Almost an Adult

Almost an Adult 23.38

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Sie sagen, du musst an das glauben, was du sagst, um andere überzeugen zu können. Das gilt auch im Unterricht.

Am Sonntag, den 17.09. habe ich, wie im letzten Beitrag schon erwähnt, einen Online-Sprechworkshop bei der wunderbaren Jana, die Stimmgeberin besucht. Die meisten Stimmübungen, die wir gemacht haben, kannte ich schon, und auch dass Stimme und Stimmung untrennbar sind, habe ich auch schon bei einem ihrer Workshops im Juli gehört. Einen wirklichen Durchbruch hatte ich, als wir darüber sprachen, dass man auch authentisch sein muss. Ich dachte immer, ich sei es. Ich lüge nicht.

Aber ich sage auch nicht die Wahrheit. Ich glaube nicht mehr daran, dass mein Unterricht großen Einfluss auf die Kinder hat. Ich glaube nicht mehr daran, dass Ethik etwas verändern kann. Und das hat mich sehr traurig gemacht.

Dieser Gedanke hat mich begleitet in der vergangenen Woche und ich habe mich selbst beim Unterrichten beobachtet. Je mehr ich von meinem Thema überzeugt bin, desto besser trägt meine Stimme, desto besser kommt sie bei den Kindern an. Die Kinder sind trotzdem laut, es sind Kinder und sie haben selber eine Menge Stress und Probleme, obwohl sie Kinder sind. Meine Stimme hat trotzdem Probleme, ich weiß immer noch nicht, was mit meinen Nebenhöhlen los ist und scheine mir schon wieder etwas eingefangen zu haben. Aber es war besser.

Und deshalb habe ich eine alte Idee wieder ausgegraben, die ich schon vor Jahren hatte: eine Blogreihe darüber, warum Ethik das wichtigste Fach in der Schule ist. In jedem Beitrag werde ich mich mit einem anderen Schulfach beschäftigen und (hoffentlich) schlüssig und mit einem Augenzwinkern belegen, warum Ethik wichtiger ist. Weil ich immer noch daran glaube. Und weil ich daran glauben muss, um guten Unterricht zu machen. Die Kinder haben es verdient.

Und wenn ihr auch der Meinung seid, dass unsere Welt ein bisschen mehr Ethik braucht, teilt meinen Blog mit all euren Freund*innen 😉

Ansonsten war die Woche nicht weiter spektakulär. Mein Antrieb ist gut im Moment, ich fühle viel. Ich fühle viel Angst. Es scheint nur entweder oder zu geben, Depression oder Angst. Verdrängen oder fürchten. Aber ich habe viel geschafft, Haushalt vor allem, viel gemalt. Mein Workshop für Jugendliche wurde leider wegen mangelndem Interesse eingestellt, vielleicht haben wir ihn zu wenig oder an den falschen Stellen beworben. Dafür hat sich das Studierendenwerk unserer Uni bei mir gemeldet und möchte gerne im November/Dezember einen Workshop mit mir anbieten. Es geht voran.

Ich habe viel Angst im Moment. Weil es vorangeht. Zum ersten Mal in meinem Leben setze ich zwar nicht alles auf eine Karte, aber lege doch meinen Fokus auf das, womit ich am liebsten meinen Lebensunterhalt verdiene – das Schreiben, die Kunst. Anderen beim und mit dem Schreiben zu helfen. Zum ersten Mal in meinem Leben versuche ich es wirklich, kann also auch zum ersten Mal wirklich scheitern. Ich verstehe meine Angst. Das macht es nicht unbedingt leichter, aber ich weiß, woher sie kommt, und höre nicht auf sie.

Ich habe zu viel vor. Am Wochenende fahre ich zur Buch Berlin und knüpfe hoffentlich viele hilfreiche und bereichernde Kontakte. Ich starte endlich mit Werbung meine Pausenworte neu. Ich stehe auf der Shortlist eines Literaturstipendiums – das habe ich letzte Woche vergessen zu erwähnen. Selbst wenn ich das Stipendium nicht bekomme, ist der Listenplatz eine Wertschätzung meines Projekts und ich will mich wirklich mal wieder bei Verlagen und Agenturen bewerben. An mich glauben. Für mich kämpfen.

Die Depression fühlt sich bedroht, sie wird sich rächen. Aber die kann mich mal.

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