Almost an Adult

Almost an Adult 26.03

Figur, die davon fliegenden Ballons hinterher läuft

Ich muss gar nicht viele Stunden am Tag arbeiten, um etwas zu erreichen – was unser Kanzler wohl dazu sagen würde? Ich habe zwar diese Woche noch kein Geld verdient, aber meine Selbstständigkeit ist noch sehr jung und da ist das nicht ungewöhnlich. Und ich habe viel Vorbereitendes erledigt.

Mut heißt nicht, keine Angst zu haben

Am vergangenen Sonntag habe ich mit einer potenziellen Kund*in telefoniert – was zeigt, dass meine Begeisterung für meine Arbeit endlich einmal größer ist als meine Angst. Denn telefonieren fällt mir schon mit meinen liebsten Menschen nicht leicht, mit fremden Personen umso schwerer. Aber ich kann es verstehen, dass Autor*innen wissen möchten, wem sie ihr Manuskript anvertrauen. Es würde mir vermutlich nicht anders gehen. Also telefonieren wir.

Am Montag und Dienstag habe ich meinen Etsy-Shop eingerichtet und gelauncht. Mensch kann meine Bilder jetzt nicht nur über Patreon bekommen, sondern auch über Etsy, wo ich vermutlich sehr viel leichter von Personen gefunden werden kann, die mich noch nicht kennen.

Am Mittwoch habe ich zwei Beiträge für Wettbewerbe abgeschickt.

Am Freitag habe ich einen neuen Workshop vereinbart und dadurch die Basis für eine hoffentlich lange, gute Zusammenarbeit mit einem Café in der Nähe gelegt und eine Lektoratsanfrage erhalten.

Zwei Wege zum Lektoratsauftrag

Es gibt für mich aktuell vor allem zwei Wege zum Lektoratsauftrag: eine Person entscheidet sich, ein Lektorat machen zu lassen, findet den Verband freier Lektorinnen und Lektoren und sendet eine Anfrage an den Verband. Diese Anfrage wird über einen Verteiler an – ich weiß nicht – hunderte Kolleg*innen verschickt, von denen die, die sich angesprochen fühlen, antworten und hoffen, den Zuschlag zu erhalten. So erhält eine Autor*in sehr viele Angebote auf einmal und hat die Qual der Wahl. Für mich ist es immer ein bisschen wie ein Rennen, ich versuche, so schnell wie möglich so gut wie möglich zu antworten, häufig kommt gar keine Reaktion.

Oder eine Person sucht im Internet nach Lektor*innen, findet mich, z.B. hier den Blog oder bei Instagram oder im Lektor*innenverzeichnis über den Verband und schreibt mich direkt an. Diese Person hat natürlich auch eine große Auswahl, sie hat diese aber schon getroffen, bevor ich das erste Mal von ihr und ihrem Projekt höre, und sich für mich entschieden. Das fühlt sich immer nach einem großen Kompliment an und zeigt, dass ich gefunden werden kann. Deshalb habe ich mich so sehr darüber gefreut, als ich am Freitag die Anfrage im Postfach hatte.

Ich bin noch weit davon entfernt, nur Aufträge annehmen zu können, auf die ich so richtig Lust habe. Ich bin mir sicher, dass ich auch die Lektorate, die nicht genau in mein Portfolio passen, zufriedenstellend abgeben kann, deshalb antworte ich auch auf Anfragen zu Projekten, die mich nicht sofort ansprechen. (Außer für historische Romane. Da bin ich mir sicher, dass ich zu wenig Hintergrundwissen habe.) Aber liest eine Autor*in meine Homepage oder meinen Feed bei Instagram und denkt sich, ich möchte, dass diese Person mein Manuskript bearbeitet, dann ist es vermutlich ein Projekt, das mich begeistern kann.

Verdiente Pause

Ich bin zufrieden. Dieses Gefühl ist ziemlich neu für mich. Ich bin so zufrieden, dass ich am Wochenende zumindest anderthalb Tage entspannen konnte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wie so viele meiner Generation kann ich das nicht wirklich, aber Pausen sind nicht entspannend, wenn mensch sie nicht genießen kann.

Ich lerne. Ich habe sehr viel gelesen diese Woche und während ich lese, habe ich gar keine Aufmerksamkeit übrig, um ein schlechtes Gewissen zu haben. Und wenn währenddessen auch noch das Nachbarkätzchen neben mir schnurrt, genieße ich am meisten. Außerdem gehe ich spazieren oder stricke, gestern habe ich endlich mal wieder gebacken.

Eine Ergotherapeutin sagte einmal, ich solle auch hin und wieder einfach nur dasitzen und nichts tun. Davon bin ich weit entfernt. Aber Beschäftigungen, in denen ich nicht perfekt sein muss, nichts leisten muss, sind schon viel wert.

Und sonst noch?

  • Habe ich ein altes Manuskript überarbeitet, um es bei einem weiteren Wettbewerb einreichen zu können.
  • Ich habe Ideen für noch mehr Wettbewerbe gesammelt (ja, es gibt eine Menge Wettbewerbe. Wenn ihr euch dafür interessiert, schaut mal in der Autorenwelt vorbei.)
  • Ich habe unsere Wohnung endlich mal wieder fast vollständig grundgereinigt (das ist etwas Besonderes für Menschen mit depressiven Erkrankungen!),
  • Mich um die Nachbarskatze gekümmert
  • Und einen Boxraum im Keller eingerichtet. Gegen die dunklen Gedanken in meinem Kopf helfen manchmal nur Boxen und Rennen. Und Rennen ist durch die vereisten Wege aktuell eher schlecht.

Behaltet einen kühlen Kopf und warme Füße, der Winter ist noch nicht vorbei!

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