Almost an Adult

Almost an Adult 23.35

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Sie sagen, wenn du es wirklich willst, dann schaffst du es auch. Ich frage mich manchmal, wann ich aufgehört habe, es zu wollen.

Wenn man nicht wirklich will, schafft man wohl gar nichts. Aber nur weil man will, kann man noch lange nicht alles schaffen, dieser Glaube ist toxisch, wenn dir äußere Hindernisse entgegen stehen, die unüberwindlich sind. Nur welche Hindernisse äußerlich und welche innerlich, welche wirklich unüberwindlich sind und welche nur so scheinen, ist nicht immer leicht zu erkennen.

Ich möchte meinen Lebensunterhalt mit Literatur verdienen. Das wollte ich schon immer. Und meine gesamte Schulzeit über habe ich gehört, dass das keine kluge Wahl ist, dass ich lieber etwas anderes machen soll. Dieser Gedanke sitzt tief.

Ja, allein vom Schreiben zu leben ist sehr schwer. Daher habe ich ja so viele andere Dinge versucht. Aber mein aktuelles Experiment, die Lehre in der Schule, ist auch dabei zu scheitern. Ich reibe mich auf zwischen übergriffigen Eltern, alten, starren Rahmenrichtlinien und zu festgelegten Arbeitszeiten. Daher habe ich entschieden, mich mehr auf das Lektorat zu konzentrieren.

Das Angebot zu lektorieren habe ich schon lange auf meiner Seite, Aufträge hatte ich bisher wenige. Aber wer beauftragt schon jemanden, der das nicht gelernt hat, der keine Referenzen hat? Ihr kennt mich nicht, das verstehe ich. Und wer findet diese Seite überhaupt?

Um in die Vereinigung freier Lektorinnen und Lektoren aufgenommen zu werden, muss man eine entsprechende Eignung vorweisen, z.B. durch Weiterbildungen. Ich habe eine Weiterbildung gefunden, die ich unglaublich gerne machen würde. Bezahlen kann ich sie nicht, aber nach ein paar aufregenden Telefonaten mit Jobcenter und Arbeitsamt (deutsche Bürokratie ist immer wieder ein Erlebnis), bin ich auf eine Initiative gestoßen, die auch Beschäftigte bei einer Weiterbildung unterstützt.

Den Antrag auszufüllen war nicht weiter schwierig. Aber immer wieder hatte ich mit Angstanfällen zu tun. Ich hatte eigentlich eine gute Woche, in der ich angemessen viel geschlafen und viel geschafft habe. Aber immer wieder diese Angst, ohne einen Anlass zu erkennen.

Erst gestern, als klar war, dass ich alle Unterlagen für den Antrag zusammen habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Ein Teil von mir findet es egoistisch, meinen wichtigen Beruf als Lehrerin für etwas aufzugeben, das für mich zwar besser, aber gesellschaftlich (vermeintlich) weniger relevant ist. Und ich habe Angst davor, egoistisch zu sein.

Es macht mir Angst, eine Entscheidung nur deshalb zu treffen, weil es für mich besser ist.

Ich muss ganz dringend Selbstliebe lernen.

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