Almost an Adult

Almost an Aduld 25.06

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Depression und Arbeit ist schwer. Traumatherapie und Arbeit ist schwerer.

Ich wollte alles neu machen im neuen Jahr. Unter anderem diesen Blog. Und nach drei lächerlichen Beiträgen schläft es schon wieder ein.

Dabei hatte ich sogar Ideen für die letzten Wochen. Aber wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, falle ich nur noch halbtot auf die Couch. Nach zwei drei Stunden „Mittagspause“ komme ich wieder in eine sitzende Haltung und male an meinem Malen-nach-Zahlen oder einem neuen Dottingprojekt weiter. An meinem freien Donnerstag und am Wochenende hole ich Haushalt nach, lese vielleicht ein paar Seiten, treibe Sport. Schreiben? Tagebuch, einmal in der Woche nach der Therapie. Viel mehr schaffe ich nicht.

Meine Therapeutin sagt, ich solle mir noch ein paar Wochen oder gar Monate geben. In der Therapie passiert gerade viel, viele verdrängte Erinnerungen kommen wieder hoch. Noch vor einem halben Jahr habe ich voller Überzeugung behauptet, „Trauma? Ich doch nicht. Ich bin hier völlig falsch.“ Mittlerweile erinnere ich mich an mehr traumatische Situationen, als ich an beiden Händen abzählen kann.

Und sie begleiten mich jeden Tag.

Arbeit gegen Nachdenken

Wenn ich mich in meine Arbeit vertiefe, vergesse ich den Schmerz für ein paar Stunden. Kinder verlangen deine volle Aufmerksamkeit und fordern sie auch ein. Ich bin gut in meinem Job. Das ist einer der Gründe, warum ich mich nicht einfach wieder krankschreiben lasse. An meinen freien Tagen falle ich immer wieder in das gleiche tiefe Loch.

Ich übe mich in Selbstliebe, sperre die belastenden Bilder täglich von neuem in meinen inneren Tresor. Ich höre mir die unschuldigen Probleme glücklicher Kinder an und sage nicht, ihr habt es doch so gut. Meistens denke ich das sogar nur im Nachhinein. Ich kann immer noch jedes Kind ernst nehmen, nur mein inneres nicht.

Ich bin immer noch nicht durch und durch zynisch.

Aber das hier ist nicht, was ich mir für mein Leben wünsche.

Ein besseres Morgen

Ich möchte professionell lektorieren. Nächste Woche ist meine letzte Online-Fortbildung „Freies Lektorat“. Notizen zu einer neuen Homepage habe ich schon vor Wochen gemacht. Die Texte geschrieben immer noch nicht.

Ich möchte professionell schreiben. Ich habe mehr als einen Roman geplottet, meine Figuren begleiten mich jeden Tag. Geschrieben habe ich seit Wochen nicht mehr.

Ich möchte politisch aktiv werden. Bei der nächsten Demo packt mich wieder die Angst.

Traumatherapie und Leben ist anstrengend. Mit Trauma leben ist anstrengend. Und nicht immer weiß ich, wofür diese Anstrengung gut ist.

Kommentar verfassen