Throwback Thursday

#Wachsfigur

Langsam läuft das Wachs die Nase herunter. Ob von der Hitze oder vom Regen, langsam schmilzt die Augenbraue und schmiert eine schwarze Träne unter das zerfließende Auge. Die Maske verschwimmt.
Die Kopfschmerzen steigen. Sie hat so viel gekämpft. Aber das Gesicht hält nicht. Die Schmerzen bleiben.
Der Regen schmeckt salzig. Locken des schönsten Kunsthaares schwimmen in der Pfütze. Nie hat jemand durch diese Haare gestrichen. Nie hat eine Mutter diese Locken gekämmt. Aber sie sind ja auch nur Kunst, nur zum Ansehen, zum Gefallen. Die Kunst, zu leben, ohne zu atmen. Atmen tut zu weh.
Niemand ahnt, wie unglaublich einsam sie ist. Auch wenn all diese Menschen um sie herum stehen und sie bewundern. Sie ist so unglaublich einsam in sich und die Kunst bleibt. Das Gesicht schmilzt. Das Wachs hält nicht.
Sie versucht, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Doch die Knie sind wie aus Gummi. Langsam knicken sie ein und nähern sich dem Boden, doch die Schnüre halten sie noch. Schon ist der Rücken wieder gerade. Schon hält die Fassade wieder. Sie hat sich immer so angestrengt. Die Gewohnheit hält noch, auch wenn das Gesicht zu Boden fließt.
Langsam tropft das Wachs in die Pfütze. Schillert bunt, wie der Regenbogen. Wie ihre Augen einmal schimmerten. Vor langer langer Zeit.
Niemand ahnt, wie unglaublich traurig sind ist. Aber was macht das schon. Sie ist doch nur eine Wachsfigut. Zum Ansehen, zum Gefallen.

(11.01.2017)

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