Almost an Adult

Almost an Adult 25.10

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

In der letzten Woche ist viel passiert.

Einer meiner absoluten Lieblinge beim Arbeiten in der Grundschule ist der Schulfasching. Dieses Jahr hatte ich die vage Vorstellung eines Steampunk-Kostüms und habe bei Kleinanzeigen eine wunderschöne Bücherweste gefunden (die ab sofort auch meine Buchmessenkleidung sein wird). Montagnachmittag und -abend habe ich noch mit Feuereifer einen Zylinder aus Kunstleder genäht, Dienstag war die Feier.

Wie es bei solchen Gelegenheiten immer ist, zählen Arbeitsstunden hier nicht. Wenn wir feiern, sind wir alle da, ganz gleich, ob wir in der Zeit Unterricht hätten oder nicht. Wer denkt, Lehrer*innen hätten vormittags Recht und nachmittags frei, haben sich definitiv noch nie die Arbeit an einer Privatschule angesehen. Auf jede Stunde Unterricht kommt mindestens eine Stunde Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Konferenzen oder Feiern.

Eine neue Veröffentlichung

Während ich mit Erstklässler*innen Partybilder gemalt habe, bekam ich die Antwort eines Verlags, bei dessen Schreibwettbewerb ich trotz gerade abgelaufener Einsendezeit gerne noch teilnehmen wollte – und durfte. Dienstag war ich viel zu fertig, als ich endlich zu Hause war, Mittwoch früh habe ich meinen Text noch vor Beginn der ersten Stunde abgeschickt. In der Frühstückspause hatte ich bereits eine Antwort. Mein Text gefällt, er wird auf jeden Fall in die Anthologie aufgenommen! Nach vielen Jahren endlich mal wieder eine Veröffentlichung von mir. (Details dazu über Instagram und Wortfabrik, sobald sie offiziell sind.)

Das hat mich so motiviert, dass ich am Donnerstag – für meine Verhältnisse – früh aus dem Bett gekommen bin. Normalerweise schlafe ich an meinem freien Tag bis Mittag, weil ich schon von einer halben Woche völlig fertig bin. Mit seltenem Schwung habe ich meinen Patreonshop aktualisiert und die letzten notwendigen Dokumente an den Verband Freier Lektorinnen und Lektoren geschickt, um mich als Kandidatin für eine ordentliche Mitgliedschaft aufnehmen zu lassen.

Teilzeit freiberuflich

Lektor*in ist kein geschützter Beruf, ich darf mich eigentlich schon Lektor*in nennen, seit ich Kommiliton*innen und Verwandten angeboten habe, ihre studentischen Abschlussarbeiten Korrektur zu lesen. Aber wie so viele Impostors hatte ich immer ein Problem damit. Jetzt habe ich das Zertifikat „Freies Lektorat“ der Akademie deutscher Medien und bin Verbandsmitglied. Also, Kandidatin. Jetzt bin ich Lektor*in.

Ein Teil von mir glaubt jetzt natürlich, ungefähr morgen die ersten Aufträge zu bekommen. Ein Teil von mir hat große Angst vor dieser neuen Herausforderung. Aber ich freue mich auch riesig darauf. Ich weiß, dass ich das kann, und ich weiß, dass ich es gerne mache. Du kannst mir dein Manuskript also wirklich anvertrauen, auch wenn ich Anfänger*in und unsicher bin.

Stolpersteine des Traumahirns

Kaum hatte ich einige Aufgaben am Computer und im Haushalt erledigt, fing mein Unterbauch wieder an zu krampfen. Diese Schmerzen habe ich seit etwa zehn Wochen, ich bin mir zu 95% sicher, dass sie psychosomatisch sind. Und sie strafen mich, wenn ich auch nur für kurze Zeit vergesse, dass ich nicht gesund bin.

Den Rest der Woche ging es folgerichtig bergab, mehr Schmerzen, weniger Motivation. Montag bis Mittwoch arbeite ich sehr viel in der Schule und bin verplant. Ich habe keine Zeit, nachzudenken oder zu fühlen. Sobald die Zügel wieder lockerer werden, wird es schwerer, mich zu entscheiden, was ich zuerst mache und was zuletzt. An meinem Manuskript habe ich seit Ewigkeiten nicht gearbeitet, schließlich wartet niemand darauf. Die ganze Woche warte ich darauf, dass endlich Wochenende ist. Am Wochenende warte ich darauf, dass ich schlafen gehen kann. Und dann das Ganze wieder von vorn.

Das, liebe Leute, nennt man hochfunktionale Depression.

Kleine Schritte

Aber im Moment sieht es nach Frühling aus, ich gehe am See laufen, ich arbeite in meinem Garten, ich ignoriere, was sich auf der Bühne globaler Politik abspielt, so weit ich es schaffe. Und so kann ich immerhin kleine Inseln des Friedens finden.

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