Almost an Adult

Almost an Adult 25.17

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Therapie ist, als würdest du mit einem schiffbrüchigen Floß losfahren und während du versuchst, nicht zu ertrinken, baust du daraus eine Yacht. Ohne jemals an Land zu gehen, wohlgemerkt. Mit den Baustoffen, die dir zufällig auf dem Meer in die Hände fallen.

Und, was machst du nebenbei so? Ich baue eine Arche

Okay, da verlässt uns die Metapher. Aber ich mag dieses Bild, das ich für andere Zwecke im Philosophiestudium kennengelernt habe (ich glaube, da ging es um Sprachphilosophie. Schließlich können wir die Sprache niemals verlassen, um sie von außen zu betrachten.) Genauso können wir unser Leben nicht verlassen, es mal eben in einer Werkstadt abgeben und nach einer Woche (oder einem Jahrzehnt) wieder abholen.

Und wenn mensch gerade an der einen Ecke baut und sich über einen Fortschritt freut, bricht am gegenüber liegenden Ende garantiert etwas ein.

Ich hatte mich am Anfang der Woche darüber gefreut, dass mir mein Heimatdorf auf einmal so klein vorkam. Dass ich anscheinend innerlich gewachsen bin. Dann habe ich meine Periode bekommen und all das Blut hat mich an das Trauma erinnert. Ich hatte starke Schmerzen und habe schon vor meiner ersten Stunde eine Tablette genommen, um den Tag durchzustehen. Die Schmerzen gingen erst gegen Mittag zurück, dafür wurde mir schwindelig von der Tablette.

Zwei Schritte vor, anderthalb zurück

Am Mittwochmorgen hatte ich dann starke Magenschmerzen. Die Regel schlägt ja gerne mal auf den Magen, Schmerztabletten auch, Stress sowieso, ganz zu schweigen von dem ungewohnt reichhaltigen Osteressen. Mein Magen hatte viele Gründe sich zu beschweren und das wusste er auch. Meinen Unterricht habe ich mehr schlecht als recht durchgestanden und bin mittags nach Hause gefahren, obwohl noch eine Dienstberatung und ein Mitarbeiter*innengespräch im Kalender standen. Ich konnte nicht mehr.

Donnerstags habe ich in der Schule frei. Donnerstage will und muss ich also für die Freiberuflichkeit, die Kunst und allzu oft auch für den Haushalt nutzen. Aber diese Woche habe ich mir auch von diesen wichtigen Aufgaben frei genommen, nur auf der Couch gelegen und gesessen, ferngesehen, gemalt.

Freitag ging es meinem Magen immer noch nicht wieder gut. Aber es ging ihm besser. Ich war wieder arbeiten. Sonntag musste ich dann akzeptieren, dass die Magenschleimhaut wohl doch entzündet und nicht nur gereizt ist und mich wieder einmal krank schreiben lassen.

Kein Monat ohne Fehltage

So ist es immer wieder. Wird das eine Symptom geringer, wird ein anderes stärker. Oder ein vollkommen neues taucht auf. Depressionen eignen sich gut, um Ängste zu deckeln. Dank der Antidepressiva brach die Panik richtig durch. Und ist der Körper einmal durch eine Erkältung lahmgelegt, habe ich ganz sicher riesig viel Motivation.

Das macht mich eine äußerst anstrengende Mitarbeiter:in, Lebenspartner:in oder einfach Daseinsform. Ich habe schon als Teenager aufgegeben, auf die Frage „Wie geht es dir?“ ehrlich zu antworten. Irgendwas ist immer und das nervt die fragende Person.

Aber zuallererst nervt es mich!

Ein Symptom von Depressionen ist häufig eine Interessenminderung. Daran habe ich nie gelitten. Ich habe viel zu viele Interessen, denen ich nicht nachkommen kann wegen
Ängsten
Antriebsmangel
körperlichen Schmerzen
Zeitnot
Nicht zutreffendes bitte streichen. Diese Woche in der Therapie habe ich gefragt, wie mensch denn bitte herausfindet, was mensch will. Ausprobieren, was sich gut anfühlt, war die (nicht sehr überraschende) Antwort. Aber es gibt quasi nichts, was sich immer oder wenigstens meistens gut anfühlt. Also mache ich doch wieder das, was von mir erwartet wird. Schlechter fühle ich mich damit auch nicht.

Auf der Suche nach dem richtigen Mittelweg

Erwachsen sein heißt, Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen. Ich will doch einfach nur Kaffeetrinken und Kunst schaffen. Aber die Magenschleimhautentzündung und das leere Konto will ich nicht.

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