Almost an Adult

Almost an Adult 25.34

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen des Pride.

Künstler*innenstolz

Am Dienstag war ich in der Druckerei und habe die Bilder für meinen Ausstellungskatalog und ein paar Give-aways in Auftrag gegeben. Das ist für mich jedes Mal wieder aufregend, weil ich immer noch Schwierigkeiten damit habe, mich selbst als Künstler*in zu bezeichnen und zu verkaufen.

Danach war ich allerdings so gehyped davon, es getan zu haben, dass ich am Mittwoch voller Freude Flyer verteilt habe – z. T. zum Auslegen, z. T. als quasi-persönliche Einladung an Menschen, die ich gerne dabei hätte.

Trans* Pride

Und dann – noch viel aufregender – war ich am Mittwoch bei einem Dragworkshop. Ich hatte vermutet und befürchtet, dass nur Drag Queens (bzw. daran interessierte Personen) kommen würden, um so erfreuter war ich, dass neben mir noch zwei Personen kamen, die Interesse an einem sehr maskulinen Make-up hatten. Ich hatte mich ja schon ein-zwei Mal als Drag King vor die Tür gewagt, aber mein Make-up war doch sehr stümperhaft und nicht besonders haltbar gewesen.

Neben den hilfreichen Schminktipps haben wir auch viel über die Geschichte und die Funktion des Drag gelernt – von den als Frauen verkleideten männlichen Schauspielern auf mittelalterlichen Theaterbühnen über die Stone-Wall-Aufstände bis heute. Das Drag ist bewusst politisch und zeigt, dass Weiblichkeits- und Männlichkeitsstereotype uns einengen, aber aufgebrochen werden können. Dabei provoziert es, wirkt aber auch als sicherer Hafen für alle, die sich in dem Glauben an binäre Geschlechter nicht aufgehoben fühlen. Wenn ich alleine auf einem CSD bin, suche ich eine Drag Queen – sie sind laut, kämpferisch, aber auch fürsorglich. In ihrer Nähe fühle ich mich sicher.

All das wäre ich auch gerne. Daher habe ich mir in Folge des Workshops meine Drag Persönlichkeit geschaffen – Gentleman Drag. Alle Drag Queens, die ich bisher kennen gelernt habe, trugen den Titel „Queen“ zu Recht, aber ich bin kein „King“ (worunter ich verstehe: herrschend, selbstsüchtig, kaltherzig). Also bin ich „Gentleman Drag“, Gentleman Jack mit Dreitagebart und ohne Grundbesitz. Aber mit den gleichen Eigenschaften, die ich an Anne Lister so liebe. Nicht laut, nicht in den Vordergrund drängend, aber auf meinem Standpunkt beharrend. Ich muss nicht schreien, es reicht, einfach nicht ja zu sagen. (Und alle, die mir am Herzen liegen, lautstark zu verteidigen, wenn es nötig ist.)

Queer Pride

Gentleman Drag ist dann auch am Samstag auf die CSD-Demo gegangen. Wie es in diesem Jahr wohl überall der Fall war, gab es auch bei uns eine erschreckend große Gegendemo, und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte mich sicher gefühlt. Aber auf der Veranstaltung selbst haben wir uns gegenseitig geschützt, habe ich viele Komplimente für mein Make-up und meine Kleidung bekommen – und wurde ich von einigen Bekannt*innen nicht sofort erkannt. Auch das war irgendwie ein gutes Gefühl.

Neben diesem ganzen stolzen Ich-selbst-Sein habe ich es nicht geschafft, viele Bilder einzusprühen und zu rahmen oder viel an meinem Romanprojekt weiter zu schreiben – das steht dann diese Woche wieder auf der Agenda.

Exhausted

Aber vor allem auch: Ausruhen und Erholen. Das Wetter am Samstag war schwierig, mal Regen, mal Sonne, mal war mir heiß, dann wieder kalt. Und die vielen Menschen. Es waren wunderschöne, liebe Menschen, die ich kennengelernt habe. Aber trotzdem brauche ich von sozialen Kontakten doch immer wieder eine ziemlich lange Erholungszeit. Und vom Wetter – oder der Erschöpfung – habe ich auch schon wieder eine latente Erkältung.

Doch bis zur Ausstellung sind es ja noch zwei Wochen, ich darf noch einmal zur Ruhe kommen. Bevor der nächste Sturm losgeht.

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