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Unbearbeitetes

Reisegepäck auf einer Bahnhofsbank

Grüße aus dem Schreibhain! Ja, da gehe ich immer noch hin. Aber wir arbeiten an den Romanprojekten und nicht mehr an unserem Handwerk, also gibt es nicht mehr so schön viele Schreibübungen zu teilen. Nur das Einschreiben. Samstag mit Satz, Sonntag ohne.

Und ich poste das, weil ich es schön finde. Und nicht nur, weil ich nicht dazu komme, etwas Neues zu schreiben. Naja, deswegen auch. Aber auch, weil ich zeigen will, dass Schreibübungen sinnvoll sind. Sogar so etwas nerviges wie Morgenseiten. Ich hasse sie, aber sie feilen meinen Stil.

Dem Roman geht es übrigens gut. Er wächst, er gedeiht, die ersten Seiten schälen sich bereits aus dem Babyspeck. So viel zum Stand der Dinge. Und nächste Woche geht es mit der Textreihe weiter. Hoffe ich.

19.01.19

Im Dornbusch eine ganze Flasche Pfefferminzlikör.

Das ist sowas von Magdeburg. Dornen und Pfeffi. Trotzdem mag ich es hier.

In Dornen kann man wohnen. In Dornen zu wohnen – da merkt man, dass man lebt. Fühlt. Sich immer noch so viel Wert ist, die Dornen zu umgehen. Eine Narbe weniger.

Das hier bin ich. Und ich habe halt Narben.

Ich habe viele Namen. Nicht alle fangen mit C an. Corinna nennen mich viele. Oder Caro. Ich höre auf das alles. Nihil Lizt nenne ich mich selber. Manchmal. Schon lange nicht mehr.

Schizo halt.

Wie Magdeburg. Grau in grau und bildet sich ein, eine Großstadt zu sein. Und jetzt trocknet uns auch noch unsere Elbe aus, SUV-Fahrer und Urlaubsflieger, das könnt ihr uns nicht antun! Was haben wir denn noch ohne unsere Elbe?

Dornbüsche und Pfefferminzlikör. Und den wohl schlechtesten PoetrySlam der Region. Aber was ergibt sich wohl, wenn man für Wasser bezahlen muss und der Pfeffi umsonst ist? Und das Publikum lacht, also kann es so verkehrt nicht sein. Die Menschen leben ja, also muss das Leben noch etwas wert sein, was beschwert ihr euch denn alle?

In anderen Ländern kommt der Zug keine Stunde zu spät. Dort hat er gar keinen Fahrplan. Oder wurde schon vor Jahren abgeschafft.

Merkern ist sowas von Magdeburg. Möckern auch. Crispy Chips, Chocolate Chips Cookies, schade, dass sich die Wise Guys aufgelöst haben, ich bräuchte dringend ein Konzert von denen. Aber das ganze Jahr auf Tour, die Kinder werden groß, ohne dass man sie sieht, ich kann es verstehen.

Ich würde auch gerne groß werden, ohne dass man mich sieht. Alleine zwischen meinen Dornen sitzen, lesen, schreiben. Pfefferminz-Tee trinken. Das ist nicht Magdeburg, aber egal. Das bin ich.

Mit etwas weniger Narben. Charlottenburg. Da war ich nie. In Chile auch nicht. Und mein Kopf ist nicht ganz da, ist müde, trotz Kaffee, ist überarbeitet, bevor ich überhaupt begonnen habe. Meine Schüler haben wunderbar bewiesen, warum Noten per se ungerecht sind, und das so kurz vor den Zeugnissen. Macht mir gar keinen Druck, nein, nie.

Chicoree. Habe ich noch nie gegessen. Chili dagegen des Öfteren. Chinapfanne.

Hunger habe ich nicht, aber mit C gibt es irgendwie nur Namen und Essen. Ob das etwas zu bedeuten hat? Das C ist der wichtigste Buchstabe, der wird nicht für Nebensächliches verschwendet.

