Schreiben als Selbstfürsorge · Schreibmenschen

Den Traum noch in den Gliedern – das Traumtagebuch

„A million dreams is all it’s gonna take.“

Greatest Showman

 Das Traumtagebuch handelt von Träumen. So viel ist offensichtlich. Aber der Begriff „Traum“ ist mehrdeutig. Welche Träume sollen also festgehalten werden? Und wozu soll das gut sein?

Mit „Traum“ können – natürlich – die Träume gemeint sein, die wir alle nachts haben (Menschen, die der Überzeugung sind, nicht zu träumen, erinnern sich nur meist nicht). Aber es können auch die Wünsche und Ziele gemeint sein, die wir für unser Leben haben, was wir uns er-träumen. Auch Tagträume zu notieren kann hilfreich sein oder sich speziell auf Albträume zu konzentrieren. In diese vier Kategorien werde der folgende Blogbeitrag gliedern.

Ich wünsche mir …

Ob wir eine sogenannte Bucketlist schreiben oder unseren einen Lebenstraum als Banner über den Schreibtisch pinseln – unsere Wünsche festzuhalten, ist immer eine gute Idee. Anhand dessen, was wir uns wünschen, können wir uns und andere besser kennenlernen. Wollen wir z.B. ein höheres Einkommen? Oder einen erfüllenderen Beruf? Familie?

Diese Wünsche nach einem Jahr wieder zu lesen, ist mehr als ein lustiger Zeitvertreib. Es zeigt uns, wie wir uns verändert haben, welche Wünsche geblieben sind und welche verschwunden. Taucht ein Wunsch immer wieder auf, hat er sicher etwas mit unserer Persönlichkeit zu tun.

Haben wir uns vielleicht auch einen Wunsch schon erfüllt, ohne dass es uns groß aufgefallen ist? Dann ist jetzt die Zeit, sich darüber zu freuen.

Auch die Schritte zur Verwirklichung unserer Träume können wir in einem solchen Traumtagebuch festhalten. Selbst der größte Lebenstraum lässt sich, vermutlich, in einzelne Schritte zergliedern. Diese Schritte selbst mögen uns weniger erstrebenswert erscheinen, aber dafür wirken sie umsetzbarer. Und wir erkennen durch die Zergliederung, dass wir selber aktiv werden müssen. Ein Traum erfüllt sich nicht von allein. Und wenn doch – es gibt ja glückliche Zufälle – ist es weitaus weniger befriedigend, als es allein geschafft zu haben.

To-do-Liste

Nehmen wir z.B. den Traum, einen Roman zu schreiben. Viel mehr Menschen haben diesen Traum, als man denken mag. Wenn ich sage, dass ich schreibe, sagen mir immer wieder Bekannte oder Freunde, dass sie auch schon lange diese Idee im Kopf haben. Woran scheitert es also bei so vielen?

Wir müssen wissen, welche Schritte wir gehen müssen, um unseren Traum zu verwirklichen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind diese Schritte zum Buch vermutlich:

  • Eine Idee haben
  • Schreibhandwerk erlernen
  • Einen Handlungsbogen bilden
  • Ein Kapitel nach dem anderen schreiben
  • Kontakte zur Branche aufbauen (Verleger und Agenten)
  • Sich gezielt bei Agenturen und Verlagen bewerben

Sicher muss eine solche Liste immer wieder umgeschrieben werden, weil wir neue Informationen erhalten, neue Erfahrungen machen. Aber das Schöne an Listen ist – wir können Häkchen machen, wenn wir etwas erreicht haben. Wir können sehen, dass es voran geht.

Wovon träumst du tags?

Wenn wir noch gar nicht richtig wissen, was unsere Lebensträume eigentlich sind, sollten wir einen Blick auf unsere Tagträume werfen. Wenn wir entspannt unsere Gedanken schweifen lassen, gehen sie oft dorthin, wo sie sich am wohlsten fühlen. Während meiner Schulzeit habe ich in Tagträumen immer wieder meine Dankesrede beim Erhalt des Nobelpreises geprobt – ein Traum, den ich mittlerweile aufgegeben habe. Heute träume ich tagsüber davon, ein Kind zu haben.

Oder Kinder zu unterrichten. Nicht immer handeln unsere Tagträume von dem, was wir uns wünschen. Oft auch von dem, wovor wir uns fürchten, worauf wir uns vorbereiten müssen.

Die Inhalte unserer Tagträume zu notieren, zeigt uns, was uns gerade wirklich beschäftigt. Und das kann durchaus überraschend sein. Drehen sich unsere Tagträume immer wieder um das gleiche Thema, könnte es sinnvoll sein, diese Aufgabe endlich anzugehen – oder unseren nächsten Tagtraum bewusst umzulenken. Die Inhalte unserer Tagträume beeinflussen unser Stresslevel nicht unbedeutend.

