Almost an Adult

Almost an Adult 23.32

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Das Schlimmste, was man zu einer Depressiven sagen kann, ist: „Mach dir keinen Kopf. Morgen ist ja auch noch ein Tag.“ Daran musste ich letzte Woche denken, als ich auf dem Grabbeltisch im Discounter das Buch „Entschuldigen Sie meine Störung“ von Jan-Uwe Fitz fand.

Ob ich das Buch wirklich mag, weiß ich noch nicht, das hier soll auch keine Buchrezension werden, aber es erinnerte mich an „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ von Tobi Katze. Ein Gedanke, den ich momentan fast jeden Abend habe.

Mein Blog befand sich in ungeplanter Sommerpause, mein Gehirn befand sich in Sommerpause. Nach dem Grübeln über vergangene Verletzungen im letzten Schuljahr und Angst vor dem neuen Schuljahr hatte ich drei Wochen echte Entspannung, mit der Nachbarskatze schlafschnurrend auf meiner Couch, spielend mit meinem Patenkind, im Garten und durch Seiten wühlend.

Und dann war die Angst wieder da. Am Montag habe ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt, wollte das neue Schuljahr vorbereiten, und bekam keine Luft mehr. Ich habe viel geheult und viel geschrien diese Woche, ich bin durch meinen eigenen Schrei aus dem Schlaf geschreckt, konnte nicht essen, manchmal konnte ich nicht einmal aufrecht stehen, so sehr hat das Loch in meiner Brust geschmerzt. Dieses Loch, wo andere Menschen Lebensmut haben, Selbstwertgefühl und Energie.

Welche Überraschung, ich habe noch nichts vorbereitet. Ich habe im Garten gearbeitet, der genug Umgrabefläche zur Ablenkung bietet, meine Nase in das weiche Fell der schlafenden Katze gesteckt und gewartet. Schließlich ist es noch immer wieder besser geworden, selbst wenn ich nie daran geglaubt habe.

Ich habe im letzten Schuljahr nicht einmal wegen der Depression gefehlt. Im nächsten will ich auch nicht aus anderen Gründen fehlen. Weil die Kinder es mir wert sind. Auch wenn es vielleicht, hoffentlich mein letztes Schuljahr wird. Ich habe schon immer gerne unterrichtet. Ich mag nur dieses Schulsystem nicht. Und es tut mir nicht gut.

Eigentlich wollte ich in der vergangenen Woche einen viertägigen Poetry-Slam-Workshop für Kinder und Jugendliche geben. Viele haben auf die Ankündigung positiv reagiert, niemand hat sich angemeldet. Das hat natürlich auch zu meiner aktuell eher schlechten Verfassung beigetragen. Ich hätte das Geld wirklich gebrauchen können.

Ich möchte immer, dass alles sofort funktioniert. Aber trotz des Angebots hier auf der Seite, das seit Jahren besteht, habe ich bisher wenig Lektoratsaufträge bekommen. Bei Patreon habe ich nur eine einzige Unterstützerin. Mein – zugegeben sehr kurzfristig bekanntgegebener Workshop – ist geplatzt. Ich habe so viele Ideen, was ich gerne tun würde, warum also an einer festhalten, die gescheitert ist?

Weil Beharrlichkeit der Weg zum Erfolg ist. Jedenfalls sage ich mir das immer wieder. Ich hole den Blog aus der Sommerpause, ich baue Patreon aus, ich mache eine Weiterbildung zur Lektorin. Es kann doch nicht sein, dass ich nur das professionell betreiben kann, was mir nicht gut tut?

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