Almost an Adult

Almost an Adult 25.42

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Wieder gesund. Läuft dadurch alles rund? Weit gefehlt.

Wenn ich mit einer Erkältung auf der Couch liege (viel öfter als mir lieb ist), bin ich immer voller Ideen und Motivation. Aber diese Motivation beizubehalten, wenn ich wieder fit bin, gelingt mir selten.

Wissen gleich Handeln?

In dem Newsletter der Stefanie Stahl Akademie wurde gerade die Knowing-Doing Gap behandelt und ich habe mich sehr häufig wieder erkannt. Motiviert sein, wenn ich körperlich nicht kann, ist einfach. Dann habe ich ja einen sehr guten Grund, warum meine Motivation scheitert.

Wenn ich aber körperlich und psychisch halbwegs fit bin, Zeit habe und alles notwendige Handwerkszeug, ist Motivation gefährlich. Denn sie würde mich ins Tun bringen. Und mit Tun kann mensch scheitern.

Ich fand es sehr angenehm, dass im Newsletter betont wurde, dass es eben keine Frage der Motivation oder der Disziplin ist, wenn wir Dinge nicht tun, selbst wenn wir wissen, dass sie uns gut tun würden (und ja, meine Arbeit tut mir gut). Es ist eine Blockade, die aus Angst erwächst. Und noch viel größer als meine Angst vor dem Scheitern ist meine Angst vor Erfolg. Ich bin mir sicher, dass ich eine gute Lektor*in und eine ausreichend gute Autor*in bin (okay, ich halte mich sogar manchmal für großartig). Wenn ich das also einsetze, wenn ich also Erfolg mit etwas habe, was ich wirklich gerne tue, wie kann ich dann noch an meinem Glauben festhalten, dass das Leben schlecht ist und die Welt mich hasst?

Alte Glaubenssätze sind am schwersten zu ändern

Rein rational weiß ich, dass Erfolg auf vielen Faktoren beruht und ich Misserfolg nicht automatisch als persönliches Versagen (oder eine Verschwörung der Literaturwelt gegen mich, ich neige manchmal zu Paranoia) zurückführen kann. Aber wenn es darum geht, ins Handeln zu kommen, entscheiden doch meistens die Gefühle und nicht der Verstand.

Wenn ich eine knappe Deadline habe oder wenigstens eine Kund*in, die auf meine Arbeit wartet, fällt es mir leicht, ins Arbeiten zu kommen. Einer meiner ältesten Glaubenssätze ist, dass ich nicht Nein sagen und niemanden enttäuschen dürfe, das hilft beim Abarbeiten von Aufträgen. Aber gerade habe ich keinen Auftrag und keine Deadline. Zu tun habe ich dennoch ordentlich, ich habe auch einen Zeitplan und eine Rangfolge. Aber (noch) niemenschen, die sich dafür interessiert, ob ich mich daranhalte.

Zwischen NaNo-Prep und Businessplan

Mit dem Arbeitsamt habe ich einen Termin festgelegt, bis wann ich mich hauptberuflich selbstständig machen möchte. Daraus ergibt sich rückwirkend, bis wann ich meinen Antrag auf Gründungshilfe ausgefüllt haben muss, und für diesen brauche ich einen geprüften Businessplan. Das sind große Projekte, das kann ich nicht bis übermorgen versprechen. Und deshalb denkt mein Gehirn, es müsse heute ja noch nicht damit anfangen. Zumal ein Businessplan ja voraussetzt, dass ich professionell und erwachsen bin. Und mal ehrlich, wie könnte ich das? (Trotzdem habe ich angefangen, ich weiß ja, dass diese innere Stimme unrecht hat.)

Außerdem ist der Oktober traditionell der Vorbereitungsmonat für den NaNo, den National Novel Writers Month, der jährlich im November stattfindet. Auch wenn sich der Verein aufgelöst hat und es keine zentrale Stelle zum Sammeln der Worte mehr gibt, haben sich verschiedene kleinere Schreibgruppen gebildet, u. a. über den Bookerfly Club, in dem ich Mitglied bin. Dort bekomme ich aktuell regelmäßige Übungen, um mein Romanprojekt für den November vorzubereiten und endlich mein Schreiben wieder ernster zu nehmen.

Und es ist Inktober. Die Hintergründe dazu kenne ich nicht, aber die schöne Wortneubildung hat auch mich dazu motiviert, täglich eine Tintenillustration zu zeichnen – natürlich nicht zu dem Projekt, das ich im November verfolge, klar oder? (Wenn sie dich interessieren, findest du sie auf meinem Patreon – für nur 5 € monatl.). Haushalt ist natürlich auch viel liegen geblieben, während ich krank war, und meine Lektoratshomepage ist immer noch nicht fertig – ich habe diese Woche mit sehr vielen Kleinigkeiten verbracht.

Wo ist die Zeit geblieben?

Da ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass ich abends oft das Gefühl hatte, nichts oder zumindest nicht genug geschafft zu haben. Dass es wieder früher dunkel wird, macht mich auch früher müde, und morgens finde ich nicht aus den Federn. Mein Körper ist noch angeschlagen, weshalb ich noch keinen Ausdauersport treiben kann, der mir sonst so viel Energie gibt.

Ich schreibe abends Done-Listen, um mir selbst zu zeigen, was ich eben doch alles geschafft habe, und meditiere endlich wieder. Mein Psychiater hat mir schon drölfzig Mal gesagt, dass ich vielleicht akzeptieren muss, dass ich weniger schaffe als andere (vor allem auf Grund meines hohen Schlafbedürfnisses). Gegen die Knowing-Doing Gap hilft nur, einfach anzufangen. Zwei Mal tief durchatmen und dann los, egal, was dabei rauskommt.

Texte lassen sich überarbeiten, leere Seiten nicht. Ich liebe diesen Satz. Und auch wenn ich Blogbeiträge meistens kaum nicht überarbeite und lieber frei von der Seele weg erzähle, gibt er mir doch an schweren Tagen den Mut, einen ersten Satz zu schreiben. Und siehe da – es ist wieder ein Blogbeitrag dabei rausgekommen, trotz Hadern und Aufschieben.

Möchtest du vielleicht auch mal einen Blogbeitrag für mich schreiben? Ich werde mich in den nächsten Wochen jetzt wirklich dem Thema Selbstfürsorge widmen und es würde mich interessieren, was für Erfahrungen du damit gemacht hast. Hinterlasse mir gern hier einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail!

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