Almost an Adult

Almost an Adult 25.38

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Mensch könnte denken, eine Woche ohne Termine sei eine entspannte Woche. Nun, falsch gedacht.

Für die Woche 38 hatte ich eigentlich einiges geplant. Natürlich meine Ausstellung zu feiern, mir ganz viel Gutes zu tun. Aber auch den Garten Herbstfest machen, Blogartikel nachzuholen, meine neue Website (die sich dann nur auf mein Angebot als Lektor*in konzentrieren wird) weiterzubauen, endlich wieder am Roman zu arbeiten.

Und dann ist eine Bombe in meinem Kopf explodiert.

Leere Zeiten sind Reflektionszeiten

Ich kenne die Erfahrung, dass gerade die vermeintlich stressfreiesten Zeiten die schwierigsten sind. Pünktlich zu den Ferien werden Lehrer*innen krank, freie Zeiten geben dem Kopf die Möglichkeit, über Vergangenes zu reflektieren und hin und wieder auch daran zu zerbrechen.

Am Dienstag hatte ich den schlimmsten Flashback meiner bisherigen Trauma- und Therapiegeschichte.

Ich war wieder dort, ich habe wieder gespürt, was passiert ist, zum ersten Mal habe ich es tatsächlich wieder gespürt und nicht „nur“ gesehen, zum ersten Mal konnte ich nicht leugnen, dass es wirklich passiert ist. (Was ich doch seit der ersten Wiedererinnerung zu gern getan habe.) Und ich war wieder genauso gelähmt und hilflos wie damals.

Ich habe geweint, ich habe geschrien, ich habe auch gelacht, denn mein erwachsener Kopf fand es so absurd, dass ich gerade jetzt, gerade nach über einem Jahr Traumatherapie, nach dem bisher größten beruflichen Erfolg, so einen Absturz hatte. Aber vermutlich war es nur logisch.

Wieder lernen

Heilung verläuft in Wellen. Mein Gehirn gibt mir nur so viel des Traumas, wie ich ertragen kann. Und wenn ich mich gerade sicher fühle, gibt es mir einen weiteren Brocken.

In dem Moment am Dienstag hatte ich für eine Zeit alles vergessen, was ich in der Therapie gelernt habe. Aber schneller als bei jedem Absturz zuvor habe ich mich an das erinnert, was mir gut tut. Habe mich geerdet (was bei mir am effektivsten durch Kälte gelingt), die Tränen abgewaschen und angefangen, mich wieder aufzubauen. Das hat im Grunde die ganze Woche gedauert.

Ich habe viel gemalt, mein aktuelles Projekt (ihr seht auf Patreon einen regelmäßigen Arbeitsfortschritt) ist sehr zeitintensiv, sonst hätte ich vermutlich schon wieder die nächste Ausstellung fertig. Ich habe meditiert, Sport getrieben, mit meiner Frau gekuschelt. Arbeit stand ganz weit hinten auf der Prioritätenliste. (Zugegebenermaßen habe ich auch nur wenig zu tun, hauptberuflich bin ich ja noch arbeitslos.)

Und wieder von vorn

Und auch das gehört dazu. Alle Menschen haben bessere und schlechtere Zeiten und kein Leben verläuft linear. Bei Menschen mit Trauma sind die Ausschläge nach unten etwas größer. Die Ausschläge nach oben vielleicht auch, weil wir uns über Dinge freuen, die für andere selbstverständlich sind. Wir müssen geduldig sein und kleine Erfolge feiern, die großen kommen dann von ganz allein.

Ich war eine Woche lang wieder ein Teenager und habe ein paar nicht kluge Dinge gemacht. Aber das kann ich mir verzeihen. Die nächste Woche wird wieder besser.

(Durch Krankheit mit sehr viel Verspätung veröffentlicht. Aber nicht weniger wahr.)

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