
Eine Freundin sagte letztens zu uns: „Ich bin froh, dass es 2025 gab. Und dass es vorbei ist.“ Das kann ich genau so unterschreiben.
2025 war ein anstrengendes Jahr, mit viel Veränderungen in meinem kleinen Wirkungskreis und im Großen. Von der (Welt-)Politik schockiert zu sein, daran haben wir uns ja beinahe schon gewöhnt. Ich habe die Hoffnung, etwas ändern zu können, immer noch nicht aufgegeben, also war ich auch dieses Jahr viel auf der Straße, habe viel diskutiert und heiße Tränen vergossen.
Aber auch mein eigenes Leben war in Aufruhr:
1. Die Kündigung
Ich habe schon lange darüber nachgedacht, meine Anstellung in der Schule zu kündigen und mich selbstständig zu machen. Dennoch war es nicht ganz freiwillig, dass dieser Gedanke dieses Jahr in die Tat umgesetzt wurde. Wenn die Arbeit noch erträglich gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht nie getraut, diesen Sprung zu wagen.
Aber ich hätte ihn schon gerne mit mehr Erfahrung und mehr Rücklagen unternommen. Sowohl die finanziellen als auch die Kraftreserven waren Mitte 25, als ich mich zur Kündigung genötigt sah, nicht gerade üppig. Nach fünf Monaten Arbeitslosigkeit habe ich wenigstens die Kraftreserven etwas aufbauen können. Ich habe die Zeit genutzt, mich gründlich vorzubereiten und dazu zu lernen, damit der Versuch der Selbstständigkeit nicht gleich an Kleinigkeiten scheitert.
Trotzdem ist Arbeitslosigkeit, wenn sie auch geplant und befristet war, nicht gut für den Selbstwert. Oft habe ich mich dabei ertappt, zu denken, ich müsse jetzt wenigstens eine perfekte Hausfrau sein oder ein großes Kunstwerk schaffen, damit ich „noch zu etwas gut“ bin. Die Grenzen zwischen Beruf und Hobby begannen zu verschwimmen, als ich mehr und mehr die Kunst auch als Beruf betrachtet habe.
Ich muss dringend ein neues Hobby finden, das wirklich nichts mit meinem Beruf zu tun hat, um abschalten zu können. Sonst werde ich in 2026 24/7 arbeiten.
Doch das erste Lektorat, mit dem ich im Juli beauftragt wurde, hat mir gezeigt: Ich kann und ich will das!
2. Die Veröffentlichung
Nach einer laaaangen Pause konnte ich 2025 mal wieder zwei Texte in einer Anthologie unterbringen. Von der betreuenden Lektorin habe ich eine sehr positive Rückmeldung erhalten und einen angenehmen Kontakt geknüpft, das hat mich im Schreiben bestätigt. Nach den letzten Jahren, in denen ich so häufig zu erschöpft war, um überhaupt zu schreiben, und wenn ich mal geschrieben habe, mir alles von meinem inneren Kritiker wieder zerreißen lassen musste, war ich schon kurz davor, den Traum vom Schreiben ganz aufzugeben.
Ich kann nicht nicht schreiben, das ist mir schon seit meiner Teenagerzeit klar. Aber muss ich wirklich veröffentlichen?
Ich muss nicht. Aber ich will wieder! Jetzt habe ich einen Kontakt zu einem kleinen Verlag, bei dem ich dadurch vermutlich leichter ein Manuskript anbieten kann. Und auch andere Verlage werden bei einer Anthologieveröffentlichung im vorangegangenen Jahr vielleicht eher hinschauen.
Durch die Veröffentlichung (und die viele Zeit dank der Arbeitslosigkeit) war ich im November wieder viel motivierter und habe immerhin eins der drei Bücher geschrieben, die mir seit einem Jahr im Kopf herumspuken, und ein altes Manuskript zur Überarbeitung rausgekramt. Es geht vorwärts.