Des Nachts

Das gleiche gilt natürlich auch für die Träume, die wir im Schlaf haben. Schon der Erfinder der Psychoanalyse Sigmund Freud hat die Träume seiner Patienten gedeutet, seitdem wurden viele Versuche gemacht, bestimmte Symbole in Träumen zu finden.

Auch wenn ich von all diesen verallgemeinernden Theorien wenig halte, ist eins nicht zu verachten: Der Traum ist tatsächlich einer unserer Zugänge zum Unterbewusstsein. Im Traum verarbeiten wir Erlebtes, Erhofftes, Erwartetes. Genauso wie unser Leben oft langweilig und banal ist, sind es auch unsere Träume – meistens träume ich von Ethikstunden, Telefonaten mit meiner Mutter und von dem Versuch, morgens wach zu werden.

Manchmal zeigen uns unsere Träume jedoch auch Ängste oder Probleme auf, von denen wir am Tage noch gar nichts wussten. Ich habe z.B. vor kurzem geträumt, meine Schwester wolle Weihnachten heiraten. Mein Bruder hatte (in meinem Traum) auch schon einen Hochzeitstermin im Winter festgemacht, beides noch vor meinem schon lange geplanten Termin im Mai. Ich habe mich fürchterlich aufgeregt und war noch beim Erwachen wütend – dabei dachte ich immer, die Hochzeit sei keine so große Sache für mich.

Im Traum sind unsere Abwehrmechanismen heruntergefahren, er folgt keiner logischen Struktur. Und trotzdem funktioniert alles. So kommen wir auf Problemlösungen, die uns im Wachen nie in den Sinn gekommen wären, zu viel Angst hätten wir gehabt, das klappt nicht.

Vom Schreiben zum Erinnern

Das alles sind Vorteile bzw. Eigenschaften des Träumens, nicht des Schreibens über Träume. Träume verfliegen jedoch nach dem Erwachen sehr schnell. Schon wenn wir unserem Partner von unserer neuen Erkenntnis erzählen wollen, haben wir sie wieder vergessen.

Direkt nach dem Erwachen, noch im Bett, den Trauminhalt in wenigen Stichworten oder Bildern zu notieren, hilft dabei, sich an den Traum erinnern zu können. Längere Übung soll sogar das allgemeine Traumgedächtnis verbessern, (aus eigener, lückenhafter Erfahrung kann ich das jedoch nicht bestätigen).

Und formulieren wir später in Ruhe den Traum anhand der Stichworte aus, erkennen wir, was wir im Traum schon wussten, jedoch ohne das Traumtagebuch vergessen hätten.

Die Monster im Schrank

Last but not least können wir das Traumtagebuch nutzen, um mit Albträumen umzugehen. Oft bleibt beim Erwachen nur das dumpfe Gefühl der Angst oder eine gewisse Atemlosigkeit, doch schreiben wir unsere Albträume auf, werden wir in ihnen die Geschichte erkennen.

Beim Schreiben über den Traum können wir uns selbst seine Entstehung erklären. Wir erkennen ggf. Zusammenhänge, die wir früher nicht gesehen haben. Auch können wir im Schreiben dem Traum ein anderes, positives Ende geben.

Das Schreiben über Albträume wird in Therapien von Angstsymptomatiken eingesetzt. Immer wieder denselben Traum aufzuschreiben, immer wieder ein wenig anders, führt häufig zu luziden Träumen, sodass die Träumenden auch im Schlaf das positive Ende wählen können. Damit kann das Traumtagebuch zu einem besseren Schlaf führen.

Tausend Geschichten

Träume erzählen manchmal die verrücktesten Geschichten, sie gehen spannende Wege. Ob ihr sie nur aus Neugier notiert oder um besser schlafen zu können – wie so oft gehen die Wirkungen, die ich hier einzeln aufgegliedert habe, Hand in Hand und sind unabhängig vom angestrebten Ziel. Wenn ich euch neugierig gemacht habe, versucht es mit den unten genannten Übungen. Erzählt mir, welche Erfahrungen ihr mit Traumtagebüchern gemacht habt. Empfehlt mich weiter, wenn ihr bei jemandem denkt, der oder die sollte unbedingt mal etwas für sich tun. Und
lest! schreibt! lebt!

Übungen

  • Schreibt einen Brief an euer zukünftiges Ich. Was wollt ihr im nächsten Jahr/ in den nächsten 5/10 Jahren erleben oder verwirklichen? Hinterlegt ihn so, dass ihr ihn nach Ablauf der angedachten Zeitspanne wiederfindet!
  • Sammelt über einen ganzen Tag alle Themen, die ihr in Tagträumen behandelt.
  • Notiert eine Woche lang jeden Morgen eure Träume.
  • Erzählt einen eurer Albträume nach – und gebt ihm ein neues Ende.

Literatur

  • Schlafforschung
  • Sigmund Freud, „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“

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