
Auf jedes Hoch folgt ein Tief – das trifft wohl auf jeden Menschen zu. Auf Menschen mit psychischen Beschwerden und begrenzten Energiereserven erst recht. Aber immerhin waren die Tiefs früher tiefer.
Kein gutes Demowetter
Bei der CSD-Demo am 23.08. war das Wetter sehr wechselhaft. Mal hat es geregnet, dann knallte wieder die Sonne. Meine Kleidung war für beide Wetterlagen nicht ideal. Mein toller Rennaissancemantel war kein Regenmantel und für die Augustsonne viel zu warm. Deshalb habe ich geschwitzt, war nass und wurde dadurch kalt.
Kein Wunder also, dass ich in der folgenden Woche sofort erkältet war, oder nicht? Meine Stimme war belegt, also fiel der Plan mit den Tonaufnahmen sofort ins Wasser. Auch geschrieben habe ich kaum, denn schon nach wenigen Minuten auf meinem Hocker am Schreibtisch wurde mir das Atmen schwer, es lag wie ein Stein auf meiner Brust.
Also habe ich die ganze Woche eigentlich nur gemalt (in kurzen Abschnitten, weil aufrecht sitzen und Atembeschwerden) und gelesen („Der Hexenzirkel seiner Majestät“, sehr zu empfehlen).
Pause ist schwer
Warum habe ich überhaupt versucht zu malen oder Apfelmus zu kochen, wenn es mir doch so schwerfiel? Ich war krank, ich hätte mit allem Recht auf der Couch liegen und irgendeine Serie bingen können.
Aber körperlich eingeschränkt zu sein, nichts zu tun, interpretiert mein Gehirn immer gleich als depressive Episode. Um mich davor zu schützen, schickt es mir mal ganz viele tolle Ideen (ich habe die Karte meiner Fantasy-Welt „Allegórièn“ erweitert) und mal ganz viel Motivation. Ich habe so viele Projekte im Kopf geplant, die ich nicht umsetzen konnte, weil ich zu schwach war, fürchterlich.
Aber wenn mein Kopf in diesen Zeiten leise wäre, wie würde sich dann eine Erkältung noch von einer Depression unterscheiden? Wenn ich in eine Depression rutsche, werde ich nicht auf einmal trauriger oder weine viel. Ich werde nur leiser, nur langsamer, mache weniger. Genauso wie bei einem Infekt.
Schwäche ist (kein) Versagen
Außerdem fühle ich mich nie gut, wenn ich nichts leisten kann. In unserer Gesellschaft verbinden wir wohl alle unseren Selbstwert zu sehr mit unserer Leistung. Zwar habe ich durch langjährige leidvolle Erfahrung gelernt, dass diese Sichtweise nicht hilfreich ist, losgeworden bin ich sie dennoch nie.
Nach meiner Arbeitsplanung war letzte Woche Montag mein erster Arbeitstag mit „Ein gutes Projekt“. Ich war voll motiviert, mir mithilfe dieses Planers einen gesunden und produktiven Arbeitsrhythmus anzugewöhnen und dabei alles abzuarbeiten, was ich halt abarbeiten muss, um wirklich hauptberuflich selbstständig tätig sein zu können. Ein paar formelle Dinge müssen geregelt werden, Aufträge müssen akquiriert werden, meine neue Homepage muss wirklich endlich fertig gestellt werden.
Und dann starte ich mit Krankheit. Natürlich fühlte sich das wie Versagen an, auch wenn mein Kopf diesem Gefühl immer wieder widersprochen hat.
Alles geht weiter
Diesen Blogbeitrag schreibe ich im Zug auf der Fahrt nach Leipzig, wo ich heute eine Freundin und morgen eine Weiterbildung besuchen werde. So richtig fit bin ich noch nicht, aber krank auch nicht mehr. Wann ich den Blogbeitrag posten werde, weiß ich noch nicht, dieser Zug hat kein W-LAN.
Andere Beiträge, die ich letzte Woche schreiben wollte, warten auch noch auf dem Wartegleis in meinem Kopf. Aber der Blog soll doch Spaß machen und nicht den Stress erhöhen, nicht wahr? Es stimmt schon, einen großen Teil von unserem Stress machen wir uns selbst. Und ich höre hiermit damit auf!
Habt eine schöne Woche!
Edit: Ein schönes Wochenende, weil ich zum Hochladen erst heute (Freitag) komme. Die Reise hat mir viel Energie geraubt, aber dazu im nächsten Beitrag mehr. Und ich bereue nichts.
