
Der Sommer ist zurück und bringt meinen Zeitplan durcheinander. Einerseits will ich so viel Zeit wie möglich im Garten verbringen, andererseits ärgere ich mich dann, wenn ich in der Wohnung nichts erledigt bekomme. Ich fühle mich faul, wenn ich den halben Tag mit Buch im Schatten liege. Dabei ist Lesen auch Teil meiner Arbeit.
Outdoor Office
Gerade lenkt der Milan mich ab, der tiefer über unseren Gärten kreist, als ich es bisher erlebt habe. Unser Miniadler.
Ich habe den Druckauftrag für die Werbeflyer für meine Ausstellung vor einer Woche erteilt, jetzt warte ich ungeduldig, sie endlich in den Händen zu halten. Ich sprühe meine Bilder zum ersten Mal mit Fixativspray ein (bisher haben sie ihre Zeit in einer Mappe verbracht, da war das nicht nötig) und musste schon Spray nachbestellen. Bevor die Lieferung nicht da ist, kann ich nicht weiter machen.
Die Rahmen sind bereits angekommen und stehen im Wohnzimmer herum. Wie machen das andere Künstler*innen? Oder leben wir alle in kreativem Chaos?
Work in Progress
Außerdem habe ich die ersten Gedichte eingelesen und dabei festgestellt, dass ich erkältet bin. Meine Stimme klingt nicht immer so nasal, also ist auch das Aufnehmen erstmal pausiert. Neben mir steht ein Topf mit Salbei-Thymian-Tee.
Ich habe viel Zeit damit verbracht, ein neues Malen-nach-Zahlen zu malen. Auch wenn ich tatsächlich eigene Bilder im Kopf habe, die ihren Weg aufs Papier noch nicht gefunden haben, ist das aktuell die bessere Beruhigung für mich. Gleich morgens nach dem Aufstehen, Katze füttern und Zähne putzen setze ich mich mit meinem ersten Kaffee an die Staffelei und lasse mein Gehirn langsam aufwachen. (Manchmal ist dieses „morgens“ auch erst um 11.) Das hilft mir bei mir zu bleiben in dieser aufregenden Zeit.
Selfcare matters
Am Montag war ich bei einer Lesung über Transbegehren und Post-COVID (von Kay Matter, “Muskeln aus Plastik”). Danach wollte ich drei Tage die Wohnung nicht mehr verlassen. Menschen zu sehen erschöpft mich. Anders als es Kay erschöpft, ich käme nicht auf die Idee, meine Erschöpfung mit ME/CFS gleichzusetzen. Aber ich merke es. Bei mir hilft allerdings Konfrontation, es ist (auch) ein Gewöhnungseffekt. Blöd natürlich, dass im Nachgang gleich eine Erkältung meine anderen geplanten Termine abgesagt hat – es sind CSD-Aktionswochen, ich hatte mir einige interessante Termine vermerkt.
Ich werde euch von Kays Buch mehr erzählen, wenn ich es durchgelesen habe. Es soll ja heiß werden, also werde ich vielleicht nicht viel anderes tun als lesen.
Wieder Achterbahn
Meine Stimmung schwankt zwischen euphorischem Aktivismus und gelähmt vor Angst. Ich freue mich so sehr darauf, mit meinen Bildern und Texten an die Öffentlichkeit zu treten, für Sichtbarkeit meiner Erkrankung zu sorgen, vielleicht sogar anderen zu helfen, ihre Stimme zu finden. Und ich habe Angst davor, sichtbar zu sein.
Sichtbar heißt kritisierbar, angreifbar. Und wie wir wissen, werden gerade queere Menschen gerade häufig angegriffen. Weiß ich wirklich, worauf ich mich da einlasse?
Nein. Und genau darum kann ich es tun.

Ein Kommentar zu „Almost an Adult 25.32“