
Es ist alles viel gerade. Der Sommer ist zurück (zum Elend aller im Schulsystem natürlich nach Ferienende, aber ich bin ja nicht mehr im Schulsystem), die CSD-Aktionswochen meiner Stadt haben begonnen und laden mich mit spannenden Veranstaltungen dazu ein, ein bisschen sozialer zu leben, und die letzten Dinge für die Ausstellung wollen geplant und vorbereitet werden. Ja, und in Traumatherapie bin ich nach wie vor. Und werde ich noch lange sein.
Die Ausstellung kommt
Um bei der Ausstellungseröffnung Anfang September gleich einen Einblick dafür zu geben, wie mensch meine Bilder als Druck kaufen kann, will ich eine Mappe mit Drucken im A5-Format auslegen. Natürlich habe ich meine Bilder noch nicht im A5-Format gehabt. Außerdem wird es Postkarten zum Mitnehmen geben. Ich habe mich also viel mit Photoshop herumgeschlagen diese Woche, hatte schon einen ganzen Satz fertig, da fiel mir ein, dass ich nicht die richtige Farbeinstellung für den Druck gewählt habe, also alles von vorn, aber dann gefiel mir der Rand auf einmal nicht mehr – ich habe geflucht und das mache ich selten.
Meine Flyer sind angekommen und durch meine Farbwahl lassen sich nicht alle Texte wirklich gut lesen – ich bin keine Grafikdesignerin und habe mich darüber geärgert, dass ich es nicht bin. Und keine engagiert habe. (Überhaupt Flyer zu drucken war schon kaum im Budget, wie sollte ich eine Designerin bezahlen?)
Generell macht die Arbeit an der Ausstellung die Tatsache, dass ich überhaupt ausstelle, so real. Klar, ich wusste das schon. Klar, ich will das auch immer noch. Aber es macht mir auch eine Menge Angst. Und um mit dieser Angst umzugehen, muss ich (unter anderem) noch mehr arbeiten.
Trans*-Pride
Durch meine Lektüre von Kay Matter (ich habe euch davon erzählt) wurde ich inspiriert, mich mit meinem eigenen trans* Sein auch mehr zu beschäftigen. Ja, meine Identifizierung als non-binär ist nicht wirklich neu, aber ich habe nie viel darüber nachgedacht. (Ebenso wie cis Menschen es wohl nicht tun.)
Vielleicht habe ich auch versucht, es zu verdrängen. Vielleicht habe ich deshalb solche Probleme damit, mich mit meinem Körper und meinem Selbst auszusöhnen. Also habe ich ein bisschen gesucht und den Podcast „trans sein“ auf Spotify gefunden. Bereits nach den ersten zwei Folgen (neurotisch wie ich bin, hab ich natürlich vorne angefangen) hatte ich das Bedürfnis, darüber zu schreiben. Entstanden ist der Entwurf einer dreiteiligen Essayreihe über mein Trans*-Ich, von der der erste Beitrag schon in meinem Patreon erschienen ist.
Und weil nichts so sehr hilft, sich mit sich selbst besser zu fühlen, wie gleich denkende Kontaktpersonen war ich am Freitag bei einem Workshop zu Mental Health, der vom CSD veranstaltet wurde. Es waren weitere trans* Personen da. Wir haben uns nicht über unser trans* sein unterhalten. Hilfreich war der Workshop dennoch.
Wie geht es mir damit?
Overwhelmed, würde ich sagen. Die deutschen Übersetzungen „überfordert“ und „überwältigt“ treffen es beide ziemlich gut, aber die englische Formulierung liegt mir dennoch irgendwie näher.
Ich schwanke zwischen gelähmt vor Angst (vor der Ausstellung, vor dem Sichtbar werden, auch davor, arbeitslos zu sein und noch kein Arbeitslosengeld bekommen zu haben) und getrieben zur Arbeit. Ich bin überwach und mache tausend Dinge, um dann wieder irgendwo stehen/liegen/sitzen zu bleiben und Löcher in die Luft zu starren.
Selbstfürsorge ist jetzt besonders notwendig. Ich will mich von meiner Angst nicht mehr aufhalten lassen, zumal ich von der Ausstellung jetzt auch nicht mehr wirklich zurücktreten kann (schließlich stehe ich im Programm). Aber ich kann die Angst auch nicht einfach noch vier Wochen verdrängen und mit Arbeit überladen, dann breche ich zusammen.
Also wird gemalt, gelesen, geschrieben (okay, ja, das alles ist „Arbeit“, aber ich mache es bewusst), gelaufen, geyogat, im Garten rumgewühlt. Gerade der Garten gibt mir eine Menge Ruhe gerade.
Es wird nicht weniger
Außerdem ist in der kommende Woche auch schon wieder einiges zu tun. Meine Bilder sind fertig formatiert und warten darauf, dass ich zur Druckerei fahre, es gibt noch mehr spannende CSD-Aktionen, ich will einen Blogbeitrag über mental Health schreiben (über alles, was ich am Freitag im Workshop gelernt habe, und mehr), am Freitag ist ein weiterer Trans*-Ich-Beitrag auf Patreon fällig, mein Roman wartet auch schon lange genug. Und der Garten ist ohnehin ein never ending project.
Lasst es euch nicht zu warm werden!
