
Sie sagen, du musst es aber auch regelmäßig machen, damit es etwas bringt. Du musst etwas für dich tun.
Es stimmt ja, aber. Ich habe langsam das Gefühl, wenn meine Morgenroutine noch ein bisschen länger wird, dauert sie bis zur Abendroutine. Es fängt mit der Zahn- und Körperhygiene an, die für Menschen mit Depressionen alles andere als selbstverständlich ist. Wenn ich den ganzen Tag alleine zu Hause bin, wozu morgens Zähne putzen? Mehr als einmal bin ich tagelang ungewaschen durch die Wohnung geschlichen.
Weiter geht es mit der Gesundheitsvorsorge. Nasenspülung und Ölziehen gegen die permanenten Erkältungen. Krankengymnastik für das Handgelenk, das ich mir im Dezember gebrochen habe, für die Streckhaltung in der Halswirbelsäule, für den Rücken. Zwei, drei Mal in der Woche sollte man sich richtig auspowern, für die Herzgesundheit und die Glückshormone.
Depressionsvorsorge. Morgenseiten, Abendreflexion, Dankbarkeitstagebuch. Jeden Abend meditieren. Malen möchte ich eigentlich auch jeden Tag, das entspannt meinen Geist.
In jedem Schreibworkshop und -ratgeber wird empfohlen, täglich an seinem Projekt zu arbeiten. Ich weiß auch aus Erfahrung, dass es stimmt. Man bleibt einfach besser im Thema, vergisst weniger, braucht weniger Zeit, sich einzuarbeiten. Aber jetzt habe ich schon über vier Wochen keine Zeit mehr dafür gefunden.
Und in einem Stimmworkshop am Sonntag bei Jana (die Stimmgeberin, seht sie euch unbedingt in den sozialen Medien an!) habe ich auch noch tägliche Übungen für die Stimme gelernt. Einige davon kann ich gleich in die Morgenroutine aufnehmen oder auf dem Arbeitsweg machen. Ich weiß, dass ich die Übungen brauche, sowohl in der Schule als auch als Schriftstellerin und Dozentin für Kreatives und Heilsames Schreiben ist die Stimme mein Werkzeug.
Aber ehrlich: Wie schaffen Erwachsene es, neben all dem auch noch eine Familie, Haustiere und Freund*innen zu haben?
