Almost an Adult

Almost an Adult 25.19

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Mit nicht ausgeheilter Magenschleimhautentzündung eine 40+ Woche machen? Nicht so klug.

Letzte Woche war ich ja krankgeschrieben, diese Woche war ich wieder arbeiten. Außerdem gab es den großartigen Bookerfly Umsetzungskongress für Autor*innen, von dem ich in einem anderen Beitrag mehr erzähle. Diese Woche habe ich definitiv mehr als 40 Stunden gearbeitet. Mein Magen ist – so mittel zufrieden. Ich nehme noch Medikamente und ja, es ist besser, aber es ist nicht gut.

Hätte ich also besser den BUKA ausfallen lassen? Auf keinen Fall!

Manches ist Magenschmerzen wert

Ich habe so viele nette Kontakte geknüpft, altes Wissen aufgefrischt, neues bekommen, Motivation geschöpft, endlich mal wieder mich und mein Schreiben ernst genommen. Auch endlich mal wieder an meinem aktuellen Romanprojekt weitergearbeitet und verstanden, warum es mir so schwer fiel in letzter Zeit. Das möchte ich nicht missen.

Dafür blieb aber zu wenig Zeit für andere Dinge. Leinwand ist geduldig, sie beschwert sich nicht, wenn ich sie vernachlässige. Der Garten ist da weniger nachsichtig, aber zum Glück war das Wetter ja diese Woche nicht so doll, er wird es überleben. Und dass ich mir keine Zeit für Sport und Meditation genommen habe, merke ich dann wieder an meinem Körper.

Endspurt in der Schule

Zum Glück ist die kommende Woche ruhiger, in der Schule geht es schon auf den Schuljahresschluss zu, es gibt eine Menge Fahrten und Feiern. Wenn die anderen immer gestresster werden, werde ich immer ruhiger. Es hat seine Vorteile, nicht Klassenlehrer*in zu sein. Ich mache, was geht, und was in dieses Schuljahr nicht mehr rein passt, passt halt nicht. Meine Schüler*innen werden nicht darunter leiden, ein Thema weniger zum Umweltschutz behandelt zu haben. Ihre Eltern haben dafür gesorgt, dass ihre Entscheidungen ohnehin zu spät kommen.

Nur die Vertretungen im Gymnasium zeigen mir, dass meine eigene Schulzeit alles andere als prickelnd war. Am Freitag hatte ich Vertretung in einem Kurs der neunten Klasse, die Schüler*innen hatten Aufgaben ihres Fachlehrers, ich musste nur Aufsicht führen. Dazu gehörte sicher auch, darauf zu achten, was die Schüler*innen tun. Aber ich kannte die Aufgaben nicht, die Schule arbeitet digital, und wenn die Schüler*innen auf ihre Laptops und Tablets schauen, weiß ich nie, ob sie jetzt ihre Aufgabe erfüllen oder nur Zeit tot schlagen.

Und als sie angefangen haben zu tuscheln und auf den Geräten der anderen rumzutippen, habe ich nichts dazu gesagt. Denn ich hatte Angst vor ihnen.

Die Schulzeit endet nie wirklich

Das neunte und zehnte Jahr waren es, als es bei mir richtig schlimm wurde. Als ich über Suizid und Amoklauf fantasiert habe. Als ich jeden Tag Angst davor hatte, in die Schule zu gehen. Heute bin ich erwachsen, aber nur äußerlich. Ich habe immer noch Angst davor, dass sie mich auslachen, durch mich hindurch sehen, in meiner Anwesenheit über mich reden, meine Sachen durch die Klasse werfen.

Die Schulzeit endet nie wirklich, nicht für die Opfer von Mobbing. Auch dann nicht, wenn sie nicht in der Schule arbeiten. Ich hatte gehofft, dass die Arbeit in der Schule eine Art Schocktherapie sein könnte. Die alten Erinnerungen überschreiben, denn heute werde ich (meistens) von den Schüler*innen respektiert.

30 Jahre Angst verlernt man nicht in 3 Monaten

Aber es funktioniert nur teilweise. Vertretungsstunden wie die am Freitag zeigen mir, dass ich weit davon entfernt bin, geheilt zu sein. In der Traumatherapie haben wir das Schultrauma nicht einmal angeschnitten, zu viel anderes erschien wichtiger. In welcher Reihenfolge bearbeitet man multiple Traumata? Chronologisch, antichronologisch, in Spiralenform? Auch bereits bearbeitete Traumata kommen immer wieder, am liebsten, wenn mensch es am wenigsten erwartet.

Traumatherapie ist ein lebenslanger Vollzeitjob. Und da wundern sich die Boomer, dass wir Millennials so schlechte Arbeitnehmer*innen sind.

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