Ich möchte schlafen. Ich möchte durch überfrorene Felder reiten, dann heiße Schokolade trinken und schlafen. Und dann schreiben.

Chrrrrr … heute fließt gar nichts. Da ist es schon fast schade, dass ich so schnell tippen kann, dann kommt einfach besonders viel gar nichts zusammen. Vielleicht hätte ich doch noch einen Kaffee machen sollen. Haben sie uns wieder vergessen?

Christbaumständer checkt chemisch Celloseiten.

Dabei war der Satz so schön. Aber ich bin so müde, so leer, so … keine Ahnung. Monochromatisch. Kommen nicht viele Gedanken bei raus.

[Das C war übrigens der Buchstabe für den Fall, dass der Schreibfluss versiegt und uns nichts mehr einfällt. Was – wie ihr merkt – an diesem Samstag recht oft der Fall war.]

20.01.19

Väterchen Frost überzieht die Äste mit Zuckerwatte. Eiskristalle. Ein ganz neues Berlin. Kreativer, stiller, heimeliger. Ich liebe die Kälte. Die Luft gibt Leben und drinnen ist Kaffee. Ist Ruhe. Ist Schreibraum.

Ein Schreibtraum. Ein Traum vom Schreiben. Den ich seit frühester Kindheit träume, mir nie habe nehmen lassen, trotz der guten Gegenargumente.

Wenn du mich liebst, schenkte mir Buchstaben. Und Eisblumen.

Die Sonne glitzert in der Zuckerwatte, die Leere spaltet sich in Farben, frühlingsbunt, Mitten im Januar. Eine Zeit, um zu träumen. Kurz vor den Zeugnissen. Aber Sonntag. Heute gibt es keine Arbeit, heute gibt es Gedanken, die fließen und festfrieren, Eisblumen bilden an den Wänden meiner Augen, gefrorene Augenflüssigkeit, gefrorene Gefühle, kalte Füße. Heißer Kaffee.

Meine heiße Liebe. Die Literatur. Das, woran ich immer denken muss, was mich nicht normal erscheinen lässt. Finger tanzen sich auf Tasten warm, die Seele fliegt in den blauen Himmel, sucht sich ein Pferd und reitet … im Winter will ich immer reiten, warum auch immer. Den warmen Körper unter sich ersetzt die Sitzheizung, ohne Sattel, ganz langsam, im Einklang. Und dann vielleicht auch schnell, wenn mein Träger so will, das Pferd macht die Arbeit, das Pferd trifft die Entscheidung.

Das Pferd ist meine Geschichte und ich ihr Diener. Ich gebe ihr zu wenig Raum, zu wenig Zeit, aber Sonntag. Heute können wir ausreiten, über die gefrorenen Wiesen, einer Sehnsucht nach Süden folgen oder nach Norden. Die Polarnacht suchen, damit niemals Montag wird, noch einmal schlafen – aber ich war doch wach. Heute können wir Wege suchen und durch Flüsse schwimmen, seltsame Blumen essen, nur um zu probieren, ob sie giftig sind.

Seltsame Eisblumen lutschen. Weil die Kälte so schön kribbelt im Bauchnabel und die taube Zunge ganz aus Versehen nicht mehr sprechen kann. Nicht mehr sprechen will. Sprache ist zum Schreiben da und sonst nichts. Und so reiten Gedanken über Wolkenberge aus gefrorener Zuckerwatte, es knistert. Unter mir zerbricht etwas, ist es ein Wassermolekülgebilde oder eine Seele, ich schaue mal lieber nach, ich hebe den Staub auf und hauche ihm neues Leben ein. Das er früher vielleicht gar nicht hatte.

Hauche der ganzen Welt Leben ein, das die Kälte mir gibt. Ich liebe euch alle, lasst es mich teilen. Lasst mich austeilen zwischen Zeilen, lasst mich schreiben. Lasst meine Geschichte ein Wildpferd sein, dass über Wiesen fliegt und eine Regenbogenbrücke zwischen Menschen formt.

Und jetzt werde ich mal weiter arbeiten …

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