschieden, andere Prioritäten gelegt und andere Erfahrungen gemacht. Im Grunde musste ich alles, was ich bereits geschrieben hatte, mal schnell wieder vergessen.

Ich habe – einerseits in meiner wunderbaren Ausbildung im Schreibhain, andererseits durch etliche Tutorials und Texte – viel über das Entwerfen einer Geschichte gelernt. Aber dieses Projekt ist so anders strukturiert, dass ich die bekannten Schemata immer wieder abändern und anpassen musste. Als ich letztes Jahr damit begonnen habe, habe ich nicht geahnt, was für ein Mammutprojekt das wird.

Aber ich bin dran. Es kommt noch. Versprochen. Folgt mir am besten hier und auf allen anderen Kanälen, damit ihr es nicht verpasst.

Überarbeitung folgt

Diesen NaNo habe ich 40k neue Worte geschrieben, in zwei verwandten, aber nicht gleichen Storylines. Um euch jedoch immer die Wahl zu lassen, müssen alle Storylines fertig sein, um mehr zu veröffentlichen. Und mehrere Pfade parallel zu schreiben ist zu verwirrend, das habe ich wieder einmal gemerkt.

Gleich zu Beginn des Jahres werde ich einen kostenlosen Kurs bei Janet Zentel und Jennifer B. Wind besuchen, das pusht mein Schreibjahr 2022 bestimmt.

Aber da war ja noch was.

Man lernt nie aus

Wie ihr – vermutlich – auch wisst, arbeite ich mittlerweile im vierten Schuljahr als Lehrer*in für Ethik. Als Seiteneinsteiger*in. Um all die pädagogischen Inhalte nachzuholen, die „normale“ Lehrer*innen im Studium lernen, habe ich eine Qualifizierungsmaßnahme an unserem Landesinstitut für Lehrer(*innen)bildung gemacht (sie gendern nicht, aber ich kann es einfach nicht ohne * schreiben).

Im Sommer 2018 habe ich die Arbeit an der Schule begonnen. Das zu tun, bevor ich die notwendigen Kenntnisse habe, ist ohnehin schon … fragwürdig. Ich habe zwar auch früher schon unterrichtet, aber Schule ist doch noch einmal etwas anderes. Also habe ich schnellstmöglich mit der Maßnahme begonnen, das war Mai 2019. Geplantes Ende: September 2020. Aber wir sprachen ja schon darüber, wie sicher Planungen so sind. Es kam Corona, es kam meine Reha, schließlich habe ich meine Abschlussveranstaltung in diesem November gemacht.

Mittlerweile habe ich so viel Lehrerfahrung, dass ich mich schon gefragt habe, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, die Ausbildung abzuschließen. Aber ich bin ein Weiterbildungsjunkie und die Erkenntnisse über menschliche Psychologie und das Lernen, die ich dort errungen habe, helfen mir schließlich nicht nur an der Schule weiter, sondern in jeder Form des Unterrichtens, der ich einmal nachgehen werde in meinem Leben.

Perfekte Überleitung zu Teil drei.

Der etwas andere Unterricht

Hier auf der Seite steht, dass ihr euch gerne bei mir melden könnt, wenn ihr mit mir einen Schreibworkshop machen wollt. Das hat in diesem Sommer zum ersten Mal jemand wahrgenommen. Ich war so überrascht – ich habe die Email gelesen, als ich gerade am Gartenumgraben war – dass ich erstmal überlegt habe, ob es wohl eine Täuschung sein könnte. Aber nein, die Selbsthilfegruppe für Menschen, die von der seltenen, genetischen Herzerkrankung ARVC betroffen sind, wollte tatsächlich bei mir einen Workshop für kreatives und heilsames Schreiben buchen. Und dieser war – natürlich – im November.

Bis kurz vorher habe ich es perfekt verdrängt, aber Ende Oktober begann die Nervosität. Ich weiß, dass ich das kann. Ich weiß auch, dass ich das will. Was ich mir dabei gedacht habe, so reckless ein Angebot ins Internet zu stellen, das ich bisher weder durchgeführt noch geplant hatte, weiß ich nicht (mehr). Vermutlich habe ich selbst nie daran geglaubt, dass jemand dieses Angebot in Anspruch nehmen würde.

Aber ich bin ja Perfektionistin und habe im Vorhinein noch unheimlich viel recherchiert, einen Vortrag geschrieben, diesen gekürzt und umgeschrieben, Übungen eingebaut, alles selbst durchprobiert, ob es auch in die eingeplante Zeit passt. Dann ist der Tag endlich gekommen und ich bin zum Kloster Hedersleben gefahren. Ein wunderschöner Tagungsort, by the way.

Eine meiner besten Erfahrungen

Und auch die Menschen waren unglaublich nett. Ich hatte solche Angst, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Aber ich weiß mittlerweile, dass die Angst lediglich bedeutet, dass mir mein Erfolg wichtig ist, nicht, dass er unwahrscheinlich ist.

Es war eine großartige Erfahrung. Laut den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen, aber für mich auch. Ich habe ein berufliches Zuhause gefunden, endlich etwas, bei dem ich mir ebenso sicher bin wie beim Schreiben, bei dem ein mehr oder weniger sicheres Einkommen aber wahrscheinlicher ist (meiner Meinung nach).

Und daraus ergeben sich meine Vorsätze, nein, Pläne für das neue Jahr. Ich möchte eine Weiterbildung zur Schreibtherapeut*in machen, die ist jedoch recht teuer. Und meine Erfahrung in Hedersleben hat mir gezeigt, dass ich sie gar nicht unbedingt benötige, um Menschen mit dem Schreiben helfen zu können.

Und im nächsten Jahr …

Ich werde Schreibworkshops – regelmäßige und einzelne – in Magdeburg planen. An alle anderen Orte, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, komme ich aber auch gerne.

Ich werde heilsames Schreiben in Schulen anbieten – zuallererst natürlich der, in der ich arbeite.

Und ich werde für alle, die Lust darauf haben, aber es lieber allein durchführen, bzw. nicht in der Nähe von Magdeburg leben, jeden Samstag unter dem #selfcaresaturday Aufgaben auf Instagram und Twitter posten, die ich auch selbst bearbeiten werde. Das Ergebnis gibt es dann immer am folgenden Freitag – völlig ohne Filter und Überarbeitung – hier.

Die Texte werden geschrieben, ohne nachzudenken, um das Unterbewusstsein zu erreichen. Deswegen werden sie vielleicht unstrukturiert und durcheinander wirken, vielleicht auch ganz daran vorbeilaufen, wie ihr die Aufgabe verstanden habt. Die einzige Regel beim Heilsamen Schreiben ist: Es gibt keine Regeln! Es geht darum, sich selbst zu erforschen, eine schöne Zeit zu verbringen oder Schmerz und Enttäuschungen einmal loslassen zu können, nicht darum, ein veröffentlichungsreifes Werk zu erschaffen. Warum ich es trotzdem veröffentliche, hier? Weil Fehler schön sind. Weil es vielleicht euch den Mut gibt, eure Ergebnisse auch zu teilen (nicht unbedingt mit der Welt, sondern erstmal mit einem vertrauten Menschen) ohne sie tausend Mal zu überarbeiten. Die meisten Menschen können sehr viel besser schreiben, als sie denken. Glaubt mir, Hebersleben ist nicht meine einzige Erfahrung mit Schreibgruppen 😉

Kommt gut rein und gönnt euch ein friedliches 2022. Es kann nicht besser werden, als ihr es macht.

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