3. Die Ausstellung
Dass ich jemals mit Bildkunst Geld verdienen könnte, habe ich mir bis vor wenigen Jahren nie vorstellen können. Aber bereits in meiner Psychosomatischen Reha 2021 wurde ich gefragt, ob ich das Malen eigentlich beruflich mache, und in der Klinik 2024 habe ich so viele Bilder gemalt, dass ich sie gerne mit einer kleinen oder größeren Öffentlichkeit teilen wollte.
Und ich habe einen Ort gefunden, der mein Projekt unterstützt hat! Ich bin dem Literaturhaus Magdeburg immer noch dankbar für diese Chance, auch wenn die Ausstellung viel weniger Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, als wir uns vielleicht gewünscht hätten. Aber sie war ein Anfang, die Gespräche nach der Ausstellungseröffnung haben mir gezeigt, dass Menschen mit meinen Bildern etwas anfangen können.
Und wenn ich die Bilder Anfang Januar abgehängt habe, sollen sie sicher nicht für immer in einem Lagerraum verschwinden. Ich hoffe sehr, weitere Ausstellungen an anderen Orten organisieren zu können, das braucht nur den richtigen Moment und die richtigen Kontakte.
4. Die Kurse
Ich habe in 2025 zwar noch keine neuen Schreibkurse/-workshops gegeben, aber welche für 2026 geplant. Schreibworkshops brauchen mehr Vorlaufzeit, weil sie natürlich auch beworben werden müssen, um gebucht werden zu können. Ein Einzelworkshop im Volksbad Buckau und ein Kurs in der Volkshochschule sind bisher für 2026 geplant, ich hoffe, dass es noch mehr werden.
Mit anderen Leuten zu schreiben bzw. andere beim Schreiben zu begleiten, ist noch mal auf eine ganz andere Art wunderbar als selbst zu schreiben. Zu beobachten, was das Schreiben mit Menschen machen kann, wie sie sich endlich ausdrücken und Gehör schaffen können, sich befreien von dem, was sie klein hält …
Ich bin wohl doch ein großer Menschenfreund, auch wenn ich das gerne leugne 😉
5. Die Therapie
Ganz viel Therapie. Alle verfügbaren Stunden der Kurzzeittherapie haben wir verbraucht und wir haben gerade erst angefangen. Selbsterkenntnis ist immer schmerzhaft, Erkenntnisse über die eigene Kindheit auch, auch wenn ich mittlerweile weiß, dass nicht meine Schuld ist, was mir passiert ist.
Aber neben all den Tränen und Schreien merke ich auch Verbesserungen, vor allem darin, meine eigenen destruktiven Verhaltensweisen besser zu erkennen und dadurch manchmal auch zu unterbinden. Ich höre den inneren Kritiker, aber ich glaube ihm nicht mehr. Ich stehe trotzdem auf, auch wenn alles in mir sagt, dass es keinen Sinn ergibt, irgendetwas zu versuchen.
Es ist noch ein langer Weg, aber er lohnt sich.
Und was folgt daraus für 2026?
- Auf jeden Fall noch mehr Therapie.
- Schreibworkshops, hoffentlich mehr als die, die bereits geplant sind.
- Für die Ausstellung ein weiteres temporäres Zuhause finden, vielleicht auch in einer Klinik oder einer Uni.
- Mein altes Manuskript veröffentlichungsreif bekommen und hoffentlich bei einem Verlag unterbringen, für Selfpublishing fehlt mir definitiv das Geld. Und mein aktuelles Projekt zu Ende schreiben.
- Und die Selbstständigkeit rocken! Ich weiß, dass ich gut darin bin, Manuskripte zu lektorieren, das habe ich auch dieses Jahr bereits erlebt. Gut darin, Aufträge zu bekommen, bin ich leider noch nicht. Aber das braucht seine Zeit. Und ich bin zuversichtlich. (Ein ganz neues Gefühl.) Heißt es nicht, wenn du es wirklich willst, wirst du es auch schaffen?
PS. Ich weiß, dass es tausend Gründe gibt, die diesem Satz widersprechen. Aber die muss ich mir jetzt ja nicht vor Augen halten.
